Schweiz

Paris macht Druck auf die Schweiz – nach dem Vorbild der USA

In Bern ist Frankreichs Fiskus noch nicht vorstellig geworden. Blufft Paris? Bankier Konrad Hummler erinnert das Vorgehen des Budgetministers an eine Kampagne der Achtzigerjahre.

Der Schweizer Finanzplatz steht nun auch unter französischem Beschuss.

Der Schweizer Finanzplatz steht nun auch unter französischem Beschuss.
Bild: Keystone

Die französische Regierung hat Bern wegen der angeblichen Steuerflüchtlinge noch nicht kontaktiert. «Uns ist nichts bekannt», heisst es im Finanzdepartement und in der Steuerverwaltung des Bundes. Es liege auch kein Amtshilfegesuch vor. Am Samstag hatte Paris behauptet, es verfüge über die Namen von 3000 Steuerflüchtlingen mit Geldern in der Schweiz.

Die Art des Vorgehens von Eric Woerth erinnert den St. Galler Privatbankier Konrad Hummler an eine Kampagne der Achtzigerjahre. Damals habe Paris ebenfalls behauptet, es habe Daten von Steuerflüchtlingen in der Schweiz. Der französische Geheimdienst habe die Daten auf gelöschten Computerbändern der Schweizerischen Bankgesellschaft wieder lesbar machen können. «Auch damals versuchte man, Bankkunden Angst zu machen, um sie zu einer Selbstanzeige zu bewegen», erinnert sich Hummler. Nach einiger Zeit sei die Kampagne wieder eingeschlafen.

Hat Paris die Daten legal beschafft?

Er sei nicht überrascht, dass nach dem Grosserfolg der US-Steuerbehörde gegen die UBS jetzt auch europäische Länder aus der Schwächung des Bankgeheimnisses Kapital schlagen wollen, sagt Hummler. Er fordert seit Jahren, das Thema Steuerflucht mit dem Ausbau der Quellenbesteuerung ausländischer Bankkunden zu entschärfen. Deutschland bedränge die Schweiz seit langem, jüngst mache Italien über eine Amnestie Druck auf den Bankenplatz Tessin. Und jetzt versuche es halt auch noch Paris. Vermutlich sei viel Bluff dabei, sagt Hummler: «Wenn die Franzosen tatsächlich die Daten von 3000 Konten haben, sollen sie ein Amtshilfegesuch an die Schweiz stellen. Erst dann sieht man, wie viel sie wirklich in der Hand haben.»

Credit Suisse nicht betroffen

Wer die drei Schweizer Banken sind, die Paris genannt hat, ist unklar. Kunden der Credit Suisse seien nicht betroffen, heisst es bei der Grossbank. Die UBS hat auf eine Anfrage nicht reagiert.

Hat Frankreich die Daten diesmal legal beschafft? Dieser Punkt müsste bei einem Amtshilfegesuch aus Frankreich genau geprüft werden, unterstreicht die Schweizerische Bankiervereinigung in einer Stellungnahme. Bei illegal beschafften Daten könne keine Amtshilfe gewährt werden, sagte ein Sprecher.

Paris erhofft sich wohl viele Selbstanzeigen. Steuerflüchtlinge haben bis Ende Jahr Zeit, sich zu melden, nachher gehe man mit aller Härte gegen sie vor. Auf RTL sagte der Schweizer Soziologe und Frankreich-Kenner Jean Ziegler, Woerth schaffe «ein Klima der Unsicherheit und Angst»; es werde Tausende von Selbstanzeigen und Kapitalrückführungen geben.

Druck aufbauen, wie im Fall UBS

Je mehr sich beim Fiskus melden, desto stärker kann Paris die Schweiz in Bedrängnis bringen, wenn es dann ein Amtshilfegesuch stellt. Dieses dürfte jedoch erst in Bern eintreffen, wenn das am Donnerstag unterzeichnete revidierte Doppelbesteuerungsabkommen mit Frankreich in Kraft tritt. Dieses verpflichtet die Schweiz zu weit mehr Auskunft in Steuersachen als bis anhin. So lange baut Paris Druck auf, nach dem Vorbild der USA im Fall UBS.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 31.08.2009, 07:03 Uhr

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22 Kommentare

markus sennheiser

01.09.2009, 10:17 Uhr
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Die qual der wahl. wollen wir mit dreck am stecken unser wohlstand beibehalten und dadurch erpressbar bleiben ? Oder wollen wir mal entlich ausmisten und uns diesen wohlstand mühsam aber legal wieder aufbauen ? Unabhängig was andere staaten an steuerparadiese anbieten. ich denke letzlich zahlt's sich jergenwann mal aus. spät. bei der nächsten grosse krise. und die lässt nicht auf sich lange warten Antworten


Jaques Schmid

01.09.2009, 10:09 Uhr
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Es ist ein bisschen naiv zu glauben, die ganze Welt, ausser der CH, würde sauber geschäften. All jenige die es noch nicht gemerkt haben, es herrschit permanenter Wirtschaftskrieg. Und jeder versucht den anderen flach zu machen. Sogar Kriege (Amerika - Irak) werden in kauf genommen (ref. Oliver Stone Film / Bush). Am Schluss wandert alles ab und dann...sind wir die Ehrlichsten, zu welchem Preis. Antworten


leo schale

01.09.2009, 08:21 Uhr
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@Tom Berger, 07:22 Uhr: «Endlich!...». Tat's it !!! BRAVO und grosses Kompliment für Ihr treffendes Statement, Tom Berger !!! Antworten


Romano Kunz

31.08.2009, 19:44 Uhr
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Was sind die Schweizer für weltfremde Bünzlis mit den Kommentaren hier. Wenn die Schweiz nicht das Geschäft macht, macht es ein anderer. Gerade die G8 Staaten sind genau die Staaten, die die dreckigsten Geschäfte und Finanztransaktionen machen und die Schweiz will wieder mal Musterknabe sein in einem Business das NIE sauber, ehrlich oder sozial sein wird. Träumt weiter in den Sozialabstieg. Antworten


Heinrich Baur

31.08.2009, 18:27 Uhr
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@Sibylle Weiss. 1.) Der Druck kommt vorallem aus den USA. 2.) FR macht mit dieser Meldung eigentlich hauptsächlich Druck auf seine eigenen Bürger 3.) Die im Dreiländereck tätigen ausländischen Spezialisten sind nicht immer zum Vorteil von D/FR in der Schweiz. 4.) Da der Verdacht besteht, dass nicht nur die UBS unter dem Deckmantel des Finanzplatzes kriminell agierte, darf man sich nicht wundern. Antworten


Roman Günter

31.08.2009, 17:43 Uhr
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Zur Erinnerung: Das Bankkundengeheimnis ist Schweizer Gesetz. Sollten sich Frankreich, Deutschland oder andere Parteiern, geheime Informationen durch Hehlerei oder Diebstahl (Geheimdienst) beschaffen, um sich dadurch finanzielle Vorteile zu verschaffen, wären dies Einkünfte aus einer Straftat. Müssten damit nicht die Konten der genannten Länder gesperrt und gemeldet werden? Antworten


Sibylle Weiss

31.08.2009, 17:36 Uhr
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Eigentlich ist es erstaunlich,dass gerade die Länder (D/FR), welche von der PFZ in der CH besonders profitieren,jetzt auf ihr Arbeitgeberland Schweiz solchen Druck ausüben. Sind wir dann immer noch auf solche Arbeitnehmer angewiesen? Antworten


Frederick Noser

31.08.2009, 16:41 Uhr
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Es ist erstaunlich wenn ich immer wieder von Leuten lese, die Verständnis für die kriminellen Machenschaften von Steuerhöllen Europas haben aber auf den eigenen Staat, die eigene Rechtsordnung und den liberalen Umgang mit dem eigenen Bürger keine roten Rappen geben. Ich vermute mal, dass es sich in der Regel um Staatsbedienste ohne Auslandserfahrung handelt. Erfahrungen täten diesen gut. Antworten


Tom Schweizer

31.08.2009, 16:11 Uhr
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Die bösen Banken haben aber zu einem grossen Teil zum Wohlstand in der Schweiz beigetragen. Durch riesige Summen an direkten und indirekten Steuern, tiefen Zinsen und hunderttausende Arbeitsplätze. Antworten


Martin Waeber

31.08.2009, 15:56 Uhr
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Lieber Herr Wundrig, Wolf. Beim Thema Frankreich und Steuerhinterziehung erstens 2 Stichworte: Monace, Andorra. Und zweitens: Noch schlimmer wäre, wenn die Banken zu Handlangern des Fiskus würden. Antworten


rene klingler

31.08.2009, 15:31 Uhr
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Schön und gut, nun ratet doch mal, wem wir diese Misere zu verdanken haben? Es wird noch weiter gehen, das Karusell dreht und dreht so lange bis es auch dem allerletzten Eidgenossen übel wird...wetten?! Antworten


Dieter Wundrig

31.08.2009, 14:50 Uhr
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@ Alexandra Weber-Haben die Millionäre wirklich das viele Geld selbst verdient?Ich glaube kaum!Anlegen wo sie wollen ist ja nicht verboten,aber bitte keín schmutziges & unversteuertes Geld.Und schon garnicht sollten Banken Handlanger von kriminellen Geschäften sein so wie es die UBS und andere gemacht haben.Sie scheinen es leider immer noch nicht verstanden zu haben.Es schadet doch nur der Schweiz Antworten


Ueli Wolfs

31.08.2009, 14:35 Uhr
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@Tom Berger sie haben Recht ! Es wird Zeit, das wir hier unser Geld rechtens verdienen ! Es geht nicht an, dass wir weiterhin auf kosten anderer Staaten leben ! Wir sollten auch andere Qualitäten haben als nur Verbrechen zu unterstützen !! Antworten


Andreas Moser

31.08.2009, 12:13 Uhr
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Und die Schweiz schweigt. Die betroffenen haben einen guten Ausweg: Physische Edelmetalle bei der Hausbank kaufen, dann bei einer andern Bank Konto mit Fr. 100.- eröffnen und dort Edelmetalle in Save einlagern. So einfach. Antworten


Beat Keller

31.08.2009, 10:24 Uhr
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Schön, mal sehen, ob man in Bern nun gelert hat mit sogenanntem Druck aus anderen Staaten richtig umzugehen. Das bedeutet : Steuerbetrüger sollten keinen Unterschlupf bekommen, das rechtstaatliche Verfahren ist auf jeden Fall einzuhalten und ohne konkreten Grund auch keine Daten. Wenn man schan Kundendaten hat, sollten diese konkret zeigen, was und wieviel hinterzogen wurde und natürlich wann. Antworten


Luis Dennler

31.08.2009, 10:11 Uhr
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Steuerbetrüger dürfen von der CH nicht geschützt werden. Über den Umgangston zw. Frankreich und Schweiz kann man sich unterhalten. Ist dieser nicht angemessen hat sich das Thema Kampfflieger von Frankreich, welche wir übrigens eh nicht benötigen, bereits erledigt. Antworten


Alexandra Weber

31.08.2009, 10:07 Uhr
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Eine ganz fiese Art des F-Staates. Einfach Drohungen auszusprechen, man habe Namen erhalten nur damit sich die Millionäre SELBER anzeigen - ist eines Staates unwürdig. Schliesslich haben die Millionäre ihr Geld selber verdient und können ihr Geld anlegen wo sie wollen.Es ist nicht an der Bank festzustellen, ob diese Vermögen versteuert sind, die Bank hat das Geld zu sichern und zu vermehren. aw Antworten


Heinrich Baur

31.08.2009, 09:47 Uhr
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Schon vor Jahren warnten einzelne Bankiers, das Bankgeheimnis rechtzeitig zu revidieren. Anstatt proaktiv zu handeln wurde jedoch kurzfristige Gewinnmaximierung betrieben, wie sich nun zeigt offenbar zum Schaden der Reputation des ganzen Landes. Die Schweiz hatte sich seit je her mit dem Bankgeheimnis bewusst international stark exponiert. Die langfristigen Konsequenzen sind noch nicht absehbar. Antworten


Simon Westerhagen

31.08.2009, 09:42 Uhr
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Ja der Tom hat recht. JETZT haben die Banker eine einmalige Chance (wie damals mit den Herrenlosen Vermögen) reinen Tisch zu machen und von vorne zu beginnen asl "fairer und sozialverträglicher" Geldmarkt. Weil eines scheinen die Herren Grübel und Co zu vergessen. Nur ein sozial gerechter Geldmarkt wird in Zukunft zu keiner Aufrur führen. Wenn es weiter geht wird früher oder später etwas passieren Antworten


Thomas Bisang

31.08.2009, 09:31 Uhr
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@ Tom Berger Und weil wir so gut an diesen Geldern verdient haben, haben Sie und alle anderen weniger Steuern bezahlt. Aber was Sie und viele andere nicht sehen wollen ist, dass die USA und die UK die Steuerparadiese Nummer eins und Nummer zwei der Welt sind. Aber es ist viel einfacher auf die Kleinen los zugehen oder, wie sie, sich gerade selbst zu zerfleischen. Antworten


Samuel Gerber

31.08.2009, 09:12 Uhr
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@ Tom Berger: es würde mich Wunder nehmen, ob Sie auch zu diesen "normal verdienenden Bürgern" gehören. Glauben Sie wirklich, dass die Wirtschaft nach Meister Proper immer sauber läuft? Wissen Sie, wer zu den grössten Kriegstreibern und Waffenhändlern gehört? Richtig: Frankreich. Ganz Böse! Schlimm ist, dass wir keine Regierung haben, welche den Namen verdient... Antworten


Tom Berger

31.08.2009, 07:22 Uhr
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Endlich! In der Schweiz liegen hunderte von Milliarden unversteuertes Vermögen aus dem EU-Raum. Die Reichen Nachbarn sparten sich Ihre Steuern und unsere Banker verdienten sich eine goldene Nase, während hier und überall in Europa der ehrliche, normalverdienende Bürger der geprellte war. Schluss damit! Den Steuerhinterziehern und Ihren Helfern bei den Banken muss der Prozess gemacht werden. Antworten



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