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Neue Rezepte gegen den ausufernden Siedlungsbrei

Von Jürg Steiner. Aktualisiert am 20.10.2011 3 Kommentare

Die Experten des nationalen Forschungsprogramms 54 geben 13 Empfehlungen ab, wie die Schweiz das Siedlungswachstum bremsen könnte.

Wie man Wachstumsfragen aktiv angehen könnte, zeigt die Stadt Bern am umstrittenen Projekt «Waldstadt Bremer».

Wie man Wachstumsfragen aktiv angehen könnte, zeigt die Stadt Bern am umstrittenen Projekt «Waldstadt Bremer».
Bild: zvg

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Wie komplex es ist, das Siedlungswachstum zu steuern, lässt sich an einem Beispiel illustrieren: Das Potenzial, schwach genutzte Bahnhof-, Industrie- oder Armeeareale in den Agglomerationen mit perfekt erschlossenen Wohn- oder Bürobauten aufzuwerten, ist in der Schweiz erheblich. Allerdings erschweren etwa strenge Umweltvorschriften solche sinnvollen Umnutzungen.

Unliebsame Nebenwirkungen

Um Grundbesitzer und Bauherren gezielt zu motivieren, solche Brachen verdichtet zu bebauen, müsste man Ökoregelungen lockern, gleichzeitig aber auch neue Vorschriften erlassen.

Das gleicht einer heiklen Operation. Die Gefahr unerwünschter Nebenwirkungen ist gross – etwa, dass günstiger Wohnraum plötzlich aus den Zentren verdrängt wird.

Trotz mittlerweile über 30-jähriger raumplanerischer Bemühungen in der Schweiz wird pro Sekunde unverändert ein Quadratmeter Boden überbaut. Das Verhalten der Menschen weicht häufig ziemlich stark von den Idealvorstellungen der Raumplaner ab.

Zu wenig Gesamtsicht

Diese Erkenntnis lässt sich auch aus dem imposanten Synthesebericht des nationalen Forschungsprogramms 54 zur nachhaltigen Siedlungs- und Infrastrukturentwicklung herauslesen, der gestern Mittwoch der Öffentlichkeit vorgestellt wurde. Für rund 13 Millionen Franken haben Forschungsteams in den letzten 5 Jahren in 31 Projekten den Wissensstand über die Treibkräfte und Steuerungsinstrumente der Siedlungsentwicklung auf den neusten Stand gebraucht. In 13 Empfehlungen formulieren sie nun Handlungsanregungen an die Politik. Der Grundtenor: Ganzheitlicher denken, Wachstumsstrategien hinterfragen.

Beispielsweise fordern die Forscher ein nationales Infrastrukturkonzept zur langfristigen Sicherung der Bahn- und Strassenbauten – mit klarer nationaler Prioritätensetzung, in welcher Region welcher Ausbau (oder Rückbau) sinnvoll ist.

Aktiver planen – wie Bern

Oder sie empfehlen Gemeinden und Städten, ihre Siedlungsentwicklung nicht einfach zu verwalten, sondern aktiv zu gestalten und die Projekte über die Bewilligungsphase hinaus zu begleiten.

Wie man Wachstumsfragen aktiv angehen könnte, zeigt die Stadt Bern am umstrittenen Projekt «Waldstadt Bremer», mit dem sie in den Bremgartenwald hinein Stadterweiterung betreiben will. Sie lanciert damit eine bis jetzt tabuisierte Diskussion über Siedlungsverdichtung und Waldschutz. (Berner Zeitung)

Erstellt: 20.10.2011, 06:33 Uhr

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3 Kommentare

Martin Lerch

20.10.2011, 07:04 Uhr
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Im Bremgartenwald soll also Wald zu Hochhäusern gemacht werden. Was genau hat das mit Siedlungsverdichtung zu tun? Nichts. Die Grünen bauen einfach weitere Grünflächen zu. Im Wankdorf und in den Militärarealen im Breitenrain werden riesige Bürokomplexe geplant und aufgezogen. Da wird Bauland umgenutzt aber nicht zu Wohnflächen. Die Grünen und SP weiten den Pendlerverkehr aus. Politische Lügen! Antworten


Susanne Kaiser

20.10.2011, 10:33 Uhr
Melden 1 Empfehlung

Beim Projekt "Waldstadt Bremer" handelt es sich überhaupt nicht um ein Beispiel für nachhaltige Siedlungs- und Infrastrukturentwicklung. Das verwendetete Bild empfinde ich als irreführend. Antworten




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