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Küssverbot für 13'000 Armeeangehörige

Von Ruedi Studer. Aktualisiert am 19.05.2009

Die Schweinegrippe versetzt auch die Armee in Alarmbereitschaft: Sicherheitshalber hat sie «organisatorische und hygienische Massnahmen zur Prävention einer Grippepandemie AH1N1» befohlen.

Zurückhaltung ist geboten: Militärdienstleistende haben auf jeglichen Körperkontakt zu verzichten.

Zurückhaltung ist geboten: Militärdienstleistende haben auf jeglichen Körperkontakt zu verzichten.
Bild: Keystone

Ein 30-jähriger Armeeangehöriger staunte nicht schlecht, als er vergangene Woche für einen Wiederholungskurs in die Kaserne in Bern einrückte. Denn zur Befehlsausgabe gehörten auch Anordnungen in Bezug auf die Schweinegrippe: «Für die Armeeangehörigen, welche in den Ausgang oder in Urlaub gehen, wurde ein ‹Küssverbot› herausgegeben», erzählt er.

Wer also beispielsweise übers Wochenende zu seiner Liebsten nach Hause reist, sollte auf jeglichen Körperkontakt verzichten und Distanz zu seinen Mitmenschen halten. Dass auch aufs Küssen verzichtet werden solle, sei explizit erwähnt worden, erinnert sich der junge Militär.

Seit Ende April

Tatsächlich hat die Armee einen Schweinegrippe-Befehl herausgegeben, wie Armeesprecher Christian Burri gegenüber der BaZ bestätigt. Bereits Ende April haben der Chef Führungsstab der Armee, Peter Stutz, und Oberfeldarzt Andreas Stettbacher den Befehl erlassen. Ziel und Zweck: «Organisatorische und hygienische Massnahmen zur Prävention einer Grippepandemie AH1N1.»

Den genauen Wortlaut gibt Burri nicht weiter, denn der Befehl ist «klassifiziert» – sprich: Nur für den internen Gebrauch bestimmt. Inhaltlich handle es sich aber um ein Substitut aus den Empfehlungen des Bundesamts für Gesundheit (BAG): «Die Armeeangehörigen werden für die persönlichen Hygienemassnahmen sensibilisiert – dies beinhaltet unter anderem das Einhalten von Distanz zu Menschen», erläutert Burri. Und weiter: «Der Befehl gilt für den Militärdienst sowie den Urlaub.»

«Ein Witz»

Zur Schweinegrippe-Prävention gehört auch, dass die Armeeangehörigen beim Einrücken befragt werden, ob sie in den letzten Tagen aus Mexiko zurückkehrt sind oder Kontakt zu Rückkehrern hatten. Dieses Prozedere absolvierte auch der BaZ-Informant. Einer seiner Kollegen hatte tatsächlich Kontakt mit einem Mexikoreisenden – und musste sich daraufhin beim Truppenarzt melden.

Was ihn erstaunt hat: Der Betroffene habe in einem Wartezimmer mit mehreren Personen gesessen. Beim Arzt seien ihm einzig zwei Fragen gestellt worden: Ob er sich selbst gesund fühle und ob sich der Mexikoreisende gesund fühle. Nachdem sein Kollege beide Fragen mit «Ja» beantwortet hatte, sei er ohne weitere Abklärungen vom Arzt entlassen worden. «Prävention ist ja in Ordnung, aber so war es doch ein Witz, da fehlt die Konsequenz», sagt der Militär.

Zum konkreten Fall will sich Burri nicht äussern, da ihm die genauen Umstände nicht bekannt sind. Grundsätzlich hält er aber fest: «Das Einrücken in den Militärdienst wird vom militärärztlichen Fachpersonal begleitet. Dabei befolgt die Armee die durch das BAG erlassenen Vorgaben bezüglich Verdachts- und Meldekriterien für Influenza AH1N1.»

BAG weiss nichts. Mit dem BAG allerdings war die Befehlsausgabe nicht direkt abgesprochen. Von speziellen Massnahmen bei der Armee wisse er nichts, sagt BAG-Sprecher Jean-Louis Zürcher zur BaZ. Das BAG habe bisher nur generelle Empfehlungen für die Bevölkerung abgegeben, dies für den Fall, dass jemand Kontakt mit einem Verdachtsfall hatte, oder für den Fall einer Epidemie in der Schweiz. Doch eine solche gibt es hierzulande derzeit nicht. Weitergehende Massnahmen seien im Moment nicht nötig, meint Zürcher. Den Arzt kontaktieren solle man erst, wenn man unter Grippesymptomen leide: «Ansonsten müssten ja täglich Hunderte zum Arzt.»

Die Armee geht mit ihren Massnahmen also einen Schritt weiter als vom BAG vorgesehen. Während Letzteres seine Empfehlungen insbesondere an «Personen richtet, die mit einem Verdachtsfall Kontakt hatten», wendet sich die Armee an sämtliche Armeeangehörigen, die derzeit Dienst tun – insgesamt betrifft dies laut Burri aktuell rund 13'000 Personen in Rekrutenschulen, Wiederholungskursen und anderen Militäreinsätzen.

Risiko Minimieren

Also eine unnötig Panikmache seitens der Armee? Diesbezüglich zeigt sich Zürcher vorsichtig. «Ich will dazu keine Stellung nehmen, das ist Sache der Armee», winkt er ab. Er meint aber: «Die Armee macht, was sie für nötig hält.»

Und was sagt die Armee dazu? «In der Armee kommen viele Leute auf engem Raum zusammen, da ist das Risko viel grösser», sagt Burri. «Wir unternehmen deshalb alles, um jegliches Risiko zu minimieren.» Sollte jemand beim Küssen erwischt werden, gebe es keine Sanktionen, versichert Burri. «Es geht uns um die Sensibilisierung.»

Für die Vorsichtsmassnahmen hat der BaZ-Informant denn auch durchaus Verständnis. Doch so richtig ernst genommen habe die Befehlsausgabe kaum jemand, sagt er. Da er nur einen verkürzten WK absolviert hat, musste er selber den Ernstfall gar nicht proben. «Ans ‹Küssverbot› hätte ich mich aber sicher nicht gehalten», sagt er schmunzelnd – und schiebt nach: «Schliesslich bin ich frisch verliebt.» (Basler Zeitung)

Erstellt: 19.05.2009, 09:49 Uhr


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Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.