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Liberalisierung der Post: «Private Briefe würden teurer»

Von Mischa Aebi. Aktualisiert am 12.05.2010 20 Kommentare

Es ging sehr schnell: In fünf Monaten haben Gewerkschaften und SP 130'000 Unterschriften für die Post-Initiative gesammelt. SP-Präsident Christian Levrat verteidigt im Interview das Briefmonopol und die Poststellen.

Poststelle in der Landi Oberbalm: Das wäre gemäss Initiative nicht mehr möglich. Poststellen müssten von Postpersonal betrieben werden.

Poststelle in der Landi Oberbalm: Das wäre gemäss Initiative nicht mehr möglich. Poststellen müssten von Postpersonal betrieben werden.
Bild: Gaetan Bally

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Herr Levrat, wann waren Sie zum letzten Mal an einem Postschalter?
Christian Levrat: Heute Morgen.

Warum gingen Sie dort hin?
Ich holte meine Post vom Postfach und musste etwas mit der Postangestellten besprechen.

Wie oft gehen Sie zur Post?
Ein paar Mal pro Woche.

Abgesehen von eingeschriebenen Briefen könnten Briefe heute durchwegs durch Mails ersetzt werden. Warum braucht es in zehn Jahren noch eine Briefpost?
Natürlich gibt es diese Entwicklung hin zu elektronischer Post. Sie ist aber viel weniger markant, als Sie es suggerieren. Seit dem Jahr 2000 reduzierte sich das Briefvolumen jährlich um nur rund 1,5 Prozent im Schnitt.

Aber der Abwärtstrend verstärkt sich. Letztes Jahr wurden bereits 4,9 Prozent weniger Briefe verschickt als im Jahr zuvor.
Dieser überdurchschnittliche Rückgang im letzten Jahr war krisenbedingt. Das hat man auch in anderen Jahren beobachtet. Der Rückgang der Briefpost wird auch in Zukunft nur sehr langsam voranschreiten. Trotzdem hat diese Entwicklung etwas Tückisches.

Das wäre?
Sie stellt die Finanzierungsmechanismen der Grundversorgung der Post infrage. Genau hier greift aber unsere Post-Initiative ein.

Erklären Sie das kurz.
Die Initiative gibt eine Antwort auf die Frage, wie die Grundversorgung der Post auch in Zukunft finanziert werden kann, trotz abnehmendem Briefvolumen. Die Finanzierung soll durch zwei Faktoren gesichert werden: Erstens durch den Erhalt des Monopols für Briefe, die leichter sind als 50 Gramm. Zweitens soll gemäss der Initiative die Grundversorgung durch die Gewinne einer neu zu schaffenden Postbank gewährleistet werden.

Und warum sollen nicht private Postunternehmen die Briefpost übernehmen?
Das könnten sie sicher...

und möglicherweise sogar günstiger, oder?
Eben nicht. Die Liberalisierung der Post hätte zwei Auswirkungen: Erstens würden private Postunternehmen den Grosskunden massive Rabatte gewähren. Das wären vor allem Rabatte für Banken und Versicherungen. Zweitens würden die Tarife für Einzelkunden steigen.

Diese Prognose müssen Sie als Vertreter des Briefmonopols natürlich so stellen.
Nein, Zahlen aus anderen Ländern sprechen eine deutliche Sprache. In Schweden stiegen die Briefporti für Privatkunden nach der Liberalisierung um sagenhafte 75 Prozent. Heute wagen nicht einmal mehr die Vertreter der Liberalisierung zu behaupten, dass die Briefpost bei einer vollständigen Marktöffnung günstiger würde.

Die Briefpost möchten Sie mit Gewinnen einer neu zu schaffenden Postbank quer subventionieren. Was, wenn die Gewinne einmal ausfallen?
Dann haben wir eine Unterfinanzierung. Dennoch ist die Finanzierung immer noch kleiner mit Postbank als ohne Postbank. Bei einer Liberalisierung der Post hätten wir dieses Problem übrigens sogar noch stärker.

Glauben Sie überhaupt, dass der Staat eine Bank gewinnbringend führen kann?
Sie müssen nicht so tun, als sei eine staatliche Bank etwas so Aussergewöhnliches. Fast alle Kantonalbanken werden heute mehr oder weniger staatlich geführt. Und mit der UBS und der Crédit Suisse haben wir zwei Banken, die weltweit tätig sind und eine faktische Staatsgarantie geniessen. (Berner Zeitung)

Erstellt: 12.05.2010, 10:09 Uhr

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20 Kommentare

Mike Müller

12.05.2010, 11:05 Uhr
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...und noch etwas zum Service Public: Bei der Post wird immer so ein Theater gemacht, wenn aber am HB ein WC Besuch 2 CHF kostet, dann stört das irgendwie keinen in der Politik. Lieber Poststellen in der hintersten Talschaft finanzieren als an den Hauptbahnhöfen gratis Toiletten ermöglichen - eine Frechheit wenn man bedenkt, was die SBB an Mieten in ihren RailCity Einkaufszentren einnehmen. Antworten


Uwe Borck

12.05.2010, 11:09 Uhr
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Vor einigen Wochen sass ich am Dorfplatz und liess die Zeit genügsam verstreichen. Ein schöner Frühlingstag. Da kam ein Packetwagen von der CH Post, 15 min. später kam ein Packetwagen von der DHL, wieder einige Minuten später kam ein Packetwagen von der UPS... Soviel zur allgemeinen Liberalisierungshysterie. Die Kosten für die Umwelt sind gross, die Lohnkosten für die MA sinken. Erstrebenswert? Antworten




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