Julia Onken kämpft gegen Minarette
Von Ida Sandl. Aktualisiert am 17.11.2009 144 Kommentare
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Minarett-Verbot hilft den Musliminnen wenig
Das Minarett-Verbot und die Unterdrückung der Frauen im Islam sind für SP-Nationalrätin Edith Graf-Litscher zwei verschiedene Paar Schuhe. «Ich glaube nicht, dass sich die Situation der Frauen bessert, wenn keine Minarette gebaut werden dürfen.» Sie respektiere die Haltung von Julia Onken, betont Graf-Litscher. Es sei aber erfolgsversprechender die islamischen Frauen zu stärken, etwa durch Deutschkurse. Onkens Appell hat CVP-Nationalrätin Brigitte Häberli überrascht. Das Minarett-Verbot sei der falsche Weg, um Musliminnen zu mehr Gleichberechtigung zu verhelfen. Gegen Zwangsheirat oder Ehrenmord gebe es in der Schweiz Gesetze. Häberlin ist für Toleranz gegenüber anderen Glaubensrichtungen. «Wenn wir als Christen selbstbewusst auftreten, müssen wir keine Angst vor anderen Religionen haben.» Liselotte Peter gehört zwar der SVP-Fraktion im Kantonsrat an. Der Anti-Minarett-Initiative gegenüber ist sie aber skeptisch. Diese würde nur ein emotionales Thema aufscheuchen, aber keine Probleme lösen. Die Argumente von Onken kann sie zum Teil nachvollziehen. Den Frauen helfe man aber mehr, wenn man die gemässigten Kräfte im Islam unterstützt. Erstaunt über den Aufruf von Julia Onken ist der Vorstand der Frauenzentrale Thurgau. «Wir distanzieren uns davon in aller Form», sagt Präsidentin Christine Steiger. Gegenstand der Abstimmung sei einzig die Frage, ob die Errichtung eines Turms zu einer Moschee generell verboten werden soll oder nicht. Damit würden allfällige frauenspezifische Missstände weder verhindert noch behoben. (san)
Von dieser Seite hätten die Minarett-Gegner wohl kaum Schützenhilfe erwartet: Die Bestseller-Autorin und kämpferische Feministin Julia Onken hat letzte Woche 4000 Mails an Frauen verschickt, die sie bei Kursen am Frauenseminar oder bei ihren Vorträgen kennen gelernt hat. Sie fordert die Frauen auf, für die Anti-Minarett-Initiative zu stimmen. Denn: «Moscheen sind Männerhäuser, Minarette sind männliche Machtsymbole». Der Koran schreibe frauenfeindliche und Frauen verachtende Regeln vor wie die Verhüllung des ganzen Körpers, Zwangsheirat, Ehrenmord, Züchtigung durch den Ehemann bei Ungehorsam. Weiter heisst es in dem Brief: «Mit dem Bau von Minaretten wird gleichzeitig ein sichtbares Zeichen für die staatliche Akzeptanz der Unterdrückung der Frau gesetzt.» Dies müsse unter allen Umständen verhindert werden.
Flut der Zustimmung
Mit dem Mail habe sie keine Kampagne auslösen wollen, sagt Julia Onken. Es sei eher als interne Angelegenheit gedacht gewesen. Das Echo auf ihren Appell hätte aber grösser kaum sein können. Seit Tagen bricht «eine Flut der Zustimmung» über die 67-Jährige herein. Nur wenige Rückmeldungen seien negativ. Es würden sich aber viele Frauen – auch aus dem linken Lager – melden, die sich bei Onken für ihre Courage bedanken und beteuern, sie seien der gleichen Meinung, würden sich aber nicht trauen, es zu sagen.
Mit ihrem Vorstoss hat sich Julia Onken nicht nur Freunde geschaffen. Amira Hafner-Al Jabaji, Präsidentin des Vereins Interreligiöser Think-Tank sagte gegenüber dem Sonntagsblick. «Frau Onken hat offensichtlich keine Kenntnis vom Koran und auch nicht von der Situation der Musliminnen in der Schweiz.» Dem widerspricht Julia Onken. Sie lese viel und habe sich auch von Islam-Wissenschaftlerinnen beraten lassen. Sie wisse, dass im Islam viele Menschen fortschrittlich denken. Es gebe aber auch die andere Seite. Ein 15-jähriges Mädchen zum Beispiel habe Onken verzweifelt gefragt, was es tun solle. Es habe sich in einen Schweizer Jungen verliebt und jetzt Angst vor der eigenen Familie. (ThurgauerZeitung)
Erstellt: 17.11.2009, 15:15 Uhr
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144 Kommentare
Liebe Frau Onken Glauben Sie wirklich, dass sich, nachdem Sie der SVP geholfen haben das Kind mit dem Bad auszuschütten, je wieder eine muslimische Frau vertrauensvoll an Sie wenden wird? Ich denke, dass mit der Annahme dieser Initiative die Probleme keiner einzigen Frau, ungeachtet ihres Glaubens, gelöst werden. Der Zweck kann die Mittel heiligen, aber nur, wenn diese tatsächlich wirksam sind. Antworten
Alle wissen dass mit dem Minarettverbot NICHTS gegen was auch immer für frauenfeindliche Regelungen wo auch immer unternommen wird. Trotzdem wird das ununterbrochen als Argument für die Initiative angeführt. Der Stimmbürger tickt tatsächlich wie ein Uhrwerk: Minarett - Islam - Frauenfeindlichkeit - Verbieten. Mit Argumenten ist da nichts auszurichten, dazu müsste man ja nachdenken! Antworten
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