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Kommentar: Blocher hat sein politisches Kapital verspielt

Von Michael Hug. Aktualisiert am 14.12.2011 13 Kommentare

Die SVP musste 2011 einige Niederlagen einstecken. Ausgerechnet der Aufbauer der Partei, Christoph Blocher, verliert vor den Bundesratswahlen auch noch seine Glaubwürdigkeit.

BZ-Chefredaktor Michael Hug zum Debakel bei der SVP (Bild: zvg)

Das war von den SVP-Chefs anders vorgesehen: Im Oktober wollten sie einen Wahlsieg einfahren, heute hätte der Triumphzug mit der Eroberung des zweiten Bundesratssitzes stattfinden sollen. Stattdessen präsentiert sich die grösste Schweizer Partei am Tag der entscheidenden Weichenstellung für den Bundesrat in einem desolaten Zustand. Aus dem Wahlsieg wurde nichts. Der unter Applaus von allen Seiten nominierte Bundesratskandidat Bruno Zuppiger musste seine Kandidatur innerhalb einer Woche wieder zurückziehen. Dass er eine Leiche im Keller hatte, ist das eine. Das andere, weit Schlimmere ist, dass ausgerechnet die sonst so päpstlich agierende Parteispitze bei einem langjährigen Kollegen nicht genau hinschauen wollte.

Den grössten Schaden aber richtet nun ausgerechnet jener Mann an, der die SVP in seiner langen Karriere aufgebaut, finanziert und geprägt hat. Ein Jahr lang bestritt Christoph Blocher vehement und öffentlich, direkt oder indirekt an der «Basler Zeitung» beteiligt zu sein. Was nun seit den ersten Enthüllungen scheibchenweise ans Licht der Öffentlichkeit drang, ist mehr als bitter für die Wählerinnen und Wähler der Volkspartei. Mittlerweile ist klar, dass er eben doch der mysteriöse Mann im Hintergrund war. Christoph Blocher hat die Öffentlichkeit brandschwarz belogen – vielleicht nicht im juristisch spitzfindigen Sinn, aber ohne jeden Zweifel in jener Sprache, der er sich selbst am liebsten bedient: in der Sprache des Volkes.

Mag sein, dass Blocher damit in der Geschäftswelt durchkommt und die «Basler Zeitung» weiter kommandiert. Politisch hingegen hat er nun höchstpersönlich vollbracht, was Legionen von Journalisten und Gegnern in jahrelanger Arbeit nicht gelungen ist: Seine Glaubwürdigkeit ist selbst bei der eigenen Gefolgschaft dahin. Ein Alt-Bundesrat, der die Öffentlichkeit hinters Licht führt, kann für die SVP kein überzeugender Chefstratege sein. Und schon gar nicht ein «Oppositionsführer», der der «Classe politique» den Spiegel vorhält. Wenn es Christoph Blocher wirklich um die Sache und nicht um seine Person geht, dann zieht er sich jetzt aus der Politik zurück.

Mail: michael.hug@bernerzeitung.ch

Diskussion: blog.bernerzeitung.ch/leserblog (Berner Zeitung)

Erstellt: 14.12.2011, 07:09 Uhr

13

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13 Kommentare

Wolf Hoerer

14.12.2011, 09:02 Uhr
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Dass der "Grosse Pate" Blocher, mit Berlusconi als Vorbild, ein scheinheiliger Falschspieler ist, haben nur die blinden Kühe aus dem ländlichen Raum noch nicht gemerkt. Dass er hinter den Kullissen seine machtgierigen Fäden zieht und vorne seine volksnahen Marionetten-Puppen tanzen lässt, ist auch nichts Neues.
Die Machenschaften und Ziele dieses Geldadels sind auf der Welt überall gleich.
Antworten


Christoph Scheidegger

14.12.2011, 10:17 Uhr
Melden 20 Empfehlung

Danke Michael Hug... Sie sprechen mir aus der Seele und es ist klar, dass ein Chefstratege ohne Glaubwürdigkeit, auch keine glaubwürdigen Strategien entwerfen kann. Ob die Basis der SVP, dass für Ihren Übervatter auch so sieht ist zu bezweifeln. Habe einmal einen Film von Blochers Bruder gesehen. Etwa so verhält sich jetzt auch Christoph Blocher. Er wirkt etwas senil. Antworten




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