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Riskante Wahlstrategie der FDP

Von Iwan Städler. Aktualisiert am 24.08.2011 33 Kommentare

Anders als bei früheren Wahlen geht der Freisinn dieses Jahr in den meisten Kantonen keine Listenverbindungen mit anderen Parteien ein. Das reduziert seine Chancen auf Restmandate.

Der Ausblick auf eine ungewohnte Wahlkonstellation: FDP-Präsident Fulvio Pelli.

Der Ausblick auf eine ungewohnte Wahlkonstellation: FDP-Präsident Fulvio Pelli.
Bild: Reuters

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Am Ende zählen bei Wahlen die Sitze. Und diese fallen nicht immer proportional zum Wähleranteil aus. Eine entscheidende Rolle spielt, wer die sogenannten Restmandate bekommt, die nach einem komplizierten mathematischen Verfahren verteilt werden. Im Volksmund ist meist von «Proporzglück» die Rede. Doch dieses Glück hat handfeste Ursachen. Und die Parteistrategen tun gut daran, dem Glück etwas nachzuhelfen. Weniger kompliziert als das mathematische Verfahren ist nämlich die Regel, die sich daraus ableiten lässt: Je mehr Listenverbindungen eine Partei eingeht, desto grösser sind ihre Chancen auf Restmandate.

Die Linke hat dies längst erkannt: Seit Ende der 80er-Jahre spannen die Grünen in der Regel mit der SP und allfälligen anderen Linksparteien zusammen. Mit Erfolg. Laut einer Untersuchung der Universität Genf erzielten die Grünen 2007 dank ihrer Listenverbindungen vier Sitze mehr, als wenn es diese nicht gegeben hätte. Da verwundert es nicht, dass die Linksparteien auch bei den diesjährigen Nationalratswahlen in fast allen 20 Proporzkantonen wieder zusammenspannen.

Anders die Bürgerlichen. Vor allem die FDP versucht es diesen Herbst auf eigene Faust. Vor vier Jahren noch hat sie ihre Listen in 9 von 20 Proporzkantonen mit jenen der SVP verbunden – nämlich in Zürich, Bern, Aargau, Basel-Stadt, Basel-Landschaft, Thurgau, Waadt, Neuenburg und Jura. Diesmal aber werden die beiden Parteien lediglich im Kanton Waadt zusammenspannen. Das haben die dortigen Kantonalsektionen am Montag beschlossen, wie SVP-Kantonalsekretär Claude-Alain Voiblet gegenüber dem TA bestätigt. Man wolle das in den letzten Wahlen erzielte Restmandat nicht nach links verlieren, erklären die Waadtländer SVP und FDP übereinstimmend.

«Rechnen können wir auch»

Ginge es nach der nationalen FDP-Zentrale, hätte sich der Freisinn allerdings auch in der Waadt lieber nicht mit der SVP eingelassen. «Das liberale Original soll nicht verwässert werden», sagt FDP-Generalsekretär Stefan Brupbacher. Man habe daher den Kantonen empfohlen, lediglich Listenverbindungen mit Kleinparteien einzugehen.

Ist das nicht riskant? Bereits 2007, als sich die FDP noch in der Hälfte der Proporzkantone mit der SVP verband, musste sie wegen «Proporzpech» auf vier Sitze verzichten. Diesmal dürfte es noch dicker kommen.

«Rechnen können wir auch», entgegnet FDP-Generalsekretär Brupbacher, «man muss aber auch die politische Konstellation ansehen.» Zwar arbeite die FDP in vielen wirtschaftspolitischen Fragen immer noch gut mit der SVP zusammen. «Aber im für den Wohlstand und die Wähler sehr wichtigen Thema der bilateralen Verträge mit der EU kämpft die SVP auf der anderen Seite.» Der FDP will daher ihren eigenen Weg gehen und zählt darauf, dass die Wählerinnen und Wähler dies honorieren.

Die SVP hingegen hätte sich in mehreren Kantonen gerne mit dem Freisinn verbunden. «Er ist immer noch der uns nahestehendste Partner», sagt SVP-Generalsekretär Martin Baltisser – und bedauert gleichzeitig das Potenzial an Restmandaten, das nun für die Rechte verloren gehe. Insbesondere der Sitz des jurassischen SVP-Nationalrats Dominique Baettig, der vor vier Jahren nur dank der damaligen Listenverbindung mit der FDP erkämpft werden konnte, ist wohl nicht zu halten.

Auch bei der FDP sind nicht alle glücklich mit der nationalen Alleingangstrategie. Der Zürcher Nationalrat Filippo Leutenegger hält sie für «rechnerisch riskant und je nach Kanton unterschiedlich sinnvoll». Wichtig sei jetzt vor allem, den Wähleranteil steigern zu können.

Für Bundesratswahlen wichtig

Das kann die FDP brauchen. Denn im Gegensatz zu ihr ist die CVP weit erfolgreicher im Allianzenschmieden. Während sich der Freisinn nur in drei Kantonen mit der BDP verbunden hat, ist es den Christlichdemokraten gelungen, in der Hälfte der Proporzkantone gleich mit mehreren Kleinparteien wie der BDP, der GLP und der EVP zusammenzuspannen. Womöglich entscheiden die so winkenden Restmandate am 14. Dezember die Bundesratswahlen.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 23.08.2011, 19:32 Uhr

33

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33 Kommentare

Hannes Lohrmann

24.08.2011, 06:42 Uhr
Melden 31 Empfehlung

Ob einzig ein hoher Wähleranteil und ein hoher Anteil von Parlamentarier entscheidend ist für den Erfolg einer Partei im politischen System der Schweiz, ist fraglich. Die FDP versucht nun immerhin - mit dem Risiko von Sitzverlusten - das Profil zu schärfen um auch die Glaubwürdigkeit zu erhöhen. Antworten


Hp Rick

24.08.2011, 08:52 Uhr
Melden 26 Empfehlung

R I S K A N T.....was hat den die FDP noch zu verlieren?? Ihre wischiwaschi Politik 2 sackschwache Bundesräte, ein seit Jahren sinkender Wähleranteil, ein verzweifeltes hinter der SVP her rennen um vielleicht von deren Brosamen zu profitieren. Sorry liebe FDP, damit sind heute keine Blumentöpfe mehr zu gewinnen und schon gar keine Wahlen. Also lasst es uns wissen wenn Ihr soweit seit...??? Antworten



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