Lob für die neue Finma-Präsidentin
Von Markus Brotschi und Bruno Schletti. Aktualisiert am 23.12.2010 1 Kommentar
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Die neue Finma-Präsidentin
Die künftige Finma-Präsidentin Anne Héritier Lachat ist in der Westschweizer Öffentlichkeit kein reich beschriebenes Blatt. Aber die Qualitäten der 60-jährigen Genfer Juristin, die Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf bei der Bekanntgabe der Wahl hervorhob, werden in der Rhonestadt bestätigt. Die Professorin für Banken-, Finanz- und Handelsrecht an der Universität Genf und praktizierende Anwältin gilt als «kompetent, mutig und unabhängig».
Héritier arbeitete zwar nie in einer Bank oder Versicherung. Aber dieses Handicap macht die neue Finma-Präsidentin sogar in den Augen des Geschäftsleiters der Vereinigung Schweizer Privatbankiers, Michel Derobert, durch ihre breite juristische Erfahrung wett. Ihr grosses Fachwissen über die Regulierung der Finanzmärkte auf nationaler und internationaler Ebene war im September 2009 ein Grund, weshalb die Uni Genf Héritier als Professorin berief. Widmer-Schlumpf attestierte der neuen Finma-Präsidentin in diesem Bereich ebenfalls eine «grosse Stärke».
Dieses Wissen erwarb sich die Professorin auch in der Praxis. Zwischen zwei Karrierephasen als Richterin arbeitete sie von 1993 bis 1998 als Rechtsberaterin für die frühere Börsenaufsichts- und heutige Übernahmekommission (UEK). Ab 2000 war Héritier Mitglied und später Vizepräsidentin der UEK, bevor sie 2005 in den Verwaltungsrat der Bankenkommission gewählt wurde und dies auch in der Nachfolgeorganisation Finma blieb. Da das mit 320 000 Franken entlöhnte Finma-Präsidium ein Vollamt ist, wird Héritier 2011 ihren Anwaltsjob und die Uni-Lehrtätigkeit aufgeben.
Die Mutter zweier erwachsener Kinder ist Mitglied der SP. Das schreckte den Finanzplatz Genf nicht auf, als die Wirtschaftszeitung «L’Agefi» berichtete, der Finma-Verwaltungsrat habe dem Bundesrat einhellig Héritier zur Wahl als Nachfolgerin von Eugen Haltiner empfohlen. Die pragmatische Juristin hatte ihre Unabhängigkeit von der Parteilinie wiederholt markiert. So stimmte sie im Frühling nicht in den Chor jener ein, die strikte gesetzliche Regeln gegen exzessive Gehälter und Boni im Finanzsektor forderten. Klüger und wirksamer als gesetzliche Obergrenzen sei es, wenn Verwaltungsräte den Managern ethisches Verhalten abforderten und klare Regeln aufstellten, die solches Verhalten belohnen, sagte Héritier damals «Le Temps».
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Es ist kaum jemand zu finden, der die Wahl der Genfer Juristin Anne Héritier Lachat zur neuen Finma-Präsidentin kritisiert. Selbst SVP-Nationalrat Hans Kaufmann, der jemanden aus der Bankenoder Versicherungsbranche vorgezogen hätte, sagt: «Ich werde die Finma-Präsidentin an den Taten messen.»
«Too big to fail»
Persönlichkeiten, die weder mit der Politik noch mit der Finanzwelt verbandelt sind, begrüssen gerade die Unabhängigkeit der Genfer Professorin. Sie sei eine Art «Anti-Haltiner», sagt Peter V. Kunz, Berner Rechtsprofessor. Gerade weil sie aus einem anderen Bereich komme, sei sie nicht so leicht angreifbar wie Eugen Haltiner, der von der UBS an die Finma-Spitze gelangt war.
Für den emeritierten Bankenprofessor Hans Geiger wäre «ein Finma-Präsident mit einem Grossbanken-Rucksack undenkbar». Hauptthema der Finma sei in nächster Zeit die Umsetzung der «Too big to fail»-Beschlüsse. Das könne man nicht einem Grossbanker überlassen.
«Ein vernünftiger Mensch»
Auch für Niklaus Blattner, den ehemaligen Vizepräsidenten der Nationalbank, hat der Fall Haltiner gezeigt, dass bereits «die scheinbare Abhängigkeit störte». «Immer wenn es brenzlig wird, ist eine Grossbank im Spiel.» Deshalb brauche es an der Finma-Spitze jemanden mit einem Sensorium für kritische Situationen. Jemanden, der die Geschäftsleitung der Aufsichtsbehörde gegenüber den Banken oder Versicherungen unterstütze. Aber auch jemanden, der eingreife, wenn die Geschäftsleitung Fehler mache. «Das traue ich dieser Frau zu», sagt Blattner. Héritier Lachat sei eine offene Juristin mit ökonomischem Sachverstand, «ein vernünftiger Mensch, der mir einen robusten Eindruck macht».
Alle drei Professoren relativieren die Bedeutung des Finma-Präsidiums. Kunz zieht den Vergleich zum britischen Königshaus: «Alle reden über die Königin. Wichtig ist aber der Prime Minister.» Bedeutender als der Präsident sei der Direktor der Finma. Dieser führe die Verhandlungen und erlasse die Verfügungen. Die Funktion des Präsidenten habe viele Männer nicht nur wegen des relativ tiefen Salärs nicht interessiert, sondern auch wegen der mässigen Bedeutung. Blattner und Geiger sehen die Hauptfunktion der Präsidentin darin, der Geschäftsleitung den Rücken zu stärken. «Man sollte den Präsidenten nicht besonders gut kennen», sagt Geiger.
Nicht bankennah
Dass die Genferin Sozialdemokratin ist, beurteilt Geiger eher als Vorteil. Damit könne man ihr nicht vorwerfen, sie sei bankennah. Auch bürgerliche Politiker werten die Wahl positiv. FDP-Ständerat Rolf Schweiger anerkennt ihren Sachverstand, wünscht sich als Ergänzung aber jemanden im Verwaltungsrat mit Kontakten zur internationalen Finanzwelt und mit Grossbankpraxis. CVP-Nationalrat Pirmin Bischof sagt: «Ich traue ihr die Aufgabe zu.»
Denise Chervet vom Bankpersonalverband ist erfreut, dass eine Frau von aussen in dieser Männerwelt Platz nimmt. Als Universitätsprofessorin sei sie es gewohnt, zu forschen und zu denken und nicht nur – wie in der Bankenwelt üblich – zu agieren. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 23.12.2010, 08:30 Uhr
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Hoffentlich hat Sie auch so viel Fingerspitzengefühl wie ihr Voränger. Dieser hat die Schweiz vorbildmässig aus der Finanzkrise geführt, gab das OK für den UBS-Kredit, rettete Sie und die Nationalbank machte damit zusätzlich noch einen riesen Gewinn. Eine beispielhafte Win-Win-Situation. Antworten
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