Kommentar: Das Prinzip Hoffnung
Von Adrian Zurbriggen. Aktualisiert am 26.05.2011 5 Kommentare
Nachrichtenchef Adrian Zurbriggen zum Atomausstiegsentscheid des Bundesrats.
Stichworte
Korrektur-Hinweis
Melden Sie uns sachliche oder formale Fehler.
Die Atomkatastrophe in Japan hat Gewissheiten pulverisiert. Wir wissen nun, dass auch in reichen Ländern AKW nicht vor einem GAU gefeit sind, wenn alles schiefläuft. Die Garantie, dass in der Schweiz niemals alles schiefgeht, kann und will niemand geben – auch der Bundesrat nicht. Richtig darum, wenn er nun den Atomausstieg anpeilt. Das dürfte einem breiten gesellschaftlichen Konsens entsprechen.
Trotz dieses klaren Statements des Bundesrats bleiben viele Fragen offen. Sie betreffen Entwicklungen, über die wir erst in zwanzig, dreissig Jahren zuverlässig Bescheid wissen. Die Geothermie zum Beispiel, ein Hoffnungsträger unter den neuen erneuerbaren Energien, steckt in unseren Breitengraden noch in den Kinderschuhen. Ob sie hierzulande je funktionieren wird, weiss niemand.
Noch unberechenbarer wird die Zukunft, wenn es um politische oder gesellschaftliche Fragen geht. Der Ausbau der Wasserkraft in den Alpen und der Ausbau des Stromnetzes sind für den Atomausstieg unabdingbar. Doch beides ist mit enormen Widerständen verbunden. Der Ausbau der Netze dürfte gar die Achillesferse des Atomausstiegs sein. Denn dieser bringt einen Paradigmenwechsel mit sich: Strom in grossen und vor allem günstigen Mengen wird künftig an der Nordsee aus Windkraft und am Mittelmeer aus Sonnenenergie produziert werden, unsere Berge dienen dafür dank Pumpspeicherwerken als Energiespeicher für Europa. Damit dieses System funktioniert, braucht es Stromautobahnen. Doch wer lebt schon gerne in der Nähe von gigantischen Höchstspannungsleitungen? Zähe Opposition ist sicher. Wie damit umzugehen ist, darauf hat der Bundesrat keine Antwort gegeben.
Man könnte auch böse sagen: Der Atomausstieg des Bundesrats basiert auf dem Prinzip Hoffnung. Ob die Schweiz in dreissig Jahren tatsächlich ohne AKW dasteht, wissen wir seit gestern nicht viel sicherer. In Schweden wurde bereits 1980 der Atomausstieg auf das Jahr 2000 beschlossen – bis heute sind zehn Reaktoren am Netz, 2010 wurde der Ausstieg beerdigt.
Ob bei uns der Atomausstieg gelingt, hängt von jedem Einzelnen ab: Er geht nämlich kräftig ans Portemonnaie. Nicht alleine die Strompreise werden steigen, hinzu kommen etwa Lenkungsabgaben, die uns zum Stromsparen bringen sollen. Hier wird sicher die Gelegenheit kommen, dem Lippenbekenntnis zum Atomausstieg an der Urne Taten folgen zu lassen. Die Hauptprobe dazu hat die Berner Bevölkerung mit ihrem Nein zum Energiegesetz und einer bescheidenen Förderabgabe allerdings jüngst schon mal vermasselt.
adrian.zurbriggen@bernerzeitung.ch (Berner Zeitung)
Erstellt: 26.05.2011, 07:29 Uhr
Kommentar schreiben
Verbleibende Anzahl Zeichen:
5 Kommentare
Schwacher letzer Satz Herr Zurbriggen in einem an sich guten Kommentar. Das Energiegesetz ist am obligatorischen GEAK gescheitert und nicht an der Förderabgabe. WAs nützt mir ein Papier für 2000.- das mir sagt was ich auch ohne weiss, dass ich die Fenster ersetzen sollte an meinem Haus. Mit diesen 2000.- könnte ich bereits zwei Fenster ersetzen - was ist jetzt sinnvoller? Antworten
Was heisst da vermasselt? Wenn's um derart starke Kostenanstiege geht, das ist halt bei Herr und Frau Schweizer oft fertig lustig. Die Konsequenzen eines Ausstiegs aus der Kernenergie werden nur brösmeliweise an den Tag treten: Kosten, Landschafts- und Städteverschandelung, Prozesse und Einsprachen, ev. Stromknappheit, Erpressungen aus der EU (Stromimport), Anstieg von CO2 usw. usf. Antworten
Schweiz
- 18:44Nach dem Kampfjet erhitzen die Militärvelos die Gemüter
- 15:25Hacker dringen in EDA-Computernetzwerk ein
- 12:32Kriminaltouristen rücken mit schwerem Geschütz vor
- 10:49So will Levrat ein Nein zu den Steuerabkommen erzwingen
- 08:32FDP-Präsident Müller will Gripen abschiessen
- 23:34Roger de Weck in der Kritik
Online-Wettbewerb
Jetzt mitmachen!: Gewinnen Sie einen Abend als Statist bei den Tellspielen Interlaken!
Live @ Sunset
11. bis 22. Juli - Zürich Dolder u.a. mit B.B. King, Elton John und Alanis Morissette!
Familie, Beruf und Studium
Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.


Bitte warten




