Schweiz

  • Region
  • Schweiz
  • Ausland
  • Wirtschaft
  • Börse
  • Sport
  • Kultur
  • Panorama
  • Leben
  • Auto
  • Digital
  • Wissen
  • Forum

Provokativer Muslim unerwünscht

Von Mischa Aebi. Aktualisiert am 22.04.2010 18 Kommentare

Eine Berner Kirchgemeinde hat den umstrittenen Präsidenten des Islamischen Zentralrates, Nicolas Blancho, für ein Podium eingeladen. Die Flyer sind verschickt. Dann bekamen die Organisatoren kalte Füsse.

Ausgeladen weil zu provokativ: Nicolas Blancho.

Ausgeladen weil zu provokativ: Nicolas Blancho.
Bild: Valérie Chételat

«Religionen bewegen die Gemüter.» So heisst der Titel des Podiums der Kirchgemeinde Utzenstorf. Die Gemüter bewegt hätten aber wohl nicht die Religionen, sondern das Podium an sich. Denn die reformierte Kirchgemeinde hat Nicolas Blancho, den umstrittenen Präsidenten des Islamischen Zentralrates, als einen von drei Protagonisten engagiert. Die Flyer für das am 29.April stattfindende Podium mit Blanchos Namen sind längst verteilt. In der Podiumseinladung in der Rubrik Termine auf der Homepage des Islamischen Zentralrates ist Blancho bis heute als Podiumsteilnehmer aufgeführt.

«Heftige Reaktionen»

Doch für die Gotthelf-Gemeinde Utzenstorf ist Blancho offenbar zu provokativ. Die Kirchgemeinde bekam kalte Füsse und lädt ihn wieder aus. Das zeigte eine Anfrage dieser Zeitung. Ersetzt wird er durch Rifaat Lenzin, einer unumstrittenen, aber unbekannten Vertreterin des Islam aus Zürich.

Als Vertreter der reformierten Kirche steigt Stefan Sägesser, Öffentlichkeitsbeauftragter der reformierten Kirche Luzern, aufs Podium.

Sägesser weiss: «Es gab heftige negative Reaktionen, nachdem die Flyer verschickt worden waren.» Er betont, dass «er keine Angst gehabt hätte, mit Blancho zu diskutieren». Er könne aber nachvollziehen, dass man ihn wieder ausgeladen habe, «um eine Eskalation zu vermeiden».

Vorstandsmitglieder des Islamischen Zentralrates, darunter auch Blancho, gerieten in der letzten Zeit immer wieder in die Schlagzeilen. Einmal weil sie den umstrittenen deutschen Islamprediger Pierre Vogel eingeladen hatten. Ein weiteres Mal wegen ihrer extremen religiösen Einstellung. Umstritten ist, wie stark sich der Islamische Zentralrat tatsächlich von Gewalt im Zeichen des Islam distanziert. Selbst muslimische Organisationen in der Schweiz distanzieren sich ausdrücklich vom Islamischen Zentralrat.

Die Kontroverse

Der reformierte Öffentlichkeitsbeauftragte Sägesser «hätte es spannend gefunden, mit Herrn Blancho über die sehr pointierten Standpunkte seiner Organisation zu diskutieren». Ein solcher Standpunkt sei die Forderung nach islamischen Schulen hier in der Schweiz. Diesbezüglich sei er, Sägesser, nämlich gespalten. Einerseits findet er, dass solche Schulen möglich sein sollten. «Es gibt ja hier auch Schulen anderer Konfessionen, zum Beispiel katholische.» Andererseits habe er zuweilen Angst, dass die Gesellschaft in der Schweiz noch mehr auseinanderfallen könnte, wenn es solche Schulen gäbe.

Blancho ein- und später wieder ausgeladen hat der Utzenstorfer Pfarrer Reto Beutler. Beutler sagt: «Im Januar suchte ich für das Podium jemanden, der den Islam kennt.» Ein Bekannter habe ihm Blancho empfohlen. Er selber habe ihn nicht gekannt. Im März habe er, Beutler, dann in den Medien von den Diskussionen um Blancho gehört. «Ich lud ihn wieder aus, weil anzunehmen war, dass es zu einer heftigen Kontroverse kommen würde.» Das sei nicht der Sinn dieses Podiums. «Ich wollte weder Unruhe in die Gemeinde bringen noch die momentane Polemik schüren», sagt der Utzenstorfer Pfarrer.

Qaasim Illi, Sprecher des Islamischen Zentralrates, bedauert die Ausladung. Ein grosses Problem stelle das für den Zentralrat aber nicht dar. (Berner Zeitung)

Erstellt: 22.04.2010, 10:22 Uhr

18

Kommentar schreiben







 Ausland



Verbleibende Anzahl Zeichen:

Mit dem Absenden des Kommentars erklärt sich der Leser mit nachfolgenden Bedingungen einverstanden: Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht zu publizieren. Dies gilt insbesondere für ehrverletzende, rassistische, unsachliche, themenfremde Kommentare oder solche in Mundart oder Fremdsprachen. Kommentare mit Fantasienamen oder mit ganz offensichtlich falschen Namen werden ebenfalls nicht veröffentlicht. Über die Entscheide der Redaktion wird keine Korrespondenz geführt. Telefonische Auskünfte werden keine erteilt. Ihr Kommentar kann auch auf Google und anderen Suchseiten gefunden werden.

18 Kommentare

Bruno Bänninger

22.04.2010, 16:56 Uhr
Melden 2 Empfehlung

Wieso lebt ein überzeugter Muslim nicht in einem Islamischen Staat? Dort wäre er in seinem Paradies, würde kein Aufsehen erregen, hätte keinen Ärger, könnte sich seinen Überzeugungen entsprechend aufführen, ganz ohne Aggressionen, und ohne Streit, also in völligem Einklang und tiefstem Frieden mit seinem Gott und seinen dortigen Mitmenschen? Wieso nur bleibt er hier und verdirbt sich sein Dasein? Antworten


Walter Kuhn

22.04.2010, 10:43 Uhr
Melden 1 Empfehlung

Wenn ausgerechnet Strenggläubige eine muslimische Schule eröffnen wollen, dann schrillen alle Alarmglocken. Die strenggläubigen Koranschulen sind der Herkunftsort vieler Terroristen, "Talib" heisst ja übersetzt "Koranschüler". Multikulti mag farbige Kleider in unsere überwiegend schwarzes Einerlei bringen, aber auf die Kultur der strenggläubigen Wahabiten und auf ihre Schule verzichte ich gerne. Antworten




Remund führend in Werbetechnik

Kein Wunsch zu aufwendig, kein Format zu gross - Remund Werbetechnik löst jede Aufgabe mit modernster Technik.

Online-Wettbewerb

Jetzt mitmachen!: Gewinnen Sie einen Abend als Statist bei den Tellspielen Interlaken!

FÜR IHRE FREIZEIT

Für Ausgehtipps in der Region, nutzen Sie einfach unsere Agenda.

Live @ Sunset

11. bis 22. Juli - Zürich Dolder u.a. mit B.B. King, Elton John und Alanis Morissette!