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Ist Basel gefährlicher als Zürich?

Von Raphael Suter. Aktualisiert am 22.12.2011 48 Kommentare

Die Angst vor Gewalt und Verbrechen ist in Basel grösser als in anderen Städten. Einbildung oder realistische Wahrnehmung? Ein Kommentar aus der BaZ-Redaktion.

Sichtbar. Die Polizei zeigt sich zwar bei Grossanlässen öfter (Bild: Kasernenstrasse während der Herbstmesse), aber es wird mehr Präsenz gefordert.

Sichtbar. Die Polizei zeigt sich zwar bei Grossanlässen öfter (Bild: Kasernenstrasse während der Herbstmesse), aber es wird mehr Präsenz gefordert.
Bild: Roland Schmid

Die Basler Bevölkerung fühlt sich heute weniger sicher als noch vor vier Jahren. Und auch im Vergleich mit anderen Städten wie Zürich oder Bern ist das Sicherheitsempfinden in Basel am schlechtesten. Dies zeigt eine seriös abgestützte Befragung, deren Resultate jetzt veröffentlicht worden sind.

Ist Basel tatsächlich ein gefährlicheres Pflaster als beispielsweise Zürich, und hat die Sicherheit in den letzten Jahren tatsächlich abgenommen? Die polizeiliche Kriminalstatistik in den Jahren 2008 bis 2010 spricht auf den ersten Blick eine andere Sprache. Sie zeigt, dass die Anzahl aller Straftaten sogar leicht abgenommen hat. Also bilden sich die Baslerinnen und Basler bloss ein, dass ihre Stadt unsicherer geworden ist?

Schwere Delikte nehmen zu

Doch die nüchterne Zahl der Straftaten ist für das Empfinden weniger wichtig als die Schwere der begangenen Delikte. So hat die Zahl der Straftaten gegen Leib und Leben in den letzten Jahren zugenommen, die Zahl der Körperverletzungen ist von 423 (2008) auf 562 (2010) gestiegen. Neuere Zahlen liegen noch nicht vor. Doch 24 Raubüberfälle in den letzten drei Monaten haben wohl nicht dazu beigetragen, dass sich die Bevölkerung in Basel derzeit wieder sicherer fühlt.

Zu denken gibt, dass die Unsicherheit nicht nur in Quartieren wie dem Kleinbasel mit einem hohen Ausländeranteil und einem Rotlichtdistrikt gestiegen ist, auch in den Wohnvierteln Bachletten, Gotthelf, Iselin und St. Johann ist das subjektive Sicherheitsempfinden fast um zehn Prozentpunkte zurückgegangen. Nachts draussen fühlen sich heute mehr Befragte unsicher als noch vor vier Jahren.

Das Gefühl ist entscheidend

Die Befragung zeigt nur die Wahrnehmung der Bevölkerung auf. Ob sich diese mit den wirklichen Ereignissen und ihrer Häufigkeit deckt, ist auch nicht wichtig. Wer in einer Stadt lebt, will sich hier sicher fühlen. Das Gefühl von Sicherheit ist entscheidend und nicht die nackten Zahlen einer Statistik oder die beschwichtigenden Aussagen von Politikern.

Eine simple Erklärung hat SP-Präsident Martin Lüchinger gefunden. Er meint, dass die Berichterstattung die Aufmerksamkeit auf die Vorfälle fördere und die Unsicherheit schüre. Mit anderen Worten: Wenn die Medien nicht mehr von Raubüberfällen berichten, steigt auch das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung wieder. Dazu müssten Polizei und Staatswanwaltschaft aber erst einmal angewiesen werden, nicht mehr über Straftaten zu informieren.

Oder die Medien müssten diese offiziellen Meldungen (wobei längst nicht jedes Delikt auch an die Öffentlichkeit gebracht wird) einfach ignorieren. Aber selbst eine solche Zensur würde das Vertrauen der Bevölkerung in ihre Stadt nicht zurückbringen. Zu viele haben in den letzten Jahren und Monaten am eigenen Leib einen Einbruch, einen Diebstahl, eine Körperverletzung oder eine Tätlichkeit miterlebt oder in ihrer Umgebung wahrgenommen.

Die Antwort ist einfach

Wo liegt die Lösung? Die Antwort ist einfach: Die Polizei muss ihre sichtbare Präsenz verstärken. Während der vergangenen Herbstmesse ist diese Strategie auf dem Kasernenareal angewandt worden. Dank der grösseren Polizeipräsenz ist es auf diesem sonst für Rangeleien und Diebstähle berüchtigten Platz zu keinen nennenswerten Vorfällen gekommen.

Diese Lösung hat nach der SVP nun auch die SP entdeckt. In der Forderung nach mehr Polizeipräsenz sind sich die Parteien inzwischen einig, nicht aber in der Zahl der zusätzlichen Stellen und weiterer Massnahmen. Die Regierung und eine Mehrheit des Grossen Rats spricht sich für 45 neue Stellen im Polizeikorps aus, die vor allem an den sogenannten Hotspots wie dem Barfüsserplatz, dem Rheinufer oder der Steinenvorstadt zum Einsatz kommen sollen.

Die Ergebnisse der Bevölkerungsumfrage zeigen allerdings, dass sich nicht nur die Bewohner der Innerstadt unsicher fühlen. Auch in idyllischen Quartieren wie im Bachletten ist eine stärkere Polizeipräsenz gefragt.

Umfrage ernst nehmen

Falls die Basler Regierung die von ihr selber in Auftrag gegebene Umfrage ernst nimmt, muss sie aufgrund deren Ergebnisse jetzt nochmals über die Bücher gehen. Vor allem auch wegen des Städtevergleichs, der Basel – nicht zuletzt für potenzielle Zuzüger – schlecht aussehen lässt. An der Präsentation wertete Regierungspräsident Guy Morin das geschwundene Sicherheitsempfinden als «Warnsignal».

Daraus müssen nun weitere Massnahmen abgeleitet werden. Wie viel Polizei Basel braucht, damit sich die Bewohner wieder sicher fühlen, muss aufgrund der Anforderungen und Aufgaben definiert werden. Mehr Sicherheit verlangt nach mehr Polizisten, und da werden 45 neue Stellen nicht genügen. (Basler Zeitung)

Erstellt: 22.12.2011, 18:46 Uhr

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48 Kommentare

Abdel Tuma

22.12.2011, 19:20 Uhr
Melden 120 Empfehlung

Eine simple Erklärung hat SP-Präsident Martin Lüchinger gefunden: Wenn die Medien nicht mehr von Raubüberfällen berichten, steigt auch das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung wieder.
Mit Verlaub. Das ist nicht simpel. Das ist ..... schreib ich besser nicht.
Das Totschweigen und Negieren von Problemen war ja schon immer ein Markenzeichen seiner Partei.
Antworten


Fred Dupuis

22.12.2011, 19:44 Uhr
Melden 104 Empfehlung

Die ganze CH ist heute sehr viel gefaehrlicher. Die schlimmsten Orte sind natuerlich Kleinbasel, Gare Cornavin Quartier in Genf und Kreis 4+5 in ZH. Aber auch in den Trams und SBB ist es nicht mehr sicher. Als 52-jaehriger Familienvater kann ich heutzutage gar nicht mehr riskieren ohne Schusswaffe am Abend unterwegs zu sein und
meine Gesundheit aufs Spiel zu setzen.
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