Libyen will Lösegeld für die Schweizer Geiseln
Aktualisiert am 01.09.2009 146 Kommentare
Ist guter Laune: Qadhafi bei seiner 40-Jahre-Feier in Tripolis.
Artikel zum Thema
Dies hätten «dem Dossier nahe Quellen auf Schweizer Seite» bekannt gegeben, sagt Radio RSR. Gefordert würden pro Kopf 500'000 Dinars, das sind umgerechnet rund 430'000 Franken. Macht insgesamt 860'000 Franken. Wenn die Überweisung erfolgt sei, müsse der Staatsanwalt nur noch unterschreiben, damit die beiden ausreisen könnten.
Laut dem Sprecher des Finanzdepartements, Roland Meier, handelt es sich bei der Information um ein Gerücht, das vom EFD nicht kommentiert werde. Keinen Kommentar gab es auch zu den Angaben des libyschen Vize-Aussenministers Khaled Kaim vom Vortag, wonach die beiden Schweizer eine Busse in ungenannter Höhe bezahlen müssen, bevor sie das Land verlassen können.
Ansonsten kommt Bundespräsident Hans-Rudolf Merz in der Schweiz zunehmend unter Druck, weil Libyen im Falle der beiden festgehaltenen Schweizer die Zusagen nicht eingehalten hat. Das Finanzdepartement EFD teilte mit: «Wir stellen fest, dass die beiden Schweizer Libyen bis am Montag um Mitternacht nicht verlassen konnten, trotz einer entsprechenden schriftlichen Zusicherung des libyschen Premierministers an Bundespräsident Merz.» Das Departement von Bundespräsident Merz stelle auch fest, dass Libyen innerhalb der gesetzten Fristen keinen Vertreter für das internationale Schiedsgericht benannt habe.
Morgen im Bundesrat
Das Warten auf eine Rückkehr der beiden seit mehr als 400 Tagen in Libyen festgehaltenen Schweizer ging am Dienstag vorerst weiter. Das EFD und das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) arbeiteten weiterhin mit Hochdruck daran, dass die zwei Schweizer Libyen so rasch wie möglich verlassen können. Der Fall Libyen wird auch an der Bundesratssitzung vom morgigen Mittwoch beraten. Merz werde in Zusammenarbeit mit dem EDA dem Bundesrat einen Antrag zum weiteren Vorgehen stellen, sagte Meier, ohne näher darauf einzugehen.
Innenpolitisch steigt der Druck auf Bundespräsident Merz, hatte er doch am vergangenen 21. August - einen Tag nach seinem überraschenden Libyen-Besuch - erklärt, dass er die volle Verantwortung übernehme, falls die beiden Schweizer nicht freikämen. Denn dann würde er sein Gesicht verlieren. So forderten die Jungsozialisten (JUSO) am Dienstag den Rücktritt des Bundespräsidenten. Was sich Merz in den letzten Wochen und Monaten geleistet habe, sei für einen Bundespräsidenten nicht haltbar, so die JUSO. Sollten die beiden Festgehaltenen bis am Dienstag um 24.00 Uhr nicht in der Schweiz zurücksein, rechnet auch der Zürcher SVP-Nationalrat Christoph Mörgeli mit einem Rücktritt von Merz, wie er im «Rendezvous» von Schweizer Radio DRS sagte. Merz werde in diesem Fall die Konsequenz ziehen und als Bundespräsident zurücktreten, denn die Schweiz könne sich keinen Bundespräsidenten ohne Gesicht leisten.
Schlechter Zeitpunkt
Die Zürcher CVP-Nationalrätin Kathy Ricklin sprach von einem Debakel, weil Versprechen gegeben, aber nicht eingehalten worden seien. Dies sei eine sehr schlechten Ausgangslage für Merz. Sie sprach sich aber dafür aus, dass er sein Bundespräsidialjahr noch zu Ende führen soll. FDP-Fraktionspräsidentin Gabi Huber rief im Beitrag von Radio DRS dazu auf, vorerst ruhig Blut zu bewahren. Aufgeregte Reaktionen seien derzeit unpassend. Auch für den grünen Nationalrat Geri Müller, dem Präsidenten der aussenpolitischen Kommission des Nationalrats, kommen Rücktrittsforderungen an Merz zu einem schlechten Zeitpunkt, wie er der «Tagesschau» von Schweizer Fernsehen sagte.
Für Merz kommt ein Rücktritt nicht in Frage. «Ein Rücktritt ist kein Thema für Bundespräsident Merz», sagte EFD-Sprecher Meier gegenüber Bernerzeitung.ch/Newsnet. Bundesrat Couchepin stärkte Merz in der Libyen-Affäre bei seinem traditionellen Medientreffen den Rücken. Er werde Merz in der Bundesratssitzung sagen, dass er «ein guter Leader» sei und er seine Arbeit weiterführen solle, sagte Couchepin. Er hoffe, dass die beiden Schweizer in den nächsten Tagen zurückkehrten. (sam/ap/sda)
Erstellt: 01.09.2009, 16:50 Uhr
Kommentar schreiben
146 Kommentare
Ich denke schon, dass die beiden Geiseln 860'000 Franken wert sind, aber bitte erst wenn sie in der Schweiz sind. Nach dem Abbruch der diplomatischen Beziehungen kann die Tamoil verscherbelt werden, das bringt locker 860'000 Franken. Dies wäre dann ungefähr die Sprache die der Wüstensohn Gadaffii vielicht verstehen täte. Antworten
Schweiz
- 18:44Nach dem Kampfjet erhitzen die Militärvelos die Gemüter
- 15:25Hacker dringen in EDA-Computernetzwerk ein
- 12:32Kriminaltouristen rücken mit schwerem Geschütz vor
- 10:49So will Levrat ein Nein zu den Steuerabkommen erzwingen
- 08:32FDP-Präsident Müller will Gripen abschiessen
- 23:34Roger de Weck in der Kritik
Live @ Sunset
11. bis 22. Juli - Zürich Dolder u.a. mit B.B. King, Elton John und Alanis Morissette!
Online-Wettbewerb
Jetzt mitmachen!: Gewinnen Sie einen Abend als Statist bei den Tellspielen Interlaken!





