Schweiz

  • Region
  • Schweiz
  • Ausland
  • Wirtschaft
  • Börse
  • Sport
  • Kultur
  • Panorama
  • Leben
  • Auto
  • Digital
  • Wissen
  • Forum

Senioren wollen nicht «Milchkühe der Krankenkassen» werden

Von David Schaffner, Luzern. Aktualisiert am 12.05.2009 29 Kommentare

Ältere Menschen sollen höhere Krankenkassenprämien zahlen, fordert CVP-Nationalrätin Ruth Humbel. Bei Luzerner Senioren kam sie damit gar nicht gut an.

Hat sich nicht beliebt gemacht: CVP-Nationalrätin Ruth Humbel-Näf.

Hat sich nicht beliebt gemacht: CVP-Nationalrätin Ruth Humbel-Näf. (Bild: Keystone)

Artikel zum Thema

Mit grosser Skepsis und einer gehörigen Portion Wut im Bauch empfingen gestern die Senioren der Luzerner CVP die Nationalrätin Ruth Humbel-Näf. Sie hatten die Aargauerin eingeladen, um sich persönlich über einen Vorstoss informieren zu lassen, mit dem Humbel die Gemüter der betagten Christlichdemokraten bewegt hatte. In einer Interpellation regte sie an, dass die Krankenkassen die Prämien für Versicherte ab 55 Jahren künftig um monatlich 50 Franken erhöhen sollen. So will Humbel verhindern, dass junge Menschen zu viel an die Gesundheitskosten der älteren Menschen beitragen müssen.

Ein Leben lang geschuftet

Gleich der ersten Redner machte klar, dass er eine «Strafprämie für Senioren» kategorisch ablehne. Es sei nicht schuld der Pensionierten, dass die heutige Generation kaum mehr Kinder habe und sich so das Verhältnis zwischen Jung und Alt in den Sozialwerken immer mehr zu Ungunsten der Jungen verschiebe. «Überdies ist es nichts als normal, dass wir Senioren über mehr Geld verfügen als die Jungen», fügte der Ex-Chef einer Pensionskasse an. «Schliesslich haben wir ein ganzes Leben lang geschuftet und gespart. Nun wollen wir nicht zu den Milchkühen der Krankenkassen werden.»

«Mit grosser Wut» reagierte ein anderes Mitglied der CVP-Senioren auf Humbels Vorschlag: «Ich habe 30 Jahre lang brav meine Prämien bezahlt und bin fast nie zum Arzt gegangen.» Nun sei es nichts als selbstverständlich, dass er von der Solidarität der Jüngeren profitiere, nachdem er so lange solidarisch gewesen sei. Eine Frau pflichtete ihm bei: «Ich habe ausgerechnet, wie viel Prämien ich mit meiner Familie in den letzten Jahrzehnten bezahlt habe. Das muss mindestens eine Viertelmillion Franken sein.»

Ein Unterstützer

Ein einziger Herr stellte sich hinter Humbels Forderung. «Ich bewundere ihren Mut», lobte der pensionierte Kinderarzt: «Sie haben es gewagt, ein Tabu anzusprechen.» Zwar sei es richtig, dass viele Senioren bereits seit Jahrzehnten ihre Prämien bezahlen. «Die Welt hat sich jedoch verändert. Die teure und hoch spezialisierte Medizin, die wir nun beanspruchen, gab es früher nicht», sagte der ehemalige Mediziner. «Daher stimmt es nicht, dass wir all die Kosten, die wir heute verursachen, früher schon mitgetragen haben.»

Nationalrätin Humbel bemühte sich, ihre Forderung mit viel Zahlen zu unterlegen. In ihrem Vortrag zeigte sie, wie die ältere Generation auch in der AHV und den Pensionskassen immer höhere Kosten verursache. Weil viele Senioren gleichzeitig vermögend seien, sei eine höhere Prämie gerechtfertigt.

Über einen anderen provokativen Vorschlag zeigte sich Humbel als ehemalige Angestellte des Krankenkassen-Verbands Santésuisse übrigens gar nicht erfreut: Ein Mitglied der CVP-Senioren schlug vor, eine Einheitskasse zu schaffen. Diese Forderung der linken Parteien, haben die Bürgerlichen bisher vehement bekämpft. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 12.05.2009, 23:41 Uhr

29

Kommentar schreiben







 Ausland



Verbleibende Anzahl Zeichen:

Mit dem Absenden des Kommentars erklärt sich der Leser mit nachfolgenden Bedingungen einverstanden: Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht zu publizieren. Dies gilt insbesondere für ehrverletzende, rassistische, unsachliche, themenfremde Kommentare oder solche in Mundart oder Fremdsprachen. Kommentare mit Fantasienamen oder mit ganz offensichtlich falschen Namen werden ebenfalls nicht veröffentlicht. Über die Entscheide der Redaktion wird keine Korrespondenz geführt. Telefonische Auskünfte werden keine erteilt. Ihr Kommentar kann auch auf Google und anderen Suchseiten gefunden werden.

29 Kommentare

Marion Petersen

13.05.2009, 08:52 Uhr
Melden

Wenn die Senioren mehr Krankenkassenprämen bezahlen müssen, dann bezahle ich keine Schulsteuern mehr. Über 40 Jahre zahle ich für die Schule, habe aber auch bloss 10 Jahre die Schulbank gedrückt. Wenn wir das Solidaritätsprinzip bei den Krankenkassen aufheben, dann gäbe es noch mehr gelegenheiten. Für Familien hat ddie CVP immer Geld - früher gab es das auch nicht, da mussten alle bezahlen. Antworten


Jürg Schmid

13.05.2009, 08:56 Uhr
Melden

"Die teure und hochspezialisierte Medizin gab es früher nicht". Sie hat einen wesentlichen Anteil an der Kostensteigerung. Warum verschieben wir diese nicht in die Zusatzversicherung. Denn ob sie soviel Nutzen stiftet wie sie kostet ist keinesweg bewiesen. Antworten



Schweiz

Populär auf Facebook Privatsphäre


Online-Wettbewerb

Jetzt mitmachen!: Gewinnen Sie einen Abend als Statist bei den Tellspielen Interlaken!

FÜR IHRE FREIZEIT

Für Ausgehtipps in der Region, nutzen Sie einfach unsere Agenda.

Live @ Sunset

11. bis 22. Juli - Zürich Dolder u.a. mit B.B. King, Elton John und Alanis Morissette!

Remund führend in Werbetechnik

Kein Wunsch zu aufwendig, kein Format zu gross - Remund Werbetechnik löst jede Aufgabe mit modernster Technik.

Familie, Beruf und Studium

Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.