Mehr Beizen als vor dem Rauchverbot

Aktualisiert am 25.02.2010 39 Kommentare

Wegen dem Rauchverbot befürchten Wirte das Ende ihrer Beizen. Eine neue Umfrage weist jedoch ein robustes Wachstum der Gastronomie-Branche aus.

Trotz Rauchverbot: Die Zahl der Beizen wächst in der Schweiz kontinuierlich an.

Trotz Rauchverbot: Die Zahl der Beizen wächst in der Schweiz kontinuierlich an.
Bild: Keystone

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Kein Beizensterben im Ausland

Im Jahr 2003 haben Irland, Norwegen und Malta das Rauchen in Bars, Pubs und Restaurants verboten. Später folgten Italien, Schweden, Schottland, Grossbritannien, Finnland, Belgien und weitere Länder.

In Irland, das eine Vorreiterrolle einnahm, ging der Gastronomie-Umsatz mit der Einführung des Rauchverbots um einige Prozente zurück, erholte sich aber schon im nächsten Jahr wieder vollständig. Dies geht aus Daten der irischen Statistik-Behörde hervor. Die Zahl der Beschäftigten in der Gastronomie sank um 1 Prozent, erhöhte sich aber innerhalb eines Jahres wieder um 3 Prozent.

Eine ähnliche Entwicklung zeigen die Statistiken aus Norwegen. Der Bierabsatz der Brauereien sank nach der Einführung der rauchfreien Gastronomie Mitte 2004 zwar einige Monate lang, stieg aber bald wieder an und hatte sich schon im Jahr darauf vollständig erholt.

Eine längere Datenreihe hat der US-Bundesstaat Kalifornien vorzuweisen, wo das Rauchen in Restaurants 1995 und in Bars 1998 verboten wurde. Der Gesamtumsatz von Betrieben mit Bier- und Weinausschank stieg zwischen 1997 und 2002 von 7,2 auf 9,6 Mrd. US- Dollar. Auch die Anzahl Beschäftigter stieg in dieser Periode markant an.

Aus anderen Ländern, die ein Rauchverbot kennen, liegen noch keine fundierten Erfahrungen vor.

Zu einem Beizensterben hat das angebliche Ausbleiben der Gäste nicht geführt - auch nicht in jenen Kantonen, die seit mehreren Jahren ein Rauchverbot kennen. Im Gegenteil: Seit Jahren gibt es in der Schweiz rund 20'000 Gastronomieunternehmen - Tendenz steigend. Eine Erhebung des Gläubigerverbands Creditreform, die der Nachrichtenagentur SDA vorliegt, weist über die letzten zehn Jahre ein robustes Wachstum der Branche aus.

Ende 2009, als in den meisten Kantonen bereits ein Rauchverbot galt, gab es unter dem Strich über 500 Bars und Beizen mehr im Land als Anfang Jahr. 2008 waren fast 600 Betriebe dazugekommen.

Mehr Beizen als vor dem Verbot

Im Tessin waren 2004 noch mehr Gastgewerbebetriebe geschlossen als neue eröffnet worden. Seit Einführung des Rauchverbots 2007 jedoch gibt es im Südkanton insgesamt 82 Betriebe mehr. In St. Gallen gilt seit Oktober 2007 ein Rauchverbot. Seither wurden 65 Betriebe mehr im Handelsregister neu eingetragen als gelöscht. Dies entspricht etwa dem Durchschnitt der Vorjahre.

Das gleiche Bild bietet sich im Kanton Graubünden, ebenfalls ein Pionier-Kanton in Sachen Rauchverbot: Seit der Einführung im Frühling 2008 gibt es dort insgesamt 59 zusätzliche Bars und Restaurants. Die Zahl der Konkurse blieb sowohl in St. Gallen wie auch in Graubünden im Rahmen der Vorjahre, im Tessin stieg sie leicht an.

Ein Beizensterben zeigt die Statistik dagegen in Kantonen, wo noch kein Rauchverbot gilt oder wo ein solches eben erst eingeführt worden war: Entgegen dem nationalen Trend verschwanden in der Waadt 2009 unter dem Strich 21 Restaurationsbetriebe, in Schaffhausen 11. Im Jahr zuvor hatte es Luzern, Neuenburg und ebenfalls Schaffhausen getroffen, 2007 vor allem Basel-Landschaft und den Aargau.

Klagen ohne Zahlen

In keinem Kanton mit Rauchverbot gab es nach der Einführung weniger Beizen als vorher, in solchen ohne Rauchverbot jedoch schon. Dieser Befund deckt sich nicht mit den Klagen der Wirte über sinkende Umsätze: Gemäss einer Erhebung der Zürcher Cafetiers etwa beträgt der Umsatzrückgang in Kantonen, in denen nicht mehr geraucht werden darf, durchschnittlich 12 bis 15 Prozent.

Der Berner Wirteverband bezifferte im letzten Dezember die Einbussen auf durchschnittlich 7 Prozent. Einige Betriebe machten nach eigenen Angaben nicht einmal mehr halb so viel Umsatz wie vor dem Rauchverbot. In St. Gallen war von «eklatanten Umsatzeinbussen» die Rede, und auch die Tessiner Wirte jammerten, ohne aber Zahlen nennen zu können.

Nicht einstimmen in die Klagen mag Fluregn Fravi, Geschäftsführer von Gastrograubünden. Auch wenn Betriebe ohne Fumoirs einen gewissen Nachteil hätten, verzeichne die Branche in Graubünden insgesamt keinen Umsatzrückgang, sagte er auf Anfrage. Ebenso wenig sei die Lohnsumme der Angestellten gesunken, wie sich bei den Abrechnungen für berufliche Vorsorge und Familienausgleichskasse zeige.

Ungewisse Langzeitwirkung

Konfrontiert mit der Creditreform-Statistik äussert sich der nationale Wirteverband Gastrosuisse kurz angebunden: Die Langzeitwirkung des Rauchverbots auf die Branche könne heute noch nicht beurteilt werden, heisst es in einer schriftlichen Stellungnahme.

Je nach Ausrichtung sei das Gastgewerbe sehr unterschiedlich betroffen. Besonders stark betroffen seien Betriebe mit einem hohen Getränkeumsatz wie Bars und Stammtisch-Lokale.

(mrs/sda)

Erstellt: 25.02.2010, 12:51 Uhr

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39 Kommentare

Hans Luder

25.02.2010, 11:48 Uhr
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Was interessieren uns die Pubs in England? Es geht um Gesundheit und nicht um Wirtschaft! Antworten


Urs Erwin Breuss

25.02.2010, 11:11 Uhr
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Super Statistik vor allem wenn Sie in Zusammenarbeit mit der Creditreform entstanden ist. Super, dass Touristikhochburgen die allgemeine Statistik so schön aussehen lässt. Ganz wichtig: es gibt mehr Unternehmer die mit weniger Umsatz und Gewinn zufrieden sind. Ganz tll finde ich, dass es keine differnzierng der Betriebe mehr gibt. Gatronomie ein Einheitsbrei vom Gesetz und der Lungenliga diktiert. Antworten



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