Schweiz
Katholiken protestieren gegen den Papst - und die Kirche ist dabei
Von David Vonplon. Aktualisiert am 05.03.2009 10 Kommentare
«Dogmatisch verengt, autoritär und weltfremd»: Der Vatikan steht in der Kritik.
Breit abgestützte Kundgebung
Die Gläubigen treffen sich am kommenden Sonntag um 14 Uhr vor der Jesuitenkirche in Luzern. Geplant ist eine Schlusskundgebung vor der Hofkirche, an der Alt-Nationalrätin Rosemarie Zapfl, Kapuziner Anton Rotzetter und andere sprechen werden. Mit dabei sein werden auch die Theologen Othmar Keel oder Hermann-Josef Venetz sowie die Nationalräte Hans Widmer und Kathrin Amacker.
Die Kundgebung ist breit abgestützt: Bis heute haben sich acht kirchliche Organisationen, darunter auch der mitgliederstarke Katholische Frauenbund, und mehr als 220 Einzelpersonen dem Aufruf angeschlossen. Und auch der Theologe Hans Küng steht hinter den Anliegen der Protestierenden.
Noch ist die Wut über die Aussöhnung des Papstes mit der ultrakonservativen Piusbruderschaft an der katholischen Basis nicht verraucht: «Aus allen Regionen der Schweiz haben uns Rückmeldungen erreicht», erklärt Florian Flohr, einer der Organisatoren des eigens gegründeten Vereins «Kirchendemo». Viele irritierte Gläubige seien froh, dass sie ihre Haltung nun an der Kundgebung ausdrücken könnten.
«Deutliches Signal setzen»
Flohr hat zusammen mit einer ganzen Reihe von Vertretern verschiedener Gläubigenorganisationen zu einem nationalen Protestmarsch in Luzern unter dem Motto «Auftreten, statt Austreten» aufgerufen. «Wir wollen ein deutliches Signal setzen für eine offene Kirche», sagt er. Der Protest der Initianten richtet sich gegen die Politik des Vatikans, die nach ihrer Ansicht auf eine «dogmatisch verengte, autoritäre und weltfremde Kirche» hinauslaufe.
Doch nicht nur gegen die Integration der Piusbruderschaft soll sich die Kundgebung richten: Verschiedene Ereignisse hätten gezeigt, dass im Vatikan eine andere Linie herrsche, die dem zweiten Vatikanum zuwiderlaufe - also auch der Geltung der Menschenrechte, der Gleichberechtigung von Mann und Frau sowie die Meinungsvielfalt innerhalb der Kirche, sagt Flohr. «Es ist deshalb Zeit, für Grundsätze einzutreten, die in der Kirche heute selbstverständlich sein sollten.»
Katholische Kirche zeigt Nähe
Die Kirche nimmt den öffentlichen Protest offensichtlich ernst. Sehr ernst sogar: Die Bischofskonferenz schickt gar Vertreter an die Kundgebung. Walter Müller, Sprecher der Bischofskonferenz bestätigt dies auf Anfrage von Bernerzeitung.ch/Newsnet. Mitmarschieren wollen Generalsekretär Felix Gmür und Abt Martin Werlen von Einsiedeln zwar nicht, aber die Anliegen der Demonstranten anhören und aufnehmen sowie ein Statement abgeben. «Damit wollen wir unsere Nähe zu den Protestierenden zeigen: Auch die Teilnehmer an der Kundgebung sind schliesslich Gläubige der katholischen Kirche», begründet Müller die Präsenz.
Kundgebungen von Gläubigen gegen die eigene Kirche sind in der Schweiz eine Rarität: Letztmals gingen 1990 in Chur 7000 Katholiken gegen die Ernennung von Bischof Haas auf die Strasse. Wie viele Gläubige am Sonntag an der Demo dabei sein werden, ist schwierig vorauszusehen. Flohr schätzt, dass es zwischen 300 und 500 Teilnehmer sein werden.
(Bernerzeitung.ch/Newsnet)
Erstellt: 05.03.2009, 16:49 Uhr
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10 Kommentare
Ich muss den Herren Aerne und Fischer zustimmen. Auch der zitierte Florian Flohr lebt von unseren Kirchensteuern. Schoen und für eine eine zeitung mit Qualitätsanspruch wäre es angebracht, wenn auch über die Gegenveranstaltung in der Peterskirche berichtet würde - aber Michael Meier vom TA ist ja bekanntlicherweise auch ein Rom-Feind. Antworten
Auf der Liste der kirchlichen Demo-Teilnehmer von Luzern vermisse ich den Nuntius, seines Zeichen Abgeordneter von Rom in Bern. Seine Anwesenheit würde dem Anlass zusätzliches Gewicht geben. Oder befürchtet er eine eventuelle Versetzung durch Rom in ein unkritisches katholisches Stammland? Antworten
«Damit wollen wir unsere Nähe zu den Protestierenden zeigen: Auch die Teilnehmer an der Kundgebung sind schliesslich Gläubige der katholischen Kirche», begründet Müller die Präsenz. Das "Auch" verwirrt mich... sind es denn Ketzer oder sowas? Sind sie vom Bösen befallen? Brauchen sie deshalb die Unterstützung von Herr Müller? @ aerne: Meinen Sie das etwa ernst? Antworten
Unglaublich so etwas, jetzt sind sich sogar nicht mal mehr die Katholiken einig, eine große Schande! Wen wundert es, wenn immer mehr Kirchenaustritte zu vermelden sind, die Menschen haben ja gar keinen Halt mehr. Der Papst ist wie schon "willi aerne" richtig bemerkt in Glaubensfragen unfehlbar...wird das nun auch in Frage gestellt, dann braucht es überhaupt rein gar nichts mehr! Antworten
Etwas mehr Demut, im Sinne des Heiligen Bendikt's, würde den Schwestern und Brüdern, die gegen Papst Benedikt zum Kampf antreten gut anstehen. Es ist eine unglaubliche Arroganz, sich über alles zu erheben und gleichzeitig von Kirchensteurn zu leben. Diese selbsternannten (verfügen wohl über einen geheimen direkten Internet Link zum Herrgott) "Hilfs-Päpste und Päpstinnen" sollten in sich gehen! Antworten
Dieses Abdriften vom zweiten Vatikanischen Konzil hat ein Datum, das immer wieder vergessen wird. Papst Albino Luciani’s (Johannes Paul I.) mysteriöses Ableben am 28. September 1978 läutete die Kehrtwende ein. Der heute an der Spitze stehende Mann war bereits damals einer der einflussreichsten Strippenzieher im Hintergrund, denen die Umsetzung der modernen Beschlüsse überhaupt nicht passten. Antworten
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françois kerrain
Ich begrüsse Sie. Ich bin nicht mit Ihnen einverstanden. Der Pabst hat sicher einen Irrtum gemacht, weil er um jeden Preis die Versöhnung verwirklichen wollte und weil es gefärlich ist auf ein Schisma zu beharren. Aber sie haben keinen Beweis dass der Vatikan gegen das Konzil ist. Sind Sie nicht von einem alten allmanischen Determinus bewegt ? In diesem Fall, ist es Schade ! Antworten