Private und SRG zu Zusammenarbeit bereit
Aktualisiert am 10.01.2012 3 Kommentare
Hoffen auf Bezahl-Modelle
Die beiden Verlagshäuser Tamedia und NZZ setzen grossen Hoffnungen in bezahlte Medien-Angebote im Internet. Das Beispiel der «New York Times», die erfolgreich eine Bezahlschranke bei Online-Angeboten eingeführt hat, mache Mut.
Dieser Schritt werde dornenreich sein, sei aber machbar, sagte Pietro Supino, Verleger und Verwaltungsratspräsident der Tamedia, am Dienstag an der Dreikönigstagung des Verbandes Schweizer Medien in Zürich. Wichtig sei, eine Lösung mit der SRG zu finden.
Stark auf die Karte Online setzt auch die NZZ. Sie wird im ersten Quartal 2012 ihren Webauftritt überarbeiten und in diesem Rahmen eine Bezahlschranke im Online einführen, wie NZZ-Konzernchef Albert P. Stäheli sagte.
Zwar werde es nach wie vor Gratisangebote im Web geben. Wer mehr als 20 Artikel in der NZZ pro Monat abrufe, müsse zahlen. Die digitale Revolution auch im redaktionellen Bereich sei für die 230 Jahre alte NZZ ein gewaltiger Kulturwandel.
Supino und Stäheli setzen im Print wie im Online auf Qualität. Für Tamedia zählt dazu auch der investigative Journalismus. Fünf Journalisten werden im Juli am Pilotprojekt «Summer Investigative Reporting Program» in New York teilnehmen. Maximal 25 Teilnehmer aus aller Welt können dort dabei sein (sda).
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Die privaten Medienhäuser und die SRG SSR wollen im umkämpften Zukunftsmarkt Online aufeinander zugehen. Verlegerpräsident Hanspeter Lebrument und SRG-Präsident Raymond Loretan sind sich darin einig, dass in harten, aber fairen Diskussionen für beide Seiten akzeptable Lösungen möglich sind.
Lebrument erinnerte heute Dienstag an der jährlichen Dreikönigstagung des Verbandes Schweizer Medien in Zürich daran, dass in der Vergangenheit gemeinsame Projekte beim Teletext oder in der Fernsehwerbung nicht von Erfolg gekrönt gewesen seien. Eine langfristige, ehrliche Partnerschaft im Online müsse nun das Ziel der gemeinsamen Bemühungen sein.
Gemeinsame Plattform
Es gebe Hinweise, dass dies gelingen könnte, sagte Lebrument weiter. In drei Arbeitsgruppen versuchen die Verleger und die SRG derzeit, Lösungen für Inhalte und Werbung im Online-Geschäft zu finden. Persönlich sei er der Meinung, dass eine gemeinsame Plattform geschaffen werden könnte, sagte Lebrument.
Die SRG könnte vor allem ihre audiovisuellen Beiträge, und die privaten Medienhäuser könnten ihre Texte an das gemeinsame Online-Dach liefern. Der Teletext sollte in die nationale Nachrichtenagentur SDA eingegliedert werden. Die Erträge aus dem Online, vor allem die Werbeeinnahmen, sollten den privaten Medien zugutekommen.
SRG habe profitiert
Die SRG habe durch die Neugestaltung der Nutzungsgebühren in hohem Masse vom Online profitiert. Aus der Nutzungsgebühr sei eine flächendeckende Haushaltsabgabe geworden, die der SRG wesentlich mehr Einnahmen beschert habe.
Die privaten Medien hätten nur dann im Online-Markt eine Chance, wenn sie die im Online-Geschäft erzielten Erlöse möglichst direkt erhielten. Das bedeute, dass es in diesem Geschäft gleich lange Spiesse geben müsse.
Mit anderen Worten: Der Erfolg der privaten Medien im Online hängt wesentlich davon ab, dass sie Bezahlmodelle realisieren können. Gratis-Angebote der SRG würde diese Bemühungen torpedieren.
Online für SRG wichtig
SRG-Präsident Loretan zeigte sich seinerseits vor den versammelten Verlegern überzeugt, dass eine für beide Seiten befriedigende Lösung in der umstrittenen Frage der Online-Inhalte und -Werbung gefunden werden könne. Nur eine Lösung, die für beide Seiten gewinnbringend sei, habe eine Chance, langfristig zu bestehen.
Der Service public, den die SRG biete, sollte sich im digitalen Zeitalter ebenso entfalten können wie private Medien. Und die SRG müsse die Angebote dort verbreiten, wo das Publikum anzutreffen sei, nämlich im TV-Kanal und im Online. Im Internet müssten attraktive Portale die SRG-Sendungen bekannt machen und «verkaufen».
Konfliktreiche Geschichte
Die gemeinsame Geschichte von SRG und Presse sei regelmässig von Konflikten geprägt gewesen, die am Schluss gelöst worden seien. Als Beispiele erwähnte Loretan die Nachrichtensendungen am Radio, die bis Anfang der 1970er-Jahre nur von einem Sprecher der SDA verlesen werden durften. Aus den gemeinsamen Gesellschaften in der Fernsehwerbung und beim Teletext habe sich im Übrigen die Presse zurückgezogen.
Medienministerin Doris Leuthard hatte im letzten September anlässlich des Jahreskongresses des Verbandes Schweizer Medien in Flims GR Verleger und die SRG dazu aufgerufen, bis Ende 2011 gemeinsam nach Lösungen im Online-Markt zu suchen. Beide Seiten sollten nicht auf ihren Maximalforderungen beharren. Die Schweiz brauche private Medienhäuser und eine starke SRG. (ami/sda)
Erstellt: 10.01.2012, 14:34 Uhr
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3 Kommentare
Es ist sonnenklar: Man kann den Staat nicht aus einem Bereich raushalten und Sonderkonditionen fordern, wenn man dem Publikum gute Inhalte bieten soll. Marktwirtschaftlich gesehen bewirkt eine gute staatliche Konkurrenz im Werbebereich eine Qualitätssteigerung der privaten Medien. Letztere sind im Online-Bereich einfach nur katastrophal und könnten an der SRG gesunden. Antworten
Leuthard: "Die Schweiz brauche private Medienhäuser und eine starke SRG." Ich sehe überhaupt nicht ein, dass die Schweiz überhaupt eine SRG braucht. Wenn man die Quoten und Anzahl Zuschauer je Sendung betrachtet, dann sieht man, dass das Angebot der SRG auf sehr wenig Anklang und Akzeptanz stösst. Antworten
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