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Spezial-Truppe «Tigris» war schon 130 Mal in der Schweiz unterwegs

Aktualisiert am 25.03.2009

Kurt Blöchlinger, Chef der Bundeskriminalpolizei, hat in einem Interview Auskunft über die umstrittene Sondereinheit «Tigris» gegeben. Die Truppe war unter anderem an der Euro im Einsatz.

«Tigris» habe bisher rund 130 Einsätze geleistet und dabei mit 21 Kantonen zusammengearbeitet. Eine geheime Truppe gebe es nicht, sagte der Chef der Bundeskriminalpolizei im «Blick». Die Politik, das Justiz- und Polizeidepartement (EJPD) und der Direktor des Bundesamts für Polizei (Fedpol) seien im Bild über die Sondereinheit gewesen. Ein vom damaligen Justizminister Christoph Blocher in Auftrag gegebener Inspektionsbericht sei im Jahre 2005 zu keinen Empfehlungen gekommen. Blocher habe ihn zur Kenntnis genommen, und der Bericht sei auch an die Geschäftsprüfungskommissionen (GPK) des Parlaments gegangen. Die Vorwürfe der «Weltwoche» seien für ihn deshalb nicht nachvollziehbar, sagte Blöchlinger.

Auf die Frage, wieso die neue EJPD-Chefin Eveline Widmer-Schlumpf nicht im Bild gewesen sei, sagte Blöchlinger, man habe die Spitze des EJPD vor etwa einem halben Jahr zu einem Besuch der Spezialeinheiten, darunter auch «Tigris», eingeladen. Der Besuch habe bisher aber nicht stattgefunden. Der Chef der Bundeskriminalpolizei bekräftigte auch, dass er selber die Kantonspolizeichefs im Herbst 2005 über die Einsatzgruppe informiert habe.

Keine Schussabgabe

Zu den bis heute rund 130 Einsätzen in Zusammenarbeit mit 21 Kantonen habe auch die Koordination des Informationsflusses unter den Interventionseinheiten der Kantonspolizeikorps an der Fussballeuropameisterschaft Euro 08 gehört. «Einzelne Kantone sind sogar auf uns zugekommen und baten um Unterstützung», sagte Blöchlinger. Die Feedbacks aus den Kantonen seien bisher nur äusserst positiv gewesen. Zu einer Schussabgabe sei es bei den bisherigen Einsätzen von «Tigris» noch nie gekommen.

Aufgebaut wurde «Tigris» gemäss Blöchlinger in der Amtszeit Blochers ab 2004 bis 2005. Es treffe aber zu, dass die Zielfahndungseinheit als Folge der von Blocher-Vorgängerin Ruth Metzler begleiteten Effizienzvorlage aufgebaut worden sei. Er selber habe «Tigris» mit Einwilligung seiner Vorgesetzten eingeführt. Blöchlinger verlässt die Bundeskriminalpolizei Mitte Jahr und wechselt zur Schaffhauser Kantonspolizei, zu deren Kommandant er gewählt wurde. Auf die Frage, ob er sich in der Kontroverse um «Tigris» vom Fedpol-Direktor und vom Bundesanwalt im Stich gelassen fühle, sagte Blöchlinger: «Dazu möchte ich nichts sagen.»

Seit dem «Weltwoche»-Bericht über «Tigris» haben Justizministerin Widmer-Schlumpf sowie die Aufsichtsorgane des Parlaments Abklärungen über die Sondereinheit abgekündigt. Auch die Konferenz der kantonalen Justiz- und Polizeidirektoren erklärte, nicht im Bilde gewesen zu sein. (sam/ap)

Erstellt: 25.03.2009, 09:30 Uhr

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