Neuer Konkurrent für Swisscom
Von Jon Mettler. Aktualisiert am 08.10.2009
Gestern gab Translumina in Genf eine Zusammenarbeit mit dem Genfer Elektrizitätswerk SIG für Triple Play übers Glasfasernetz bekannt. Triple Play – zu deutsch: dreifaches Abspielen – bezeichnet die Möglichkeit, gleichzeitig im Internet zu surfen und via Internet zu telefonieren und fernzusehen.
Zwischen dem Elektrizitätswerk der Stadt Zürich (EWZ) und Translumina besteht bereits eine Kooperation, aber vorerst nur für Dienstleistungen für Geschäftskunden und ausgewählte Einwohner, deren Haus ans Glasfasernetz angeschlossen ist. Auch mit Energie Wasser Bern (EWB) hat Translumina eine strategische Partnerschaft vereinbart.
Ab 2010 in Bern
Erste Produkte für eine breite Privatkundschaft will das Unternehmen noch diesen Monat für den Raum Zürich auf den Markt bringen. Damit verbunden ist gleichzeitig die schweizweite Einführung der Version 1.0 der eigenen Informatikplattform für Triple Play.
«In Bern wollen wir Anfang des nächsten Jahres erste Dienstleistungen anbieten», sagt Peter Helfenstein, Chef der Translumina Networks AG und Verantwortlicher für den Schweizer Markt.
Das Geschäftsmodell von Translumina sieht vor, über die lokalen Glasfasernetzbetreiber Telefonie, Internet und Fernsehen in die Unternehmen und heimischen Stuben zu bringen. Gerade die vielen Elektrizitätswerke, die mit der Swisscom den Ausbau des schnellen Schweizer Glasfasernetzes vorantreiben, sind an konkurrenzfähigen Triple-Play-Angeboten interessiert, da die branchenfremden Stromerzeuger diese nicht selber anbieten können.
Translumina dringt somit in die Gefilde der grossen Telekomanbieter wie Marktführer Swisscom und Cablecom ein. Das erste erhältliche Produkt für Privatkunden beinhaltet eine garantierte Downloadrate von 30Megabit pro Sekunde, einen Telefonanschluss sowie 80 Fernsehsender und 40 Radiosender. Dabei hat der Kunde Anspruch auf 30 feste TV-Kanäle und auf weitere 50, die er aus einem Angebot von 200 Sendern frei auswählen kann. Das Paket bietet Translumina vorerst nur in Zürich für 95 Franken im Monat an. Hinzu kommen 9 Franken monatlich für die Miete der benötigten Geräte. Der Preis gilt für eine Laufzeit von 24 Monaten.
In der Wahlfreiheit sieht Andreas Danuser, Präsident der Muttergesellschaft Translumina Holding AG, einen Vorteil gegenüber den Mitbewerbern. «Für ausländische Mitbewohner und Sportbegeisterte ist unser Angebot sehr attraktiv. Sie müssen nicht für Zusatzpakete zahlen, die dann nur einen oder zwei Sender enthalten, die den Kunden interessieren.» Zudem sei die Sendervielfalt auch für Hotels von Bedeutung, die ausländische Gäste aus allen Regionen der Welt willkommen hiessen.
Danuser kein Unbekannter
Danuser ist auf dem Platz Bern kein Unbekannter. Er hat den Telekomzulieferer Inalp Networks in Niederwangen gegründet, heute Patton-Inalp Networks. Der Elektroingenieur hat die Translumina Holding, zu der sieben Tochtergesellschaften gehören, mit Kapital aus der eigenen Tasche aufgebaut. Die Gruppe verfügt über eine eigene Entwicklungsabteilung, eigene Rechenzentren, eigene Netze und einen eigenen Kundenservice. Seit diesem Jahr sind Drittinvestoren an Bord, die Danuser aber nicht namentlich nennen will. «Ich kann nur sagen, dass es sich um unternehmerisch orientierte Personen aus der Schweiz handelt», sagt er.
Die Translumina Holding beschäftigt in Bern, Zürich und Chur 70 Mitarbeiter. In Österreich, Deutschland und Spanien betreibt der Konzern Niederlassungen. Eine weitere Expansion nach Vietnam steht kurz bevor.
Das Branchenportal Inside-IT geht davon aus, dass Translumina in der Schweiz rund 20000 Kunden braucht, um die aktuellen Kosten der Firma ungefähr decken zu können.
Einigkeit hilft
Die Einigung der grossen Telekomanbieter, beim Ausbau des Glasfasernetzes an einem Strick ziehen zu wollen (siehe Ausgabe von gestern), wertet Schweiz-Chef Helfenstein als Fortschritt. «Das gemeinsame Vorgehen der Branchengrössen ist sehr zu begrüssen», sagt er. «Der Bau des Glasfasernetzes wird dadurch beschleunigt.» Letztendlich gehe es aber darum, dass der Kunde vom besten Angebot profitieren könne. (Berner Zeitung)
Erstellt: 08.10.2009, 07:53 Uhr
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