Schulen schweizweit schliessen?
Von Mischa Aebi. Aktualisiert am 17.07.2009
Was wird eher in der Schweiz eintreffen: die grosse Schweinegrippewelle oder der Impfstoff gegen die Krankheit? Dass die Welle kommt, steht für das Bundesamt für Gesundheit fest. Das Ziel der Behörde ist nun bloss noch, sie zu verzögern. Strittig ist jetzt, wie das geschehen soll.
Der Konsens
Ein im Grundsatz unumstrittenes Mittel ist laut Patrick Mathys, Leiter der Sektion Pandemievorbereitung beim Bundesamt für Gesundheit, die Schliessung einzelner Schulen, in welchen eine gewisse Zahl von Schülern erkrankt ist. Dass diesbezüglich auch unter den Kantonen im Grundsatz ein Konsens herrscht, hat sich laut Mathys gestern an einer Sitzung gezeigt. Sowohl Vertreter des Bundesamtes für Gesundheit wie auch Vertreter der Kantone waren anwesend. «Dass nicht alle Kantone gleich restriktiv handeln wollen, ist kein grosses Problem», sagt Mathys. Es sei sowieso sinnvoll, fallweise zu entscheiden, wann eine Schule geschlossen wird und wann nicht. So spiele für solche Entscheide nicht nur die Anzahl der Erkrankten Schüler in einer Schule eine Rolle. Ein wichtiges Kriterium sei etwa auch die Art der Schule – zum Beispiel, ob es sich um eine kleine Schule in einem Dorf oder eine grosse Stadtschule handle. Das Bundesamt für Gesundheit hat für solche Fälle zwar eine Checkliste herausgegeben. Sie sei aber bloss als Empfehlung zu betrachten und enthalte keine konkreten Angaben, so Mathys.
Bern und Zürich
Laut dem «Tages-Anzeiger» tendiert der Kanton Zürich dazu, im Zweifelsfall erkrankte Schüler für einige Tage von der Schule fernzuhalten. In Bern tendiere man dazu, gleich ganze Klassen zu schliessen, falls mehr als ein Schüler erkrankt.
Zwangsferien für Schulen?
Unter Behörden hingegen nach wie vor stark umstritten ist, ob und in welchem Fall Schulen gleich flächendeckend geschlossen werden sollen. «Denkbar sind regional flächendeckende Schulschliessungen wie auch schweizweite Zwangsferien», sagt Mathys. Über den Nutzen dieser einschneidenden Massnahme streiten sich nicht nur kantonale und nationale Behörden – sondern auch Wissenschaftler. «Über dieses Thema werden wir in den nächsten Tagen mit den Kantonen noch diskutieren müssen», so Mathys.
Das Bundesamt für Gesundheit rechnet damit, dass im Spätsommer oder im Herbst weit über eine Million Menschen in der Schweiz an der Schweinegrippe erkranken werden – fünf Mal mehr als bei gewöhnlichen saisonalen Grippewellen. Bei den meisten bisher an Schweinegrippe erkrankten Menschen hat die Grippe einen harmlosen Verlauf genommen. Experten befürchten aber nach wie vor, dass sich das Schweinegrippevirus verändern könnte. Nicht auszuschliessen sei deshalb, dass plötzlich ein hoher Prozentsatz der Erkrankten an der Schweinegrippe sterben, sagen Virologen.
Geschäft mit Impfstoff
Die weltweite Ausbreitung der Schweinegrippe beschert den Impfstoffherstellern unverhoffte Einnahmen. Angesichts der Bedrohung durch das H1N1-Virus decken sich Regierungen weltweit mit Grippe-Impfstoff ein. Jüngstes Beispiel ist Frankreich, das am Mittwoch bei den Pharmakonzernen GlaxoSmithKline, Sanofi-Aventis und Novartis Impfstoff im Wert von einer Milliarde Euro bestellte.
Die USA steckten bereits 932 Millionen Dollar in den Kauf von Impfstoffen und wollen weitere 884 Millionen Dollar dafür ausgeben. Der Basler Novartis-Konzern gab bekannt, dass er etliche Bestellungen für einen H1N1-Impfstoff erhalten habe und mit mehr als 35 Regierungen über Lieferungen spreche. (Berner Zeitung)
Erstellt: 17.07.2009, 07:38 Uhr
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