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Liechtenstein, Du machst es besser

Von David Vonplon. Aktualisiert am 02.02.2010 6 Kommentare

Der Rheintaler Zwergstaat hat seine Lehre aus der verheerenden Steueraffäre gezogen. Nach einer ersten Entrüstung erfolgte ein Umdenken und dann auch Taten. Seither ist Liechtenstein sein Image des Schurkenstaates los.

Ein Datendiebstahl kann auch reinigend wirken: Das Fürstentum profiliert sich in Steuerbelangen neuerdings als Vorreiter.

Ein Datendiebstahl kann auch reinigend wirken: Das Fürstentum profiliert sich in Steuerbelangen neuerdings als Vorreiter.
Bild: Reuters

Die Amerikaner sprechen von «9/11», im Ländle spricht man von «2/14». An diesem Tag verhafteten deutsche Steuerfahnder den Chef der Deutschen Post, Klaus Zumwinkel, in seiner Villa. Mit diesem Paukenschlag nahm eine Steueraffäre ihren Anfang, die wie ein Orkan über den Zwergstaat hinwegfegte und die Reputation seines Finanzplatzes enorm in Mitleidenschaft zog.

Steuerhinterziehung kein Zukunftsmodell

Doch zwei Jahre nach der Steueraffäre ist Liechtenstein sein Image als steuerlicher Schurkenstaat los. Das ist eine Folge der konsequenten Vorwärtsstrategie, welche die Rheintaler Zwergmonarchie eingeschlagen hat. Hinter ihr steht die Erkenntnis, dass das Geschäftsmodell «Beihilfe zur Steuerhinterziehung» kein Zukunftsmodell, dagegen internationale Steuerkooperation unerlässlich ist. Statt sich, wie die Schweiz, an Altbewährtes zu klammern und auf Zeit zu spielen, profiliert sich Liechtenstein als Vorreiter.

Auch in Liechtenstein jedoch kam der Sinneswandel nicht über Nacht: Nach Ausbruch der Steueraffäre nahm im Fürstentum kurzzeitig eine Trutzburg-Mentalität überhand. Erbprinz Alois bezichtigte Deutschland der Hehlerei im grossen Stil und zog bereits zugesagte Leihgaben an deutsche Museen zurück. Fürst Hans-Adam zürnte über den «gezielten, sorgfältig vorbereiteten Angriff» und pöbelte gegen Deutschland, indem er es als «viertes Reich» bezeichnete. Der damalige deutsche Finanzminister Peer Steinbrück schoss aus allen Rohren zurück, drohte Liechtenstein mit Daumenschrauben und versprach, das Ländle auszuhungern.

Schlechte Reputation, schlechte Geschäfte

Der Druck von aussen zeigte Wirkung – und gab den Anstoss zu einem bemerkenswerten Sinneswandel. «Der Datendiebstahl hat den absehbaren Trend zur internationalen Steuerkooperation beschleunigt und sichtbar gemacht», erklärte Klaus Tschütscher ein Jahr nach Ausbruch der Steueraffäre. Er ist seit März 2009 Regierungschef von Liechtenstein. Dass das Image einer unkooperativen Steueroase zu negativen Schlagzeilen führe und daher auch die Kunden verunsichere, sei mittlerweile allen klar geworden. «Eine gute Reputation zu haben» sei ein «zentraler Teil der stabilen Rahmenbedingungen, die wir für unseren Finanzplatz benötigen», so Tschütscher.

Dem Umdenken im Kopf folgten Taten: Liechtenstein hob die Unterscheidung zwischen Steuerhinterziehung und Steuerbetrug auf und einigte sich mit Deutschland auf einen Informationsaustausch auf Anfrage, der seit Anfang Jahr gilt. Gleichzeitig arbeitet die Politik darauf hin, dass die vielen reichen Ausländer, die seit Jahren Schwarzgeld in Liechtenstein deponiert haben, zu guten Bedingungen ihre Vermögen im Heimatstaat deklarieren können. Mit Grossbritannien wurde ein Abkommen unterzeichnet, in welchem sich das Fürstentum verpflichtet, ab 2015 kein Schwarzgeld britischer Bürger mehr zu verwalten. Bussfertige Briten, die ihre Gelder deklarieren wollen, können dies zu Vorzugsbedingungen tun.

Schweiz hinkt hinterher

Die Schweiz hat im Gegensatz zum kleinen Nachbarland keine Anstalten gemacht, solche Abkommen auszuhandeln und sich stattdessen auf ganzer Linie einer Verweigerungstaktik verschrieben. Nur wenn der Druck aus dem Ausland keine andere Handlungsoptionen offen liess, machte sie Zugeständnisse. Vielleicht braucht auch die Eidgenossenschaft eine Steueraffäre wie Liechtenstein, um ein fundamentales Umdenken auszulösen. (Bernerzeitung.ch/Newsnet)

Erstellt: 02.02.2010, 16:55 Uhr

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6 Kommentare

Robert Marek

02.02.2010, 17:12 Uhr
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Es ist fraglich, ob es Liechtenstein wirklich besser macht. Dort verfolgt nämlich der Fürst seine eigenen (finanziellen) Interessen und ob diese dann wirklich zum Wohle des Volkes sein werden, muss sich erst noch weisen. Antworten


Andreas Schmid

02.02.2010, 18:25 Uhr
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Selbst der einfältigste, profitgierigste Banker müsste heute einsehen, dass dieses dubiose Business sich definitiv und total dem Ende nähert, denn die Nachbarsländer und die USA haben es satt, sich von derartigen Machenschaften die Butter vom Brot nehmen zu lassen! Also, endlich realistisch denken und aufhören mit Unrechtserlös die Profite zu optimieren, auch wenn's dem Finanzplatz Schweiz weh tut Antworten




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