Schweiz

  • Region
  • Schweiz
  • Ausland
  • Wirtschaft
  • Börse
  • Sport
  • Kultur
  • Panorama
  • Leben
  • Auto
  • Digital
  • Wissen
  • Forum

Sawiris’ Stress im Ferienparadies

Von René Staubli. Aktualisiert am 01.02.2011 49 Kommentare

Samih Sawiris, der Andermatter Grossinvestor, muss um sein Kerngeschäft in Ägypten bangen. Er verfolgt die Entwicklung in seinem Ferienort El Gouna. Zwei Szenarien sind denkbar.

Keine ruhige Minute für den Grossinvestor: Samih Sawiris.

Keine ruhige Minute für den Grossinvestor: Samih Sawiris.
Bild: Keystone

Bildstrecke

Ausschreitungen in Ägypten

Ausschreitungen in Ägypten
Berichterstattung über die Strassenschlachten und Demonstrationen.

Bildstrecke

Artikel zum Thema

Stichworte

Der Unternehmer Samih Sawiris befindet sich mit seiner Familie derzeit im Tourismusresort El Gouna am Roten Meer, das seiner Firma Orascom Development gehört. Die Stimmung, sagte Sawiris dem TA gestern am Telefon, sei seltsam: «Einerseits die Touristen, die hier bei uns ihren Urlaub geniessen, anderseits meine ägyptischen Landsleute, die gespannt auf die weiteren politischen Entwicklungen warten: Wir sind alle ziemlich gestresst.»

Der arabische TV-Sender al-Jazeera habe gemeldet, er, Sawiris, habe Ägypten mit seiner Familie im Privatjet verlassen wie viele andere Reiche auch. Das Gegenteil sei wahr: Er habe einen Kurzurlaub in der Karibik abgebrochen, um in sein Land zurückzukehren. Und er werde bis auf weiteres dort bleiben.

Der 1,5 Millionen Quadratmeter Tourismusmagnet

Wie wird sich die Lage in Ägypten entwickeln? «Das ist eine Eine-Million-Dollar-Frage», sagt Sawiris. Es komme ganz auf den heutigen Dienstag und die Wirkung der angekündigten Massenproteste an.

Es sind aber nicht nur die politischen Entwicklungen, die Sawiris in Atem halten. Er wickelt seine Geschäfte grössenteils in seinem Heimatland ab. Laut Finanzanalyst Patrick Hasenböhler von der Bank Sarasin kommen rund 80 Prozent der Erträge aus dem Urlauberland am Nil. Sawiris' grösste Touristenstadt El Gouna, in der Wüste am Roten Meer gelegen, erstreckt sich über 36,8 Millionen Quadratmeter. Zum Vergleich: Das geplante Tourismusresort in Andermatt umfasst inklusive Golfplatz 1,5 Millionen Quadratmeter.

Zwei Szenarien denkbar

Der Kurs der Orascom-Development-Aktie ist in den letzten Tagen unter dem Eindruck der Ereignisse eingebrochen. Hasenböhler sagt, grundsätzlich seien zwei Szenarien denkbar:

Im besten Fall normalisiere sich die Lage in Ägypten innert Wochen oder weniger Monate. Dann könne das Geschäft mit den Touristen ungehindert weitergehen. Orascom müsste dann lediglich geringfügig schlechtere Ertragszahlen ausweisen. Im schlimmsten Fall könnte es zu Verstaatlichungen und/oder zur Vertreibung von Reichen aus Ägypten kommen. Dann kämen Sawiris' Geschäfte weitgehend zum Erliegen.

Desinteresse von Gruppierungen

Der Milliardär glaubt nicht an eine solche Entwicklung. Ägypten sei heute in starkem Mass abhängig von der Wirtschaftsleistung des Privatsektors. Wer die Privatwirtschaft zerstöre, zerstöre gleichzeitig den Staat. Daran habe keine Gruppierung ein Interesse. Im Übrigen habe Orascom Development genügend finanzielle Mittel, um eine Durststrecke von mindestens eineinhalb Jahren zu überstehen. So lange müssten auch keine Abstriche an Projekten in anderen Ländern gemacht werden.

Das sieht auch Hasenböhler so. 2011 und 2012 wolle die Orascom weltweit 610 Millionen Franken investieren. 185 Millionen habe die kürzliche Kapitalerhöhung eingebracht. Weitere Kapitalaufnahmen seien mittelfristig absehbar, und zwar unabhängig von den Entwicklungen in Ägypten. Die geplanten Investitionen über die nächsten Jahre liessen sich nicht ausschliesslich aus den laufenden Erträgen finanzieren.

Oman als Ersatz

Die Ereignisse belegen, dass Sawiris eine gute Nase hatte, als er seinen Konzern vor Jahren internationalisierte. Das Unternehmen hat seinen Hauptsitz nach Altdorf UR verlegt. Derzeit werden die letzten Schritte unternommen, damit die Aktie nicht mehr an der ägyptischen Börse gehandelt wird. Sawiris sagte gestern, seine geplanten Touristenstädte in Oman könnten die Geschäfte in Ägypten in Zukunft notfalls ersetzen.

Gestern war Sawiris' Unternehmen «Andermatt Swiss Alps» vom Mailverkehr abgeschnitten. Der Mailserver befindet sich in Ägypten, wo die Regierung das Internet gekappt hat. Spezialisten arbeiten nun daran, die Daten auf einen Schweizer Server zu laden. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 01.02.2011, 07:38 Uhr

49

Kommentar schreiben







 Ausland



Verbleibende Anzahl Zeichen:

Mit dem Absenden des Kommentars erklärt sich der Leser mit nachfolgenden Bedingungen einverstanden: Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht zu publizieren. Dies gilt insbesondere für ehrverletzende, rassistische, unsachliche, themenfremde Kommentare oder solche in Mundart oder Fremdsprachen. Kommentare mit Fantasienamen oder mit ganz offensichtlich falschen Namen werden ebenfalls nicht veröffentlicht. Über die Entscheide der Redaktion wird keine Korrespondenz geführt. Telefonische Auskünfte werden keine erteilt. Ihr Kommentar kann auch auf Google und anderen Suchseiten gefunden werden.

49 Kommentare

Heinrich Inderkum

01.02.2011, 08:52 Uhr
Melden

Mein Mitleid mit Sawiris hält sich in sehr engen Grenzen. Bislang gibt's einige wenige Superreiche, aber Millionen von Arme. Wenn das Vermögen verteilt wird, haben alle etwas davon. Im besten Fall fahren die Bagger wieder aus dem Urserental ab. Antworten


Thomas Haug

01.02.2011, 08:24 Uhr
Melden

Der arme Mann, wirklich zu bedauern....Ich kann nicht verstehen, wie einer der reichsten Männer eines Landes mit viel Armut seine Milliarden unbehelligt in die Schweiz bringen darf. Soll er doch in die Landwirtschaft seines Landes investieren, statt unserem so armen kanton Uri zu "helfen" Antworten



Schweiz

Populär auf Facebook Privatsphäre


Live @ Sunset

11. bis 22. Juli - Zürich Dolder u.a. mit B.B. King, Elton John und Alanis Morissette!

Online-Wettbewerb

Jetzt mitmachen!: Gewinnen Sie einen Abend als Statist bei den Tellspielen Interlaken!

FÜR IHRE FREIZEIT

Für Ausgehtipps in der Region, nutzen Sie einfach unsere Agenda.

Familie, Beruf und Studium

Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.