Libyen-Affäre: Der Rückflug der Geiseln war am Montag gebucht
Von Richard Diethelm. Aktualisiert am 03.09.2009 38 Kommentare
Artikel zum Thema
Die Schweizer Behörden hatten offenbar alles vorgekehrt, damit die zwei Schweizer Geiseln am letzten Montag mit einer Begleitperson aus Libyen hätten ausfliegen können. Laut einer zuverlässigen diplomatischen Quelle in der libyschen Hauptstadt hatten sie morgens um 10 Uhr bei Austrian Airlines drei Tickets für den Linienflug OS 892 Tripolis-Wien und einen Anschlussflug nach Zürich am selben Tag gebucht. Doch die AUA-Maschine startete kurz nach 15 Uhr ohne die drei Passagiere. Die Buchung war zwei Stunden vor Abflug sistiert worden.
Das Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) wollte dies gestern weder bestätigen noch dementieren. Inoffizielle Quellen in Libyen und in der Schweiz streuen hingegen seit Montag Informationen, wonach eine von libyscher Seite geforderte Kaution oder eine Busse wegen Verstosses gegen Visavorschriften das (letzte) Hindernis darstellen. Eine entsprechende «offizielle libysche Forderung» liege allerdings nicht vor, hiess es gestern in Bern.
Sehr komplizierte Visavorschriften
Kenner des komplexen Verhältnisses zwischen der libyschen Regierung und Revolutionsführer Moammar al-Qadhafi halten die Kaution- und die Bussen-These für möglich. Qadhafis Tochter Aïcha hatte nach der vorübergehenden Verhaftung ihres Bruders Hannibal in Genf Rache geschworen: «Auge um Auge, Zahn um Zahn». In dieser Logik läge es, die beiden Schweizer erst nach Entrichtung einer Kaution ausreisen zu lassen. Denn Hannibal und Aline Qadhafi fühlten sich im Juli 2008 zusätzlich gedemütigt, dass sie erst nach Bezahlung einer Kaution von einer halben Million Franken aus der Genfer Untersuchungshaft freikamen und die Schweiz verlassen durften.
Genf erstattete dem Ehepaar die Kaution allerdings zurück, nachdem Staatsanwalt Daniel Zappeli im September das Strafverfahren wegen Misshandlung von zwei Hausangestellten eingestellt hatte.
Komplizierte Visa-Vorschriften
Für die These einer Busse, um das Visa-Strafverfahren gegen die zwei Schweizer abzuschliessen, spricht die von Geschäftsleuten aus dem Westen gefürchtete Visa-Praxis von Regierungsstellen und Justiz. Die Visa-Vorschriften Libyens seien so kompliziert, dass «die Behörden leicht einen Verstoss gegen irgendeine Vorschrift finden, wenn sie wollen», sagt ein westlicher Diplomat in Tripolis. Diese Verfahren seien unberechenbar. Sie laufen nicht immer so glimpflich ab wie in Fällen, wo Ausländer etwa wegen eines abgelaufenen Visums 100 Dinar (umgerechnet 88 Franken) Busse bezahlen, bevor sie ausreisen dürfen. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 03.09.2009, 06:13 Uhr
Kommentar schreiben
38 Kommentare
Schweiz
- 18:44Nach dem Kampfjet erhitzen die Militärvelos die Gemüter
- 15:25Hacker dringen in EDA-Computernetzwerk ein
- 12:32Kriminaltouristen rücken mit schwerem Geschütz vor
- 10:49So will Levrat ein Nein zu den Steuerabkommen erzwingen
- 08:32FDP-Präsident Müller will Gripen abschiessen
- 23:34Roger de Weck in der Kritik
Live @ Sunset
11. bis 22. Juli - Zürich Dolder u.a. mit B.B. King, Elton John und Alanis Morissette!
Online-Wettbewerb
Jetzt mitmachen!: Gewinnen Sie einen Abend als Statist bei den Tellspielen Interlaken!





