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«Schweizerpsalm» wird in Oslo zum Hit

Von Bruno Kaufmann. Aktualisiert am 15.10.2010 42 Kommentare

Nach einem peinlichen Fehler des königlichen norwegischen Musikkorps waren am Donnerstag plötzlich alle Augen auf die Schweizer Bundespräsidentin Doris Leuthard gerichtet.

1/9 Schreiten die Ehrenformation ab: Bundespräsidentin Doris Leuthard und König Harald V.
Bild: Keystone

   

Der Empfang der norwegischen Königsfamilie war pompös. Hunderte von Soldaten in Galauniform waren zu Ehren der Staatsgäste aus der Schweiz aufmarschiert. Vor dem Osloer Schloss standen einige fahnenschwingende Schulkinder mit schweizerischen und norwegischen Fähnchen.

Dabei hatte der Besuch der höchsten Regierungsvertreterin aus dem Efta-Partnerstaat Schweiz bis dahin kaum Aufmerksamkeit erregt: Bis auf die wenigen Hofberichterstatter kümmerte sich kein norwegischer Medienvertreter um den Anlass, die Osloer Bevölkerung blieb dem Staatsakt in der kühlen Oktobersonne weitgehend fern.

Lied gegen Könige

Doch dann geschah das Unerwartete: Einer ganz in Schwarz gekleideten Bundespräsidentin und einem 73 Jahre alten norwegischen Monarchen in Achtungsstellung kündigte ein hoher Militär die Schweizer Nationalhymne an. Was folgte, war aber etwas ganz anderes: nämlich die Melodie zu dem von Gottfried Keller verfassten Patriotenlied «O mein Heimatland».

Was die Schweizer Delegation verdatterte, hätte beim Betrachten des Textes durchaus auch die norwegischen Blaublütigen in Rage bringen können, wird doch in diesem republikanischen Lied Stimmung gegen «Könige» und «Throne» gemacht und werden stattdessen «Berge» und «Bettler» gelobt. In den 1950er-Jahren gehörte Gottfried Kellers «Heimatland» zu den Kandidaten für eine mögliche Nationalhymne, zu der schliesslich 1961 zunächst provisorisch und schliesslich 1981 definitiv Alberich Zwyssigs «Schweizerpsalm» bestimmt wurde.

Wie der königlichen Garde, die sich seit Wochen minutiös auf den grossen Auftritt vor dem Schloss vorbereitet hatte, ein derartiges Missgeschick unterlaufen konnte, bleibt ein Rätsel.

Botschaft ist unschuldig

Die beiden Erklärungen, die der zuständige «Oberinspektor» der norwegischen Militärmusik, Arnstein Lund, gestern Abend abgab, vermochten auf alle Fälle nicht zu überzeugen: «Wir haben die Noten von der Schweizer Botschaft hier in Oslo erhalten», sagte Lund zunächst. Ein Umstand, der von der Botschaft jedoch kategorisch zurückgewiesen wurde. Anschliessend meinte Lund, dass seine Mannen «einfach die alte Nationalhymne gespielt» hätten, die «bis 1961 galt».

Doch dabei handelte es sich nicht um «O mein Heimatland», sondern «Rufst Du, mein Vaterland». Dieses 1811 vom Berner Johan Rudolf Wyss gegen Napoleon geschriebene Stück verwendete die Melodie der britischen Königshymne «God Save the Queen» – und löste allein schon aus diesem Grund immer wieder Verwirrung aus.

Kaum hatten sich die königlichen Bläser und Trommler gestern Nachmittag gehörig blamiert, geriet der Schweizer Staatsbesuch in die Schlagzeilen aller norwegischen Medien. Plötzlich wurde umfassend darüber berichtet, wer da zu Besuch weilt, was passiert war und wie die «richtige Nationalhymne» klingt.

Royale Entschuldigung

König Harald der Fünfte entschuldigte sich bei Doris Leuthard der Ersten und versprach, dass später am Tag seine Garde garantiert die richtige Hymne spielen würde. Und so bot sich am späten Nachmittag vor der Stadtfestung Aker im Rahmen einer Kranzniederlegung ein wahrlich würdiger Rahmen: mit nunmehr zahlreichen norwegischen Medienvertretern, einer neugierig gewordenen Ortsbevölkerung und – einem korrekt vorgetragenen «Schweizerpsalm». (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 15.10.2010, 07:45 Uhr

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42 Kommentare

Tom Leu

15.10.2010, 17:26 Uhr
Melden

:-D schoen, dass sowas einerseits passieren, und andererseits mit Humor genommen werden kann - tatsaechlich, das zeichnet die betreffenden Staaten aus! Antworten


suppe fritz

15.10.2010, 13:24 Uhr
Melden

Unsere Doris sieht wieder mal zum anbeissen aus. Antworten



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