Schweiz
«Merz geht manchmal allein in eine Wirtschaft»
Von Sarah Pfäffli. Aktualisiert am 09.02.2010 5 Kommentare
Sigg und die Affäre Béglé
Seine Partnerin Regina Steffen sei als Sekretärin des Post-Verwaltungsrats «aus dem Amt gemobbt» worden. Dies warf Ex-Bundesratssprecher Oswald Sigg in der «SonntagsZeitung» dem (mittlerweile zurückgetretenen) Post-Präsidenten Claude Béglé vor. Steffen habe ihr Amt quittiert, weil Béglé sie zu Unrecht verdächtigt habe, «zu nah an der Konzernleitung» zu sein. Kurze Zeit später hätte Sigg einen öffentlichen Anlass moderieren sollen, an dem auch Béglé auftreten sollte. Sigg schrieb Béglé darauf einen Brief, in dem er seine Vorbehalte ihm gegenüber schilderte. «Statt einer Antwort erhielt meine Partnerin daraufhin eine eingeschriebene Mahnung von Béglés Anwalt», sagt Sigg. Inhalt: Androhung der fristlosen Kündigung samt allfälliger Schadenersatzansprüche. Regina Steffen habe ihre Treuepflicht gegenüber der Post verletzt, indem sie ihrem Partner von den Vorwürfen gegen sie erzählt habe. Darauf sagte Sigg die Moderation des Anlasses ab, die Sache wurde publik. «Die Vorfälle, die zu der Absage geführt hatten, konnte ich nicht einfach unerwähnt lassen», erklärt er seine Wortmeldung.sap
Oswald Sigg
«Kochbuch für alle Fälle», Edition Wasserwerk, Fr.20.–, erhältlich in den Buchhandlungen Zytglogge, Münstergasse und Einfach Lesen (Matte) in Bern. Der Verkaufserlös fliesst an den Verein für soziale Gerechtigkeit, Bern.
Oswald Sigg öffnet die Türe, und sofort steht man mittendrin im betörenden, würzigen Duft eines selbst zubereiteten Mittagessens. Der pensionierte Bundesratssprecher führt in die Küche seiner Wohnung in der Berner Matte und hebt den Deckel des Kochtopfs: Linseneintopf gibts, mit Rüebli, Sellerie, Speck und Schinken, «haben Sie das gern?», fragt Sigg freundlich. Er rührt um, begutachtet sein Werk und setzt einen weiteren Topf auf, für Bouillon, denn «die Linsen brauchen noch ein wenig Flüssigkeit».
Oswald Sigg (65) ging vergangenen Frühling in Rente. Im Herbst fand er schliesslich Zeit, einem Wunsch seiner erwachsenen Kinder nachzukommen: «Sie fragten immer wieder, ob ich meine Rezepte nicht mal aufschreiben könne.» Der zweifache Vater war immer schon fürs Kochen zuständig, in seiner früheren Ehe wie auch in der Beziehung mit seiner heutigen, langjährigen Lebenspartnerin Regina Steffen. «Für die Küche habe ich mich halt immer aufgedrängt», sagt er und lächelt.
«Heftli» verkauft sich gut
Kochen sei «mehr als ein Hobby» für ihn: «Es gehört zum Alltag, jemand muss ja kochen. Aber für mich ist Kochen auch Erholung. Dabei denke ich nach, höre Informationssendungen am Radio.» Zwölf seiner Rezepte hat er nun im Eigenverlag herausgegeben, «Kochbuch für alle Fälle» heisst sein «Heftli», wie er es nennt. Gedacht war es vor allem als Weihnachtsgeschenk für Freunde und Familie, jetzt könnte er aber bald schon eine zweite Auflage in Druck geben: «200 der 300 Exemplare sind schon weg!» Die Rezepte sind fast alle gutbürgerlich-schweizerisch: Kartoffelsalat, Senfgeschnetzeltes oder Militär-Käseschnitten. Und zu jedem serviert Sigg eine persönliche Anekdote oder eine Erklärung über die Herkunft der Zutaten.
Plädoyer zum Zmittag
Der Eintopf ist fertig, der grosse Esstisch mit Blick auf die Aare gedeckt, Sigg schöpft und wünscht «en Guete». Mit am Tisch sitzt auch Regina Steffen, die derzeit arbeitslos ist (vgl. Kasten). Die Linsen schmecken hervorragend, das Gespräch verläuft angeregt: Oswald Sigg verfolgt das Tagesgeschehen nach wie vor intensiv, er schreibt für mehrere Zeitungen, hat ein Mandat beim Mediendienst «Hälfte/Moitié» des Vereins für soziale Gerechtigkeit, wo er mit Arbeitslosen und AHV-Rentnern zusammenarbeitet. Beim Thema der Stunde, den gestohlenen Bankdaten, drückt der Sozialdemokrat Sigg sehr deutlich durch, und er zeigt sich als dezidierter Gegner «jenes Bankgeheimnisses, das in der Hauptsache nur noch Ausländern dazu dient, Geld vor dem Fiskus zu verstecken».
Die Diskussion nimmt eine Wendung hin zum Thema Parteienfinanzierung. Siggs Grundthese ist es, dass die heutige Form der direkten Demokratie mindestens teilweise käuflich geworden sei. «Diejenige Partei, die am meisten Geld in ihr Marketing steckt, ist am erfolgreichsten», sagt er. Sigg ist ursprünglich Soziologe und Volkswirtschafter, er hat über die Wirkungsweise der Volksinitiative dissertiert.
So essen die Bundesräte
Die Teller sind leer, die Mägen voll, Oswald Sigg serviert Kaffee. In diesen turbulenten Zeiten ist er manchmal «nicht unglücklich», dass er nicht mehr vor die Medien stehen muss, um für den Bundesrat zu informieren. Er blickt auf die Uhr, es ist Mittwoch, «jetzt haben sie Sitzung», stellt er fest und schmunzelt. Er weiss, was die Bundesräte essen, wenn sie mal keine dienstliche Verpflichtung haben: «Hans-Rudolf Merz geht manchmal einfach allein in eine Wirtschaft. Und der Weibel von Alt-Bundesrat Samuel Schmid war früher Koch, der bereitete ihm manchmal in seinem Büro ein kleines Mittagessen zu.»
Koch, das wäre auch ein Beruf für Oswald Sigg gewesen, lieber noch «Wirt, der auch gleich selbst die Küche macht». Dann würde er bürgerliche Kost auftischen. «Denn», witzelt Sigg, «sozialistische gibts ja nicht.» (Berner Zeitung)
Erstellt: 09.02.2010, 08:43 Uhr
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5 KOMMENTARE
Was soll der Titel ? Geht es um Herrn Merz oder Hernn Sigg, den Rentner und Hobby-Koch. Oder sollte mit der Schlagzeile vermittelt werden wie einsam Merz, wie sehr es Zeit fuer ihn waere, sich an den eigenen Herd zurueckzuziehen ? Da der Bundesrat eine Fortsetzungsgeschichte, werden wir das wohl bald im Detail erfahren. Bin gespannt.
Was les ich da? Linsengericht? Ich komme eben vom Kochen und Essen. Was hab eich gekocht: Linseneintopf mit Sellerie, Rüebli, Lauch, Apfel, Speck und Cervelat. ein nicht teures aber enorm küstiges Menue, für Rechte wie Linke. Ich hatte immer Freude, mit welcher neutraler Zurückhaltung Oswald Sigg all die Bundesräte an die Pressekonferenz einführte. E Guete allerseits. Hopp Linsen!
Jetzt wissen wir es endlich: Merz ist ein Führer, ja sogar ein echter Wirtschafts-Führer! Denn immer wieder führen ihn seine Ausflüge in die Wirtschaft... Jetzt verstehe ich auch, seine Stammtisch-Geschwätzigkeit.
Eines ist klar, zuviele Köche verderben den Brei, das gilt auch in der Polit-Gerüchte-Küche.
Etwas exotisch finde ich, dass Oswald Sigg im Kashmirpulli kocht. Gerade bei Eintopf muss man mit Spritzern rechnen - auch wenn man aufpasst. Das ist wie beim Amt als BR-Sprecher. Im übertragenen Sinne. Sonst ist das Interview etwas oberflächlich geblieben. Ich hätte gerne noch mehr erfahren, was Herr Sigg sonst noch so treibt und liest? Er kann ja nicht den ganzen Tag nur kochen.
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