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«Mehr mit Muslimen reden statt über sie»

Interview: Hannah Einhaus. Aktualisiert am 12.10.2010 4 Kommentare

Seit dem 11.September gelten Bosniaken, Türken oder Albaner in erster Linie als Muslime. Im Rahmen einer Vortragsreihe der katholischen Kirche erklärt heute Religionswissenschaftler Samuel-Martin Behloul die Folgen.

Samuel-Martin Behloul. (Bild: zvg)

Zur Person

Samuel-Martin Behloul (42) ist Forschungsmitarbeiter und Lehrbeauftragter am Religionswissenschaftlichen Seminar Luzern. Nach einem Studium der Theologie und Philosophie in Luzern promovierte er in Arabistik und Islamwissenschaft an der Freien Universität Berlin. Seit 2001 forscht und lehrt er
an der Universität Luzern. Zu seinen aktuellen Schwerpunkten gehören der Islam und die Integration von Muslimen in der Schweiz. ein

Herr Behloul, welche Folgen hatte der 11.September 2001 für die Muslime in der Schweiz?
Samuel-Martin Behloul: Vor dem 11. September wurden Muslime als Albaner, Türken, Bosnier oder Araber wahrgenommen. Seit dem 11.September gelten sie in erster Linie als Muslime. Neu müssen Bosnier oder Türken das Geschehen in Afghanistan kommentieren oder Koranzitate, die sie selbst kaum kennen, erklären. Viele sind da schlicht überfordert.

Öffentliche Aufmerksamkeit erhalten vor allem extreme Kreise, die die Scharia einführen wollen. Welchen Rückhalt haben sie innerhalb der islamischen Kreise?
Auf solche Auftritte wie jene vom Islamischen Zentralrat hat kaum eine Gemeinschaft positiv reagiert.

Wie bei anderen Religionen in der Schweiz gibt es nicht die Muslime als Block. Welche Strömungen können Sie nennen?
In den heutigen muslimischen Gemeinschaften ist Religion ein Teil der jeweiligen Kultur. Zum einen haben wir die Dachverbände, die sich nicht über die einzelnen Konfessionen definieren. Zum anderen haben wir die an ihrer Volksgruppe orientierten Gemeinschaften. Sie sind in erster Linie türkische, albanische oder arabische Kulturvereine, die in einem Gebetsraum auch der Religion Platz machen. Die Vereinslokale sind Treffpunkte für Landsleute und Sprachkurse und dienen auch als Läden für Produkte aus dem Herkunftsland.

Wird sich das mit der zweiten Generation, die mit hiesiger Sprache und Gesellschaft aufwachsen, ändern?
Da bin ich mir nicht sicher. Die Jüngeren beherrschen zwar die hiesige Sprache und die Gepflogenheiten, und die wenigstens würden in das Herkunftsland der Eltern auswandern. Aber mit den modernen Informationskanälen über Internet werden sie sich aber auch wieder an die Herkunftskultur anbinden.

Wie hoch ist heute der Anteil von Muslimen mit Schweizer Pass?
Schätzungen gehen von etwa 20 Prozent der rund 450'000 Muslime aus, Eingebürgerte, die zweite Generation und Konvertiten zusammengerechnet.

Tendieren die muslimischen Gemeinschaften seit der Minarett-abstimmung eher zum Rückzug oder zur Öffnung?
Da bestehen unterschiedliche Tendenzen. Die Dachverbände gestehen, dass sie sich im Vorfeld blind auf Umfragen verlassen und zu wenig getan haben. Da bei den einzelnen Gemeinschaften der Gebetsraum nur ein Teil eines Zentrums ist, fällt ihnen der Verzicht auf ein Minarett nicht schwer. Aber das Misstrauen, das die Stimmberechtigten zutage gebracht haben, hat verschiedene Gemeinschaften dazu gebracht, häufiger Tage der offenen Tür zu veranstalten.

Welche Erwartungen haben Muslime ihrerseits zur Integration in der Schweiz?
Dass man künftig mehr mit ihnen statt nur über sie spricht. Es finden keine offenen Debatten über Fragen wie das Kopftuchverbot oder der Schwimmunterricht statt. Mit mehr Begegnungen im Alltag würden Mehrheit und Minderheit enorm viele Ähnlichkeiten feststellen.

Alle Referate von «Nebeneinander oder Miteinander?» im Pfarreizentrum Heiligkreuz, Kastellweg 7, jeweils um 19.30 Uhr. Heute Dienstagabend mit Samuel-Martin Behloul. Am 15.November spricht Jasmin El Sonbati über das «Forum für einen fortschrittlichen Islam», am 29.November folgt Islamwissenschaftlerin Rifa’at Lenzin vom Interreligiösen Thinktank. (Bernerzeitung.ch/Newsnet)

Erstellt: 12.10.2010, 08:24 Uhr

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4 Kommentare

Andreas R. Schulthess

12.10.2010, 10:29 Uhr
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Schon wieder eine Forderung: WIR sollen mit ihnen reden. Wie wäre es, wenn SIE den Dialog mit uns suchen würden; in der Kommunikation gibt es Hol- und Bring-Schulden, das ist keine Einbahn-Strasse! Bei meinen mehrjährigen Ausland-Aufenthalten, die allerdings schon einige Zeit zurückliegen, habe ich als Gast gelernt, dass ICH den Kontakt suchen muss + nicht umgekehrt. Fordern ist heute die Devise! Antworten


Jonas Däppen

12.10.2010, 12:39 Uhr
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Ich kenne Muslimen aus meinem Freundeskreis, die sind integriert und werden bez. „Hardcore Muslimen“ echt sauer. Warum? Weil (laut eigenen Angaben) solche auf heulerische Art und Weise sich ständig auf den Koran beziehen und diesen zu ihren eigenen Gunsten interpretieren, intolerant und rassistisch sind. Ich glaube, da gibt es nichts weiter zu sagen! Antworten




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