Imame an Schweizer Hochschulen

Imame könnten künftig an Schweizer Hochschulen ausgebildet werden. Darüber sind sich die muslimische Gemeinde in der Schweiz, Behörden und Hochschulen einig. Heftiger Widerstand ist programmiert.

In der Schweiz lebende Muslime hören in der Moschee von Genf ihrem Vorbeter, dem Imam zu.

In der Schweiz lebende Muslime hören in der Moschee von Genf ihrem Vorbeter, dem Imam zu.
Bild: Keystone

O-Ton

«Eine Imam-Ausbildung in der Schweiz ist
sehr notwendig. Denn islamische Gemeinden in der Schweiz haben nahezu keine ausgebildeten Imame, es sei denn, sie kommen aus dem Ausland, aber dann fehlen ihnen Kenntnisse über die hiesigen Verhältnisse. Die Ausbildung müsste in Zusammenarbeit mit islamischen Hochschulen erarbeitet und von ihnen anerkannt sein, es darf keinen Euro-Islam
geben, das würde eine Spaltung bedeuten.»
Farhad Afshar ist Präsident der Koordination Islamischer Organisationen Schweiz (Kios) und Mitglied des Schweizerischen Rats der Religionen.

«Mit der Imam-Ausbildung darf unser Staat nichts zu tun haben, der Islam ist schliesslich keine staatlich anerkannte Religion. Ich verstehe, dass muslimische Vertreter eine Imam-Ausbildung in der Schweiz wünschen, denn das hat für sie finanzielle Vorteile: Der Staat zahlt die Ausbildung. Zu glauben, dass damit die Integration besser gelinge und allenfalls eine bessere Kontrolle möglich sei, wäre grenzenlos naiv. Imame könnten politische
Propaganda verbreiten, ohne dass das irgendwie zu kontrollieren wäre.»
SVP-Nationalrat Ulrich Schlüer.

«Dass Imame in der Schweiz integriert sind, ist sehr wichtig und heute leider nicht immer der Fall. Eine akademische Ausbildung für Imame an einer religionswissenschaftlichen Universitätsfakultät könnte ich mir deshalb gut vorstellen, es müssten die gleichen Anforderungen und Kriterien gelten wie für alle Theologiestudenten. Die praktische Ausbildung müsste aber Sache des Islams bleiben.»
Thomas Wipf, Präsident des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes (SEK)./bw

Forscher der Universität Zürich führten für die Nationalfondsstudie «Imamausbildung und islamische Religionspädagogik in der Schweiz?» rund 100 Interviews mit Exponenten der islamischen Gemeinde. Sie befragten zudem etwa 40 Vertreter anderer Religionsgemeinschaften, Behörden, Parteien, Hochschulen sowie Rechtsexperten.

Wie Projektleiter Ulrich Rudolph vom Orientalischen Seminar der Uni Zürich gestern vor den Medien darlegte, hatten sich die Befragten mehrheitlich dafür ausgesprochen, Imame und islamische Religionslehrer in der Schweiz auszubilden. Heute werden die Imame der Schweizer Muslime im Ausland ausgebildet, für moslemische Religionslehrer gibt es in der Deutschschweiz einen privaten Kurs. Die meisten Befragten hielten diese Situation für unbefriedigend.

Imam als Brückenbauer

Die Moslems wünschten sich akademisch ausgebildete Imame, die neben fundierten Islamkenntnissen auch über gute Kenntnisse der lokalen Landessprache, des Rechts und der Politik verfügen. Gewünscht wurde zudem, dass an den öffentlichen Schulen ein islamischer Religionsunterricht nach dem Modell des christlichen eingeführt wird. Tatsache ist aber, dass der Religionsunterricht vielerorts bereits durch konfessionsübergreifende Religionskunde abgelöst wurde.

SVP winkt ab

Die politischen Parteien stehen der Idee mehrheitlich positiv gegenüber. FDP, CVP und Grüne hätten vorwiegend positiv auf die Vorschläge geantwortet, erklärten die Autoren der Studie. SP und SVP hätten keine Stellungnahmen abgegeben. SVP-Sprecher Alain Hauert lehnte gestern auf Anfrage die Idee der Imamausbildung jedoch ab. In der Schweiz als christlichem Land könne es nicht angehen, dass staatliche Institutionen die Ausbildung islamischer Vorbeter übernähmen. Es gelte «die schleichende Islamisierung in der Schweiz zu unterbinden». Die SP befürworte dagegen die Ausbildung von Imamen in der Schweiz, wie deren Sprecher Peter Lauener darlegte. Dies könne einen Beitrag zur Integration der Islamangehörigen leisten.

Keine rechtlichen Bedenken

Rechtlich bestünden für die Einführung einer solchen Ausbildung in der Schweiz keine Hindernisse, so die Studienverfasser. Da das Religions- und Bildungswesen in erster Linie Sache der Kantone sei, seien aber kantonale Akteure besonders gefordert, heisst es. In der Umfrage wünschten viele Vertreter der islamischen Gemeinde, dass sich der Staat finanziell an der Ausbildung beteiligt – ähnlich wie er es bei den christlichen Kirchen tut. Der Genfer islamische Intellektuelle Tariq Ramadan erklärte gestern, er könne sich eine Muslimsteuer, ähnlich der Kirchensteuer, vorstellen. Gemischte Finanzierung sei sinnvoll.

Ansätze gibt es bereits

Für Rabbiner gibt es keine Ausbildung in der Schweiz. Die jüdischen Gemeinden müssen ihre Geistlichen selber besolden. Die Kenntnisse der jüdischen Religionslehre könne man sich zwar auch in Zürich oder Basel aneignen. Dies sei aber noch kein Fähigkeitsausweis, damit man eine Gemeinde führen könne, hiess es beim Sekretariat des Rabbinates der Israelitischen Cultusgemeinde Zürich. Die Gemeinde habe einen Schweizer als Rabbiner, der in den USA und in Israel ausgebildet worden sei.

Für Ausbildungen islamischer Religionsvertreter gibt es in der Schweiz bereits Initiativen. Neben dem Kurs für Religionslehrer starten diesen Herbst an der Universität Freiburg und an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Winterthur Lehrveranstaltungen zur Aus- und Weiterbildung von islamischen Religionsvertretern.

Die muslimische Gemeinde ist mit über 350000 Mitgliedern die zweitgrösste Religionsgemeinschaft der Schweiz. Laut dem historischen Lexikon hatten 2006 rund zwei Drittel der etwa 120 bis 160 Moscheevereine einen ständigen Imam. Daneben gibt es Freizeitimame.

In den europäischen Ländern wird die Imamausbildung unterschiedlich gehandhabt. So gibt es in Deutschland an einzelnen Hochschulen Ergänzungsstudiengänge für islamische Religionslehrer, aber keine Imamausbildung. In Österreich gibt es ein Bachelor-Studium in islamischer Religionspädagogik an einer privaten Akademie und ein Master-Studium an der Universität Wien. In Frankreich offeriert eine private islamische Institution ein Studium, das sowohl für die Tätigkeit als Imam wie auch als islamische Lehrperson qualifizieren soll.

Der Vorbeter
«Der Imam ist zunächst der Vorbeter, der das gemeinschaftliche Ritualgebet anführt, das heisst die vorgeschriebenen Formeln und Bewegungen als Erster ausführt. Dazu steht bzw. sitzt er, mit Blickrichtung nach Mekka und den Rücken zu den übrigen Gemeindegliedern gewandt, vor der ersten Reihe der Betenden. Anders als in traditionell islamischen Gesellschaften, wo die Rolle des Imams eng begrenzt ist, ist das Betätigungsfeld des Imams im westeuropäischen Kontext breiter und keineswegs rein religiös.»

Auszug Schlussbericht: «Imamausbildung und islamische Religionspädagogik in der Schweiz?» mit Hinweis auf Autor Franck Frégosi. (Berner Zeitung)

Erstellt: 22.07.2009, 07:28 Uhr

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3 Kommentare

Alex Müller

22.07.2009, 09:24 Uhr
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Endlich der richtige Schritt für die Befreiung der Schweizer Muslime aus den Fängen der Islamistischen "Untergrundprediger". Die muslimische Bevölkerung in Europa und der Schweiz braucht Prediger, welche hier leben, hier ausgebildet werden und unsere Lebensweise bejahen. Ein Lehrstuhl an der Universität ermöglicht auch Einblick in Kultur und Geschichte des Islam. Endlich Offenheit! Antworten


Paul Reinmann

22.07.2009, 08:10 Uhr
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Für mich ist jede religiöse Ausbildung an Hochschulen reine Steuergeldverschwendung. Ich sehe absolut nicht ein, warum meine Steuergelder für etwas so unnötiges wie die Wissenschaft von nicht beweisbaren und nur auf erfundenen Geschichten oder zufälligen Fügung begründeten Wahnvorstellungen verschwendet werden, während in Afrika täglich Kinder verhungern...!!! Antworten


Monika Hausammann

22.07.2009, 07:52 Uhr
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Zum 1.1.2008 haben die Malediven alle Staatsbürger, die Christen sind, aus der Staatsbürgerschaft entlassen und zu Staatenlosen erklärt. Grund: Sie wollen ein "islamisches" Land sein. Es folgten Bahrain und jetzt die Emirate, die gegen die "Überfremdung" durch Nicht-Muslime vorgehen. Les extremes se touchent - und weder das eine noch das andere fördern den sozialen Frieden eines Landes! Antworten



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