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Kantone wollen Lehrer entlasten

Von Michael Widmer. Aktualisiert am 07.09.2010 2 Kommentare

Schulen und Lehrer beklagen seit Jahren, sie müssten mehr und mehr Erziehungsaufgaben übernehmen, für die eigentlich Eltern zuständig wären. Die Erziehungsdirektoren der Schweiz wollen jetzt Klarheit schaffen.

Wer muss die Kinder erziehen? Die Erziehungsdirektoren wollen Klarheit schaffen.

Wer muss die Kinder erziehen? Die Erziehungsdirektoren wollen Klarheit schaffen.
Bild: Karikatur: Max Spring

Der Auftrag ist im Grunde klar definiert. «Die Eltern leisten im Blick auf das Wohl des Kindes seine Pflege und Erziehung», heisst es in Artikel 301 im Familienrecht des Schweizerischen Zivilgesetzbuches. Und im Berner Volksschulgesetz steht ergänzend: «Die Volksschule unterstützt die Familie in der Erziehung der Kinder.» Die Betonung hier und auch in der Auftragsbeschreibung für die Schule im neuen Harmos-Konkordat liegt beim Wort «unterstützt».

Frühstück machen

In den letzten Jahren beklagen sich Lehrerinnen und Lehrer auf Kindergarten- wie Primarstufe allerdings mehr und mehr, der Berufsauftrag habe sich schleichend verändert, ohne dass zusätzliche Ressourcen zur Verfügung gestellt worden seien. Heute müsse die Schule vermehrt Erziehungsaufgaben übernehmen: so für Pünktlichkeit sorgen oder Schülern das Schuhebinden beibringen. Wie Michael Gerber, Sprecher des Verbandes der Lehrerinnen und Lehrer Bern (Lebe), auf Anfrage sagt, ist die Verlagerung der Erziehungsaufgaben inzwischen «ein grosses Problem». Erziehung gehöre neben der Bildung zwar zum Grundauftrag einer Schule, doch müsse auf ein ausgewogenes Verhältnis geachtet werden. Das Gleichgewicht werde heute zu ungunsten der klassischen Bildung gestört.

Dies zeigt sich auch an den Wünschen aus Gesellschaft und Politik, was an den Schulen künftig unterrichtet werden soll. Die Forderungen reichen von «Umgang mit anderen» über «Konfliktlösung» bis zu «Konsumerziehung». In der Vernehmlassung zum Lehrplan 21, der ab 2014 gelten soll, haben Verbände, Kantone und Parteien unzählige solcher Wünsche deponiert.

Schwierige Klärung

Bei Erziehungsfragen sind Spannungen zwischen Schule und Eltern vorprogrammiert. Vor allem auch,weil nicht klar definiert ist, wo der Erziehungsauftrag der Eltern endet und wo jener der Schule beginnt. «Es ist schwierig, diese Aufgaben haargenau zu beschreiben», räumt Michael Gerber ein. Er fordert eine Klärung des Berufsauftrages. Die Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektorinnen und -direktoren (EDK) will ebenfalls Klarheit. In ihrem neuesten Tätigkeitsbericht für die Jahre 2010 bis 2014 setzt sie sich zum Ziel, den schulischen Erziehungsauftrag zu überdenken. So soll ein Bericht zur obligatorischen Schule erarbeitet werden. Dieser soll die Notwendigkeit von schulischen Erziehungszielen, aber auch die Schwierigkeiten bei deren Festlegungen thematisieren, insbesondere Fragen der Grenzziehung. Also: was zum schulischen Erziehungsauftrag gehört und was nicht.

Konkrete Massnahmen

Der Lebe reagiert erfreut auf das Vorhaben der EDK und hofft, dass sich aus dem Bericht konkrete Massnahmen für den Alltag in Schule und Kindergarten ableiten lassen. Bereits vor sieben Jahren hat der Verband unter anderem auch zum Spannungsfeld Schule–Eltern–Erziehung ein pädagogisches Profil erlassen. Darin stellen die Verfasser klar, dass Kinder und Jugendliche in der Schule nicht von Grund auf erzogen werden könnten. «Minimale Umgangsformen müssen die Kinder und Jugendlichen für den Besuch der öffentlichen Schule mitbringen oder zumindest in ganz kurzer Zeit lernen können», heisst es da. Und:?Lehrpersonen dürften anständige Umgangsformen (Grüssen, Wortwahl, Hygiene) und Zuverlässigkeit erwarten.

Schule für alle?

Michael Gerber spricht dazu noch einen heiklen Punkt an: «Heute geht man davon aus, dass jedes Kind mit dem Erreichen des Schulalters den Unterricht besuchen kann. Tatsache ist aber, dass ein einzelner Schüler, der schlecht sozialisiert ist, eine ganze Klasse im Lernen behindern kann. Sollen dies die Lehrpersonen ausbaden?» Wenn nein, stellt sich die Frage: wer dann? Oder auch: Wer bringt Eltern dazu, sich vermehrt um die Erziehung zu kümmern? Keine Frage, das Thema wird noch zu reden geben. (Berner Zeitung)

Erstellt: 07.09.2010, 07:14 Uhr

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2 Kommentare

Regina Neuenschwander

07.09.2010, 11:45 Uhr
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Solange die Kinder nur noch in KITAS und auf der Strasse aufwachsen, wird sich nie etwas ändern.. Jede Mutter (oder auch der Vater) die ihr Kind vom ersten Tag an durchs Leben begleitet, hätte Unterstützung vom Staat verdient. Man kann nicht KITAS propagieren und den Frauen einreden, sie seien nur jemand wenn sie auch "arbeiten" und sich dann über die Jugend beklagen. Wacht endlich auf!!!!!!! Antworten


Dieter Blatt

07.09.2010, 12:25 Uhr
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Dank den KITAS werden viele Kinder für den Kindergarten und die Schule sozialsiert. Schwierig haben es diejenigen, die weder in der Familie noch in der KITA das Glück hatten, den Umgang mit sich und den anderen zu erlernen und positiv zu erleben. Die ersten Jahre sind enorm wichtig für die gesunde Entwicklung der Kinder, da brauchen Eltern Unterstützung (Nachbarn, Grosseltern, Freunde, KITAS). Antworten




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