«Schweiz sei tapfer und wehr dich»

Von Markus Diem Meier. Aktualisiert am 03.02.2010

Die Leserkommentare auf Bernerzeitung.ch/Newsnet sind kontrovers. Der Kauf der gestohlenen Bankdaten durch Deutschland wird verurteilt, doch auch Schweizer Politik und Banken kommen schlecht weg.

«Unrecht mit Unrecht zu bekämpfen ist höchst unmoralisch»: Finanzminister Wolfgang Scheuble und Bundeskanzlerin Angela Merkel.

«Unrecht mit Unrecht zu bekämpfen ist höchst unmoralisch»: Finanzminister Wolfgang Scheuble und Bundeskanzlerin Angela Merkel.
Bild: Keystone

Die gestohlene CD mit Bankdaten und deren Kauf durch die Deutsche Regierung beschäftigt die Schweizer. Das zeigt sich auch an den bisher mehr als 170 Leserkommentaren, die bei Bernerzeitung.ch/Newsnet zum Thema eingegangen sind. Nur wenige sehen einfache Lösungen für das Problem: Etwa jener Kommentator, der ein Gegengeschäft vorschlägt: «Die Banken sollen doch dem Datendieb 5 Millionen bieten und die Daten zurückkaufen. Gemessen an den ausbezahlten Boni wäre das doch ein Pappenstiel».

Die meisten stossen sich daran, dass die deutsche Regierung zu kriminellen Methoden greift: «Ein Rechtsstaat darf nicht zu illegalen Mitteln greifen» steht in einem Kommentar. In einem anderen wird auf die staatspolitische Gefahren eines solchen Verhaltens hingewiesen: «Kein Wunder haben die Bürger keine Achtung mehr vor den Politikern».

«Steuerhinterziehung ist asozial»

Doch viele Schreibende kritisieren auch explizit die bisherige Auslegung des Bankgeheimnisses: «Das Bankgeheimnis ist längst Schnee von gestern, auch wenn es viele noch nicht begriffen haben». Steuerhinterziehung wird von einigen scharf aufs Korn genommen: «Steuerhinterziehung ist ein ganz klares Delikt, hier muss hart durchgegriffen werden. Solche Delikte müssen mit Zuchthaus bestraft werden.» Auch auf Fairness wird verwiesen: «Steuerhinterziehung ist asozial und schadet jedem anständigen Bürger, der seine Steuern ehrlich bezahlt».

Dennoch wird damit das Verhalten der deutschen Regierung nicht legitimiert: «Unrecht mit Unrecht zu bekämpfen, ist höchst unmoralisch» schreibt ein Leser. Einige Schreibende werfen der Schweiz vor, sich angesichts der eigenen Vergangenheit scheinheilig moralisch aufzuspielen: «Wir haben weder die Argumente noch das bessere Handeln auf unserer Seite» steht da und «Die Schweiz erhält die Quittungen, die sie sich über Jahrzehnte verdient hat.»

«Einzig und allein unsere Banken sind schuld»

Das Fett ab bekommt aber auch die Schweizer Finanzbranche: «Einzig und allein unsere Banken sind schuld». Der Schweizer Politik wird hingegen mangelnde Voraussicht vorgeworfen und ein «anpasserisches Reagieren auf äusseren Druck». Warum denn die Schweiz nicht alles tut «um diese Kriminellen dingfest zu machen», wird in einem Kommentar gefragt. Mit den Kriminellen sind jene Bankkunden gemeint, deren Daten sich auf der CD finden. «Eine Schweizer Regierung mit Anstand und Glaubwürdigkeit kann und möchte es sich nicht leisten, von Steuerhinterziehung und –betrug zu profitieren», steht in einem anderen Kommentar.

Doch es gibt auch andere Stimmen – für das Bankgeheimnis und eine trotzige Gegenwehr: «Das Bankgeheimnis muss verteidigt werden», findet sich in einem Text, «Schweiz sei tapfer und wehr dich» in einem anderen. Das Land müsste den Mut haben, für die Eigenständigkeit auch Wohlstandsverluste hinzunehmen, schreibt ein Leser. Auch Gegenmassnahmen gegen die Deutschen finden sich – wenn auch selten: Etwa durch hohe Gebühren für Lastwagenfahrten durch den Gotthard oder durch eine gebremste Zuwanderung.

«Was würden die Eidgenossen tun»

Darüber wiederum beschweren sich deutsche Kommentarschreiber, die sich über die «geschürte Feindschaft» gegen sie ärgern, die «spürbar und zermürbend» sei. Ein anderer wirbt um Verständnis für die Massnahmen der eigenen Regierung: «Steuerhinterziehung ist in Deutschland ein Verbrechen, weil Reiche die Solidargemeinschaft durch Steuerhinterziehung ausrauben und den Staat zerstören. Und zwar mit Hilfe Eures Bankgeheimnisses. Was würden die Eidgenossen tun, wenn man sie ausrauben wollte?»

Viele drücken angesichts der Ereignisse weniger Wut und Empörung aus, als eine gewisse Ratlosigkeit und Sorge: «Ich verstehe mein Land nicht mehr: Wir gehen von einer Katastrophe zur nächsten» schreibt ein Leser, ein anderer: Was uns Sorgen bereiten sollte, ist dass die Schweiz bald mehr Feinde als Freunde hat». (Bernerzeitung.ch/Newsnet)

Erstellt: 03.02.2010, 17:49 Uhr

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