Schweiz

Merz macht sogar in Taiwan Schlagzeilen

Zeitungen und Nachrichtenportale auf der ganzen Welt verfolgen das Schicksal der in Libyen festgehaltenen Geiseln – und das unkoordinierte Vorgehen des Bundesrats.

Geiseln, Erpressung, Qadhafi: Der Politkrimi zwischen der Schweiz und Libyen interessiert weltweit.

Geiseln, Erpressung, Qadhafi: Der Politkrimi zwischen der Schweiz und Libyen interessiert weltweit.

Noch im April war der Streit zwischen Libyen und der Schweiz kein Thema für die internationale Presse. Damals hatte Libyen Klage gegen die Genfer Behörden eingereicht, weil diese im Jahr zuvor Qadhafi-Sohn Hannibal und dessen Frau Aline verhaften liessen. Inzwischen hat auch die Weltöffentlichkeit angefangen, sich für die Sache zu interessieren – wohl auch, weil die Auseinandersetzung immer mehr in einen Politkrimi ausartet: Seit fast 400 Tagen halten die libyschen Behörden die Schweizer Geschäftsleute Max Göldi und Rachid Hamdani fest und fordern laut unbestätigten Angaben von «Radio Suisse Romande» sogar 860'000 Franken Lösegeld.

Auch interessiert das Schicksal von Bundespräsident Hans-Rudolf Merz, der innenpolitisch immer mehr unter Druck gerät: Die Geiseln sind immer noch in Libyen, obwohl Merz nach seinem Kniefall in der Hauptstadt Tripolis versichert hatte, sie würden bis 1. September freikommen. Kein Wunder, stürzen sich die Medien weltweit auf News über die Affäre: Qadhafi, der «Gangster» der internationalen Politik, nimmt Geiseln und erpresst die kleine, friedliche Alpendemokratie; und diese lässt das auch noch bereitwillig zu. Ein gefundenes Medienfressen.

Nationalräte erlangen internationale Publizität

So verbreitete die internationale Nachrichtenagentur Associated Press gestern auf Englisch die Voten von Nationalräten über Merz’ politisches Schicksal – wohl nur selten erhalten Schweizer Parlamentarier solch internationale Publizität. Die «New York Times», «USA Today», «CBS News», «Taiwan News» und viele weitere übernahmen die Meldung, und auch führende Medien wie die «Financial Times», «Wall Street Journal», «Frankfurter Allgemeine Zeitung» oder die «Times» verfolgen das Geschehen aufmerksam. Das algerische Portal Ennahar Online berichtet breit über die angebliche Lösegeldforderung und Merz' Schicksal.

Einzig in Libyen ist die Affäre kein Thema: Zuletzt vermeldete die staatliche Nachrichtenagentur «Jana» am Donnerstag, die libysche Regierung habe den zwei anscheinend erlaubt, auszureisen. Dies sei allerdings noch nicht geschehen. Dass die libysche Öffentlichkeit nicht mehr erfährt, dafür ist gesorgt: Laut «Reporter ohne Grenzen» ist die Pressefreiheit in Libyen «praktisch inexistent». Der Staat kontrolliert alle Medien, kontroverse Meinungen werden nicht geduldet. (Bernerzeitung.ch/Newsnet)

Erstellt: 02.09.2009, 13:29 Uhr

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