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Per Computer sollen Staus verhindert werden

Von Niklaus Bernhard. Aktualisiert am 08.02.2012 3 Kommentare

Zu den Stosszeiten kommt es auf den Autobahnen oft zu langen Staus. Um dies zu verhindern, wird das Tempo künftig automatisch auf 80 Stundenkilometer reduziert.

Das Bundesamt für Strassen will den Verkehr zu Stosszeiten  per Computer über die Autobahnen leiten. Eine vollautomatische Geschwindigkeitsanpassung gibt es bereits am Bareggtunnel auf der A1 im Kanton Aargau.

Das Bundesamt für Strassen will den Verkehr zu Stosszeiten per Computer über die Autobahnen leiten. Eine vollautomatische Geschwindigkeitsanpassung gibt es bereits am Bareggtunnel auf der A1 im Kanton Aargau.
Bild: Keystone

Artikel zum Thema

Die Ausgangslage

Das Schweizer Nationalstrassennetz wird immer stärker beansprucht. Die Folge: Die Anzahl Staus nimmt stetig zu. Mit verschiedenen Massnahmen will das Bundesamt für Strassen (Astra) den Verkehrsfluss nun erhöhen. Nebst dem wohl effektivsten, der Beseitigung von Engpässen, sind drei Ansätze geplant: die Umnutzung von Pannenstreifen, temporäre Temporeduktionen und Überholverbote für Lastwagen.

Temporeduktion: Auf rund 400 Kilometer Autobahn soll die Höchstgeschwindigkeit vorübergehend von 120 auf 100 oder
80 Stundenkilometer reduziert werden können. Gemäss aktuellem Forschungsstand erreiche ein Autobahnabschnitt seine maximale Kapazität dann, wenn die Fahrzeuge mit einer Geschwindigkeit von rund 85 km/h unterwegs seien, schreibt das Bundesamt für Strassen.

Eine schrittweise Reduktion der Maximalgeschwindigkeit reiche in vielen Fällen aus, um Staus zu verzögern und abzuschwächen. Schon heute sind solche Verkehrsleitsysteme teilweise im Einsatz. In den kommenden Jahren sollen temporäre Geschwindigkeitsreduktionen auf rund 30 Prozent des vier- und sechsspurigen Nationalstrassennetzes zum Einsatz kommen.

Davon betroffen sind die überlasteten Autobahnabschnitte zwischen Genf und Lausanne sowie zwischen Luterbach und Härkingen, in den Agglomerationen Bern, Basel, Luzern und St.Gallen sowie im Grossraum Zürich. gr

In einer Serie beleuchtete diese Zeitung die drei wichtigsten Massnahmen, welche Stauaufkommen in Zukunft vermindern sollen (siehe Artikel zum Thema).

Die Beurteilung

Die geplanten temporären Geschwindigkeitsreduktionen auf 80 Stundenkilometer auf Autobahnen sorgt für unterschiedliche Reaktionen.

Der Automobil-Club der Schweiz (ACS) wehrt sich gegen die grossflächige Schaffung von 80er-Strecken auf den Autobahnen: «Der Politik wird mit dieser Massnahme vorgegaukelt, dass das Kapazitätsproblem auf den Autobahnen gelöst wird», sagt Niklaus Zürcher, Direktor des ACS. Dadurch würde der Ausbau des Nationalstrassennetzes ein weiteres Mal hinausgeschoben.

Als Sofortmassnahme gegen Staus auf Autobahnen könnten elektronische Verkehrsleitsysteme als Übergangslösung teilweise durchaus sinnvoll sein. Um aber das Stauproblem wirklich zu lösen, müssten an vielen Orten die Autobahnen ausgebaut werden, ist Zürcher überzeugt. Zudem sei Tempo 80 auf Autobahnen für die Autofahrer ein Qualitätsverlust.

«Für den Staat als Betreiber der Autobahn ist es insofern eine gute Lösung, als pro Zeiteinheit mehr Fahrzeuge durchgeschleust werden können. Auf den einzelnen Automobilisten wirkt sich die Massnahme aber negativ aus. Die niedrigere Tempolimite bedeutet längere Fahrzeiten, was für diejenigen, die die Strassen benützen und im Endeffekt auch finanzieren, keine akzeptable Lösung ist», sagt Zürcher.

Für den Automobilverband TCS sind temporäre Temporeduktionen akzeptable Massnahmen. Für Klaus Zweibrücken, Professor für Verkehrsplanung an der Hochschule für Technik in Rapperswil, ist klar, dass mit dem kleiner werdenden Sicherheitsabstand bei 80 Stundenkilometer mehr Fahrzeuge auf der Autobahn gleichzeitig verkehren können. nb/gr

Statt immer mehr Strassen zu bauen, will das Bundesamt für Strassen per Computer den Verkehr koordiniert über die Autobahnen leiten. Zentraler Punkt von dynamisch gesteuerten Verkehrsleitsystemen sind die elektronischen Anzeigetafeln, über die erlaubte Höchstgeschwindigkeiten auf der Autobahn aufgrund der aktuellen Belastung angezeigt werden.

Eine vollautomatische Geschwindigkeitsanpassung gibt es bereits am Bareggtunnel auf der A1 im Kanton Aargau. Der Bareggtunnel ist einer der meistbefahrenen Autobahnabschnitte der Schweiz. Sensoren in der Fahrbahn messen das Verkehrsaufkommen. Besteht Staugefahr, schalten die Geschwindigkeitstafeln automatisch auf Tempo 80. «Dadurch bringen wir zu den Stosszeiten bis zu 10 Prozent mehr Verkehr über die Autobahn», sagt Verkehrsexperte Walter Steiner, der das Verkehrsleitsystem mitentwickelt hat. Solche Systeme will das Bundesamt für Strassen in den nächsten Jahren in grösserem Umfang einsetzen. Ziel ist, dass 30 Prozent des Autobahnnetzes mit Verkehrsleitsystemen gesteuert werden kann.

Weniger Unfälle

Wenn die Autos etwa gleich schnell unterwegs sind wie die Lastwagen, kommt es zu weniger Spurwechsel. Der Verkehr wird ruhiger/homogener, die Abstände zwischen den einzelnen Fahrzeugen werden kleiner, und somit steigt die Kapazität auf dem Autobahnabschnitt, erklärt Steiner.

Beim Baregg habe man einige Monate nach der Inbetriebnahme zudem festgestellt, dass es mit der dynamischen Anzeige der Höchstgeschwindigkeit zu erheblich weniger Unfällen kam. «Es wurden rund 30 Prozent weniger Unfälle registriert», sagt Verkehrsexperte Steiner.

Viele Autofahrer fürchten, dass das Tempo auf stauanfälligen Strecken permanent auf 80 Stundenkilometer reduziert wird. Dem ist aber nicht so. «Die Anpassungen werden nur gemacht, wenn die Sensoren auf der Strasse eine starke Erhöhung der Verkehrsdichte feststellen», sagt Steiner. In der Regel sei dies Werktags zwischen 6.30 Uhr und 8.30 Uhr am Morgen und zwischen 16.30 Uhr und 19 Uhr am Abend.

Bern ist in Planung

Auch bei den Autobahnabschnitten rund um Bern wird früher oder später ein neues Verkehrsleitsystem zum Einsatz kommen. Zu welchem Zeitpunkt ein solches eingeführt wird, kann das Bundesamt für Strassen heute noch nicht sagen.

In einem ersten Schritt wird zuerst einmal abgeklärt, wo genau Pannenstreifen temporär als zusätzliche Fahrbahn umgenutzt werden können. Dies wäre beispielsweise zwischen Muri und dem Grauholz möglich. Die Umnutzung von Pannenstreifen müsste dann mit einem neuen Verkehrsleitsystem verbunden werden.

Gute Erfahrungen gemacht

Während den Sanierungsarbeiten auf dem Felsenauviadukt wurden in Bern bereits erste Erfahrungen mit einem dynamischen Verkehrssystem gemacht. So wurden bei den Autobahnauffahrten im Forsthaus und im Neufeld eine sogenannte Rampenbewirtschaftung installiert. Sobald die Messstationen an verschiedenen Orten zu viele Autos registriert haben, wurden die Ampeln bei den beiden Einfahrten eingeschaltet, und die Fahrzeuge wurden nur noch tropfenweise auf die Autobahn gelassen. Dadurch kam der Verkehr vor dem Viadukt nicht zum Erliegen.

«Wir hatten mit diesem System einen grossen Erfolg», sagt Mark Siegenthaler vom Bundesamt für Strassen. Seit dem Abschluss der Bauarbeiten auf dem Viadukt im vergangenen Dezember sind die Ampeln im Neufeld und Forsthaus aber nicht mehr in Betrieb.

Bereits seit Jahren im Einsatz

Zwischen Schönbühl und Wankdorf jedoch ist noch eine dynamische Temporegelung in Betrieb. Das heisst: Wenn es eine Verkehrsüberlastung gibt im Bereich des Wankdorfdreiecks, dann schalten sich die Stau-Warnsignale ein, und die Geschwindigkeit wird im Bereich vor dem Stau reduziert – konkret schalten die beiden 100er-Tafeln beim Grauholz auf 80. Das sorgt für mehr Sicherheit und wirkt einer zusätzlichen Staubildung entgegen.

Auch in den Agglomerationsorten Köniz und Wabern sowie in der ganzen Stadt Bern kommen bereits seit Jahren Dosiersysteme mithilfe von Ampeln mit Erfolg zum Einsatz. Das Ziel ist immer das gleiche: Das Verkehrsaufkommen soll ausserhalb der Kernzonen gehalten werden, damit es im Zentrum nicht zu Staus kommt.

Derzeit arbeitet der Kanton Bern an einem einheitlichen Verkehrsleitsystem, das den Stadt-, Aggolmerations- und Autobahnverkehr miteinbezieht. Das Projekt steckt aber noch in der Anfangsphase, und die Finanzierung ist noch unklar. (Berner Zeitung)

Erstellt: 08.02.2012, 11:58 Uhr

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3 Kommentare

Hans Abbühl

08.02.2012, 12:33 Uhr
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"Viele Autofahrer fürchten, dass das Tempo auf stauanfälligen Strecken permanent auf 80 Stundenkilometer reduziert wird. Dem ist aber nicht so....." So heisst es oben schön. Wir werden es dann sehen. In der Regel geht es derart, dass nach den "doch soooo guten Erfahrungen" sich genügend (linke) Politikerinnen finden, die mit allen Mitteln die Beschränkung zum Dauerzustand machen wollen. Antworten




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