Lehrerverband fordert weniger Lektionen
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«Man ist nudelfertig, wenn man an einem Tag sechs Stunden unterrichtet hat», weiss Anton Strittmatter, Leiter der pädagogischen Arbeitsstelle beim Verband Lehrerinnen und Lehrer Schweiz (LCH), aus der Praxis. Die Demotivation nehme weiter zu, wenn nicht Gegensteuer gegeben werde. LCH-Zentralpräsident Beat W.Zemp fordert jetzt eine Reduktion der Arbeitszeit für die Lehrkräfte.
Tatsächlich hat die LCH-Arbeitszeiterhebung 2009, die gestern präsentiert wurde, ergeben, dass Schweizer Lehrerinnen und Lehrer bezüglich Arbeitszeit Europameister sind. Die mittlere Jahresarbeitszeit beträgt 2072 Stunden; das sind 122 Stunden mehr als die Jahresarbeitszeit in öffentlichen Diensten. Auf der Unter- und Mittelstufe arbeiten Schweizer Lehrkräfte 175 Stunden mehr als noch vor zehn Jahren. Übrigens: In Deutschland müssen die Lehrkräfte jährlich über 200 Stunden weniger arbeiten als in der Schweiz, in Schottland sogar 600 Stunden weniger.
«Die Qualität leidet»
Die Befragung von über 5000 Lehrpersonen hat jetzt gezeigt, dass diese pro Jahr mehr als 3 Wochen unbezahlte Arbeit leisten. Zemp befürchtet, dass die Unterrichtsqualität leidet, wenn die Zahl der Wochenlektionen nicht gesenkt werde. In der Schweiz beträgt die Pflichtlektionenzahl 28 bis 33, in den europäischen Ländern sind es gerade mal 20 bis 24. In Finnland, das bei der Bildungsstudie Pisa stets die Spitzenposition eingenommen hat, sind es gemäss Strittmatter sogar nur 16 bis 20 Wochenlektionen.
Ergeben hat die Arbeitszeiterhebung, dass jede Lehrkraft pro Unterrichtswoche 49 bis 50 Stunden arbeitet. Effektiv arbeitsfrei – also Ferien im eigentlichen Sinn – sind durchschnittlich 5,4 Wochen. Dass der Anteil an Teilzeitlehrpersonen seit 1999 um 11 Prozent gestiegen ist und nun 62 Prozent beträgt, führt Beat W.Zemp nicht allein auf den stark gestiegenen Anteil Frauen zurück, die wegen familiärer Pflichten das Pensum reduzierten. Sondern: «Viele Lehrpersonen arbeiten weniger, weil sie Gesundheit und Freizeit höher gewichten als den Lohn.»
Es fehlt das Geld
Der bernische Bildungsdirektor Bernhard Pulver (Grüne) versteht zwar die Forderung nach Entlastung, er betont aber: «Wenn alle Lehrpersonen im Kanton Bern um eine Pflichtlektion entlastet würden, hätte dies jährliche Mehrkosten von 40 Millionen Franken zur Folge.» Dieses Geld könne der Kanton nicht aufbringen. Zudem habe der Grosse Rat eben beschlossen, so Pulver, dass die Zahl der Lektionen nicht gesenkt werde. (ue/BZ)
Erstellt: 09.12.2009, 07:59 Uhr
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