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«Platzreservationen für Pendler führen zu Ausschreitungen»

Von Reto Hunziker. Aktualisiert am 09.02.2011 72 Kommentare

Die Deutsche Bahn prüft die Einführung von Platzreservationen in Regionalzügen. In der Schweiz hält man das für keine gute Idee und befürchtet gar Chaos.

1/4 Für viele Zugreisende ein gewohntes Bild: Dichtes Gedränge in den Gängen.
Bild: Keystone

   

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Tagtäglich stellen sich Pendler die gleiche Frage: Werde ich heute in meinem Zug zur Arbeit einen Sitzplatz erhaschen können? Zur Stosszeit sind die Regionalzüge so überfüllt, dass es für jedermann zur Lotterie wird, ob er sich während der Fahrt setzen kann oder nicht.

In Deutschland, wo die Pendler mit demselben Problem kämpfen, überlegt man sich nun, ob man auch Platzreservationen für Regionalzüge ermöglichen soll. Gemäss der «Süddeutschen Zeitung» hat die Deutsche Bahn Pilotprojekte geplant, bei denen auf bestimmten Strecken Platzreservationen versuchsweise eingeführt werden. Spätestens Ende März sollen konkrete Pläne vorliegen.

«Könnte zu unschönen Szenen führen»

Wie sieht es in der Schweiz aus? Überlegt sich auch die SBB, gegen einen Aufpreis Sitze reservierbar zu machen? Gemäss SBB-Sprecher Reto Kormann wurde das bei den SBB zwar auch schon angedacht, aber schnell wieder verworfen. «Einer der Trümpfe des Schweizer Zugverkehrs ist ja gerade, dass man keinen Zuschlag zu zahlen hat.» Das würde sich mit Platzreservationen ändern. Auch wäre es schwierig durchzusetzen, dass die Reservationen eingehalten werden. «Vor allem in unbegleiteten Zügen könnte das zu unschönen Szenen führen. Da könnten Zeitungen unter Umständen regelmässig von Auseinandersetzungen unter Passagieren berichten», so Kormann. Er gibt auch zu bedenken, dass im Regionalverkehr eher kürzere Distanzen zurückgelegt würden. Ein Stehplatz sei da eher zu verkraften.

Platzreservationen, so ist der SBB-Mann überzeugt, zögen zudem einen ganzen Rattenschwanz an Konsequenzen nach sich. Ein Anreizsystem, das Passagiere von den Stosszeiten weglockt und die Nachfrage besser verteilt, hält er darum für die bessere Lösung.

Weltweit prall gefüllt

Auch Roger Baumann vom Verband öffentlicher Verkehr hält nicht viel von der Idee. «Wir wollen den offenen Zugang für den Passagier, das ist eine unserer wichtigsten Prämissen», sagt er. Das heisst: Das Ticket soll nicht nur für einen bestimmten Zug gültig sein. «Bei einer Platzreservation wäre dies aber genau der Fall.»

Auch sei es nun mal weltweit so, dass die Regionalzüge zu Stosszeiten prall gefüllt seien.

Pro Bahn Schweiz schlägt in dieselbe Kerbe: «Das ist eine Schnappsidee», heisst es etwa, «und würde den Unmut vieler Pendler provozieren.» Ferner gäbe es ein «riesiges Affentheater», würde das offene System abgeschafft.

«Heisse Luft»

Ähnlich sieht das ein Bahnexperte, der nicht genannt werden will. Er hält die Prüfung der Platzreservationen bei der Deutschen Bahn für «heisse Luft». «Das wird sich niemals durchsetzen», sagt er. Und auch hierzulande sei die Idee «weder realistisch, noch erwünscht». «Wer zwängt sich schon durch den ‹prätschvollen› Zug und besteht auf seine Reservation?»

Und so werden sich die Pendler wohl auch in Zukunft immer wieder die Frage stellen müssen: Darf ich sitzen oder muss ich stehen? (Bernerzeitung.ch/Newsnet)

Erstellt: 09.02.2011, 12:34 Uhr

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72 Kommentare

Jens Lukas

09.02.2011, 13:28 Uhr
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Ich diese ganzen Diskussionen nicht ganz verstehen. Warum kann auf Strecken (S-Bahnen z.B.) wo reger Andrang herrscht nicht auf Kompositionen umgestellt werden wo halt entsprechend weniger Sitzplätze vorhanden sind? Siehe dazu Grossstädte wir Tokio, Paris London etc. Bin privat des öffteren in Tokio unterwegs, ja auch zur Rushhour, und da steht man halt und kommt trotzdem sicher ans Ziel. Antworten


patrick müller

09.02.2011, 12:47 Uhr
Melden

Absoluter Blödsinn und was tun wenn der reservierte Platz besetzt ist? Der Streit ist vorprogrammiert und das schlichtet der Zugchef oder was. Antworten




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