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Lehrerpräsident: «Es ist Zeit für eine Korrektur»

Von Urs Egli. Aktualisiert am 09.12.2009

Die Reduktion der Überstunden würde den Lehrberuf attraktiver machen, sagt Lehrerpräsident Beat W.Zemp.

Beat W. Zemp

Beat W. Zemp (Bild: Keystone)

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5323 bis 12 257 Franken

Ein Blick in die Gehaltstabelle der bernischen Lehrkräfte (Stand 1.Januar 2009) zeigt erkleckliche Unterschiede. Das Monatsgehalt basiert auf einem Grundgehalt von 100 Prozent (ein Vorstufenabzug ist bei Berufseinsteigern oder bei ungenügender Qualifikation möglich).

Kindergarten – Minimalgehalt: 5323Franken/Maximalgehalt: 8397 Franken.

Primarschule: 5568 Frankenbis 8783 Franken.

SekundarstufeI: 6546 Franken bis 10327 Franken.

Berufsschule (Grundbildung): 280 Frankenbis 11485 Franken.

Berufsschule (Wirtschaft, Recht, Sprachen, Naturwissenschaften in kaufmännischen Berufsschulen und Handelsmittelschulen) sowie Berufsmatur und Gymnasien: 7770 Franken bis 12257 Franken.

Schweizer Lehrerinnen und Lehrer leisten jährlich 3 Wochen unbezahlte Arbeit. Unter dem Strich haben sie dann allerdings immer noch etwa 9 Wochen Ferien.
Beat W.Zemp: Die wissenschaftliche Erhebung kommt zu einem anderen Resultat: Lehrpersonen haben im Durchschnitt 5,4 Wochen Ferien und nicht 9 Wochen. Die restlichen unterrichtsfreien Wochen nutzen sie teilweise für die anderen beruflichen Tätigkeitsbereiche. Trotzdem bleibt ein nicht kompensierbarer Überstundenanteil von 3 Wochen am Ende des Schuljahrs. Die Lehrkräfte leisten diese 122 Stunden also zusätzlich zum Referenzwert von 1950 Stunden pro Jahr. Wenn man diese Überstunden für alle Lehrerinnen und Lehrer in der Schweiz in einen Geldbetrag umrechnet, ergibt dies jährlich 900 Millionen Franken.

Die Schweizer Lehrkräfte sind bezüglich Überstunden keine besondere Kaste. Viele Arbeitnehmende in der Privatwirtschaft leisten unentgeltlich Überstunden.
Das ist tatsächlich so. Bei den Lehrpersonen wirkt sich die zusätzliche Belastung jedoch unmittelbar negativ auf die Qualität der Schule aus. Im Bereich Unterricht haben wir heute gesamteuropäisch eine Spitzenbelastung. Auf Volksschulstufe unterrichten zum Beispiel finnische Lehrpersonen 20 bis 24 Stunden pro Woche, in der Schweiz sind es 28 bis 33. Das ist doch ein enormer Unterschied. Auch Schweizer Lehrpersonen brauchen wieder genügend Zeit für Vor- und Nachbereitung des Unterrichts, für Weiterbildung und um Schulentwicklungsprojekte umzusetzen. Wenn diese Zeit nicht vorhanden ist, geht dies direkt zu Lasten der Unterrichtsqualität, und es steht weniger Zeit für die Schülerinnen und Schüler zur Verfügung.

Was fordern Sie konkret?
Wir fordern mittelfristig eine Senkung auf das mitteleuropäische Niveau, das heisst auf maximal 24 Wochenlektionen; heute sind es durchschnittlich 28 Lektionen auf der Volksschulstufe. Dieses Ziel lässt sich nicht in einem Schritt erreichen. Übrigens: Schon vor mehr als 200 Jahren, im ersten Schulgesetz der Schweiz im Kanton Zürich, waren 28 Wochenlektionen verankert. Nach 200 Jahren ist es nun endlich Zeit für eine Korrektur.

Würde die Zahl der Wochenlektionen reduziert, bedürfte dies vieler zusätzlicher Lehrkräfte.Nur, diese sind doch gar nicht verfügbar.
Wenn es uns gelingt, den Lehrberuf attraktiver zu machen, werden wieder vermehrt Studierende den Weg an die Pädagogischen Hochschulen einschlagen. Die Reduktion der Überstunden ist ein wichtiger Schritt dazu. Zudem würden dann auch vermehrt Teilzeitlehrpersonen wieder ein volles Pensum übernehmen, was den Mangel an Lehrpersonen reduziert. Heute liegt der Anteil von Teilzeitlehrpersonen bei 62 Prozent.

Im Kanton Bern ist die Bildungsdirektion schon heute die teuerste aller sieben Direktionen. Mehr Lehrkräfte heisst auch mehr Kosten. Haben solche Mehrkosten politisch überhaupt eine Chance?
Im Kanton Bern wird die Senkung der Pflichtstundenzahl sicher zu Mehrkosten führen, ausser man würde das Unterrichtsangebot für die Schüler kürzen. Dies hätte aber negative Folgen auf die Leistungen der Schüler, und das kann nicht im Interesse der Berner Politik sein. (Berner Zeitung)

Erstellt: 09.12.2009, 08:03 Uhr

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