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«Ich befürchte, dass es so weitergeht»

Interview: Norbert Raabe. Aktualisiert am 03.02.2012 37 Kommentare

Wegen der höheren Trassenpreise werden SBB-Tickets und Abos im Durchschnitt um fast sechs Prozent teurer, in Einzelfällen mehr – zum Unmut von Pro-Bahn-Präsident Kurt Schreiber.

Tariferhöhungen Jahr für Jahr: Sowohl einfache Billette als auch Abo-Tarife werden ab kommendem Dezember teurer.

Tariferhöhungen Jahr für Jahr: Sowohl einfache Billette als auch Abo-Tarife werden ab kommendem Dezember teurer.
Bild: Keystone

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«Ich rechne sicher damit, dass Einsprachen kommen werden»: Kurt Schreiber.

Zur Person

Kurt Schreiber hat lange bei Pro Bahn Schweiz mitgewirkt und ist mittlerweile Präsident der Organisation, die sich für die Interessen der Fahrgäste in allen öffentlichen Verkehrsmitteln einsetzt.

Trassenpreise – die Schienengebühr

Grund für die neuen Aufschläge bei den Preisen im öffentlichen Verkehr ist die Erhöhung der Trassenpreise, in einerm ersten Schritt um 200 Millionen Franken. Es handelt sich um das Entgelt, das alle Bahnunternehmen für die Benutzung der Schienen bezahlen müssen. Der Bundesrat hatte im August 2011 beschlossen, dass sich – neben Bund, Kanton und ÖV-Unternehmen – auch die Kundinnen und Kunden an Ausbau und Erhalt der Infrastruktur beteiligen sollen.

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Herr Schreiber, zum 9. Dezember werden Billetts und Abonnemente der SBB um durchschnittlich 5,6 Prozent teurer. Haben Sie das so erwartet?
Nein, das Ausmass der Tariferhöhungen ist schon ziemlich gross.

Der Verband öffentlicher Verkehr betont, dass die Erhöhung rund neun Prozent betragen hätte, wenn man die 200 Millionen Franken durch höhere Trassenpreise voll auf die Passagiere umgewälzt hätte.
Ursprünglich war sogar davon die Rede gewesen, dass die Tarife um zehn Prozent steigen könnten. Insofern muss man sagen, dass die Transportunternehmen offenbar ihr Möglichstes getan haben. Sie konnten die Erhöhungen ein wenig abfedern.

Beim Generalabo für Erwachsene, 1. Klasse, liegt der Aufschlag aber bei 450 Franken, das sind 8,4 Prozent…
… es ist die alte Geschichte: Die Fahrgäste in der ersten Klasse werden unverhältnismässig stark zur Kasse gebeten. Obwohl der Unterschied in manchen Zügen kaum zu spüren ist, wie in diesem Vorortzug, in dem ich gerade eben unterwegs bin.

In der zweiten Klasse kostet dieses GA noch 6,3 Prozent mehr. Könnten die treuesten Kunden der Schweizer Bahnen damit nicht verprellt werden?
Das ist eine schwierige Frage. Aber in den vergangenen acht Jahren wurde der Preis für dieses Abonnement laut unseren Berechnungen um 19 Prozent erhöht. Das ist schon eine gewaltige Steigerung. Und die Löhne von normalen Arbeitnehmern sind wohl nicht so stark gestiegen.

Die Halbtax-Tarife steigen mit der Gültigkeitsdauer. Beim 1-Jahres-Halbtax sind es 6,1 Prozent, beim 3-Jahres-Halbtax schon 15 Prozent. Ein Malus für treue Kunden?
Das kann man so sagen. Wer sich gegenüber dem Unternehmen für drei Jahre verpflichtet, zahlt sozusagen einen Mengenzuschlag. Ganz logisch ist das nicht.

Beim Junioren- und Enkelbillett und dem Gleis-7-Abo für Junge bis 25 Jahre bleiben die Preise immerhin unverändert…
…die Kunden mit dem Gleis-7-Abo fahren natürlich auch in den Schwachlastzeiten von 19 bis 5 Uhr. Aber vielleicht ist es ja hilfreich, wenn die jungen Leute sehen, dass man auch ohne eigenes Auto gut unterwegs sein kann.

Wagen Sie einen Ausblick? Werden die Tarife nach den beiden jüngsten Erhöhungsrunden in den kommenden Jahren weniger stark steigen?
Nein, ich befürchte, dass es so weitergeht. Vielleicht nicht gerade mit Sechs-Prozent-Schritten, aber ich glaube, dass die Nutzerinnen und Nutzer der Bahnen künftig immer stärker zur Kasse gebeten werden. Das will der Bund so. Der Umweltschutz wird auf diese Weise aber schlecht belohnt.

Die Tarife werden noch beim Preisüberwacher eingereicht. Rechnen Sie noch mit Korrekturen?
Schwer zu sagen. Aber ich rechne sicher damit, dass Einsprachen kommen werden. Ob wir von Pro Bahn selbst eine einreichen, prüfen wir noch.

Der Kostendruck lässt offenbar nicht viel Spielraum…
Die Tariferhöhungen sind ja nicht von den SBB oder anderen Bahnen gekommen, sondern vom Bundesrat und Frau Leuthard. Man kann schon die Frage in den Raum stellen, ob das mit Herrn Leuenberger als Verkehrsminister auch so gewesen wären. Die Summe für die höheren Trassenpreise hätte auch der Bund übernehmen können – wenn man sich beispielsweise auch neue Kampfflugzeuge leisten kann. (Bernerzeitung.ch/Newsnet)

Erstellt: 03.02.2012, 11:33 Uhr

37

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37 Kommentare

Jasmin Grob

03.02.2012, 11:47 Uhr
Melden 33 Empfehlung

Welche wahres Wort: Die Summe für die höheren Trassenpreise hätte auch der Bund übernehmen können – wenn man sich beispielsweise auch neue Kampfflugzeuge leisten kann.
Aber man "chrömelet" ja lieber total unnötige "Flügerli" anstatt den ÖV zu unterstützen. Schade!
Antworten


Karl Müller

03.02.2012, 12:00 Uhr
Melden 24 Empfehlung

Im Maximum 8,4%? Das ist läppisch. Bei der Autobahnvignette zockt man die Autofahrer um 250% ab. Dabei trägt die Strasse ihre Kosten bereits, ganz im Gegensatz zum ÖV (47%!) Antworten



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