Rentensenkung wird als unzumutbar und unnötig abgelehnt

Aktualisiert am 07.03.2010 32 Kommentare

Gewerkschaften und Konsumentenpresse lehnen die am kommenden 7. März zur Abstimmung gelangenden Senkung des Mindestumwandlungssatzes als unzumutbar und unnötig ab.

Der leichtfertige Rentenabbau untergrabe das Vertrauen in die zweite Säule und stelle damit deren Sinn grundsätzlich in Frage. Heute lebe in der Schweiz einer von sieben Rentnern unter der Armutsgrenze, sagte Rita Schiavi, Mitglied der Unia-Geschäftsleitung am Montag an einer Pressekonferenz in Bern. Das in der Verfassung vorgeschriebene Ziel, dass die AHV und die Pensionskassenrente zusammen die Fortsetzung der gewohnten Lebensweise ermöglichen solle, sei damit für viele heute schon nicht oder nur sehr knapp erreicht. Die erneute Senkung des Mindestumwandlungssatzes sei deshalb schlicht nicht zumutbar. Eine Senkung gegenüber heute von rund zehn Prozent bedeute 100 bis 150 Franken weniger Rente pro Monat und sei für viele Rentner unzumutbar. Die Versicherungsgesellschaften könnten gleich doppelt profitieren: Je weniger Rente sie auszahlten, desto höher würden ihre Profite ausfallen und je tiefer die BVG-Renten seien, desto grösser werde der Bedarf an zusätzlichen Versicherungen.

Für SGB-Präsident Paul Rechsteiner wird mit der Vorlage in der schweizerischen Sozialpolitik ein Tabu gebrochen. Zum ersten Mal überhaupt sollten die Renten in der Altersvorsorge auf breiter Front gesenkt werden. Der Grundsatz von Treu und Glauben werde verletzt, wenn die erst vor kurzem versprochenen Renten für Leute, die sich für ihre Pensionierung auf diese Zusagen verlassen hätten, massiv gesenkt würden. Sie hätten in diesem Alter ja auch keine Möglichkeit mehr, die massiven und lebenslang wirksamen Einbussen zu kompensieren. Auch für Rechsteiner geht es bei der Abstimmungsvorlage nicht um die Lebenserwartung, sondern um handfeste Interessen vor allem der grossen Versicherungen, die am meisten profitieren könnten.

Pessimistische Zinserträge

Pensionskassen und Versicherungen wollten die Kürzung mit falschen Zahlen beliebt machen, kritisierte Rene Schuhmacher, publizistischer Leiter der Konsumentenzeitungen K-Tipp und Saldo. Sie gingen von einer unrealistisch hohen Lebenserwartung aus und von pessimistischen Zinserträgen, die weit unter den tatsächlichen Renditen der letzten Jahrzehnte lägen. Für die Angestellten stehe viel auf dem Spiel: Nach 2003 solle ihre künftige Pensionskassen-Rente schon wieder gekürzt werden.

Für den Präsidenten von Travail.Suisse, Martin Flügel, können weder die Lebenserwartung noch die Renditeerwartungen diesen Rentenabbau rechtfertigen. Vielmehr werde mit einer solch leichtfertigen Politik das Vertrauen der Arbeitnehmenden in die zweite Säule massiv untergraben und deren Sinn grundsätzlich in Frage gestellt.

Die Jungparteien von FDP, CVP, SVP und Grünliberalen haben der Linken am Montag vorgeworfen, ein Rentenloch zu graben. Mit dem aktuellen Umwandlungssatz werde zu viel ausbezahlt. Damit entstünden langfristig Löcher in der Pensionskasse, die von der jungen Generation gestopft werden müssten. (sam/ddp)

Erstellt: 07.03.2010, 09:43 Uhr

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32 Kommentare

Daniel Müller

11.01.2010, 11:16 Uhr
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Die wahren Rentendiebe zerstören unsere zweite Säule! Die zweite Säule soll die Fortsetzung des gewohnten Lebensstandards ermöglichen. Das geht nur, wenn die berufliche Vorsorge gesichert ist. Mit ihrem Nein gefährden die Gewerkschaften die zweite Säule für die Jungen. Zudem klauen sie unsere Beiträge um das Rentenloch zu stopfen. Das ist der wahre Rentendiebstahl. Darum: JA am 7. März! Antworten


Erich Heinz

11.01.2010, 11:18 Uhr
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Banken, Versicherungen und Unternehmen erwarten für ihr Eigenkapital Mindestrenditen von 20 Prozent oder mehr. Nur für das Kapital der Rentner sind sie nicht fähig 6 Prozent Zins zu erwirtschaften. Wenn Versicherungen unfähig sind, muss eine andere Anlageform gewählt werden. Antworten



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