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Im Stromnetz droht eine ewige Baustelle

Von Philippe Müller. Aktualisiert am 28.10.2011 9 Kommentare

Das Stromnetz bietet Anlass zur Sorge: Die überalterten Leitungen müssen dringend saniert werden. Nur glaubt die Netzgesellschaft Swissgrid selber nicht so recht daran, dass die geplante Sanierung bis 2020 gelingt. Sie warnt deshalb quasi auf Vorrat vor teuren Stromausfällen.

Aufrüsten für die Zukunft: 1000 Kilometer des Hochspannungsnetzes müssen saniert werden. Die meisten Projekte werden allerdings bekämpft.

Aufrüsten für die Zukunft: 1000 Kilometer des Hochspannungsnetzes müssen saniert werden. Die meisten Projekte werden allerdings bekämpft.
Bild: Keystone

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Die Ausgangslage ist klar: Will die Schweiz den Atomausstieg und die damit verbundene Energiewende schaffen, muss sie mächtig in das Stromnetz investieren. Denn zwei Drittel des 6700 Kilometer langen Übertragungsnetzes sind mehr als 40 Jahre alt und damit überaltert. Und weil nach der Abschaltung der Atomkraftwerke vermutlich neue Wasserkraftwerke ans Netz gehen und der Stromaustausch mit dem benachbarten Ausland an Gewicht gewinnen dürfte, muss die Kapazität des Stromnetzes deutlich ausgebaut werden.

Nicht nur der Atomausstieg ist schuld daran, dass es zu Netzengpässen kommt. Schon heute stösst das Schweizer Stromnetz an seine Grenzen, weil es in Bezug auf die Transportfähigkeit und den internationalen Stromhandel die Anforderungen längst nicht mehr erfüllt. Zu schmal sind die Hochspannungsstromstrassen für die zu transportierenden Mengen mittlerweile geworden.

Risiko für Stromausfälle steigt

Der offizielle Zeitplan der nationalen Netzgesellschaft Swissgrid sieht vor, dass bis zum Jahr 2020 rund 1000 Kilometer Hochspannungsleitungen saniert beziehungsweise teilweise neu gebaut werden. Das strategische Netz 2020 sieht die Beseitigung der bestehenden Engpässe und den Anschluss an die geplanten europäischen Stromautobahnen vor. Gelingt der Ausbau nicht, besteht laut Netzgesellschaft ab 2020 ein erhöhtes Risiko für Strom-Blackouts. Laut Swissgrid käme ein ganztägiger Stromausfall die Schweiz mit 12 bis 42 Milliarden Franken teuer zu stehen.

Verzögerung bis 2070?

Es wird schwierig bis unmöglich sein, in den nächsten neun Jahren das Stromnetz wie geplant zu sanieren. Zu ambitioniert ist die Zielsetzung, in dieser Zeit 1000 Kilometer Leitungen zu erneuern. Zum Vergleich: In den letzten zehn Jahren wurden bloss 150 Kilometer geschafft. Geht die Sanierung also in gleichem Tempo weiter, dauert sie bis ins Jahr 2070. Wegen der langwierigen und komplexen Bewilligungsverfahren und vor allem des grossen Widerstandes aus der Bevölkerung gegen neue Hochspannungsleitungen kommen die Projekte nur zaghaft voran. Die allermeisten Bauvorhaben stecken in der Bewilligungsphase, die Bagger sind noch fast nirgends aufgefahren.

Swissgrid zweifelt selber daran, dass der Ausbau bis 2020 gelingen kann. Durchhalteparolen der Medienstelle wie «Es wird eine grosse Herausforderung sein, das bis 2020 zu schaffen», sagen einiges über die Hilflosigkeit von Swissgrid aus. Denn selber kann die Netzgesellschaft praktisch nichts dazu beitragen, dass die Bauarbeiten schneller voranschreiten. Sie versucht einzig mit Aufrufen an die Politiker, die Bewilligungsverfahren zu straffen oder schlimmstenfalls Enteignungen zu ermöglichen.

Ein noch konkreterer Hinweis darauf, dass Swissgrid nicht an eine Umsetzung bis 2020 glaubt, ist die Tatsache, dass die Netzgesellschaft bis nächstes Jahr eine neue Netzstrategie bis ins Jahr 2035 erarbeiten will.

Finanzierung nicht gesichert

Der geplante Netzausbau steht momentan nicht zuletzt deshalb auf wackligen Beinen, weil die Finanzierung der Projekte noch nicht gesichert ist, zumindest nicht umfassend. Insgesamt dürfte die Sanierung des Stromnetzes zwischen 4 und 6 Milliarden Franken kosten. Ein detailliertes Finanzierungskonzept besteht allerdings nicht, das stellt Swissgrid erst bis 2013 in Aussicht. In einer aktuellen Broschüre schreibt Swissgrid dazu nur: «Der Ausbau und die Erneuerung des Übertragungsnetzes müssen durch die öffentliche Hand oder den Kapitalmarkt finanziert werden.»

Zu erwarten ist, dass zumindest teilweise auch die Strombezüger über den Strompreis ihren Teil zur Finanzierung werden beitragen müssen. (Berner Zeitung)

Erstellt: 28.10.2011, 07:09 Uhr

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9 Kommentare

Markus Früh

28.10.2011, 10:00 Uhr
Melden 11 Empfehlung

Es wurde bald Jahrzehnte gepennt, die Leitungen 2x amortisiert und jetzt glaubt man selbst nicht daran, dass die Leitungen bis zum Endtermin erneuert werden kann. Anschliessend kommuniziert man, dass man mit Ausfällen rechnen muss. Ein solches Management sollte mit einem Tritt in den Hintern auf die Strasse gestellt werden! Antworten


Sandra Kaufmann

28.10.2011, 11:43 Uhr
Melden 9 Empfehlung

Was ist denn das für ein Management? Aus dem letzten Jahrhundert? Oder wollen die mit Angstmacherei noch ein bisschen mehr Geld aus uns rauspressen oder was? Andererseits bringen Stromausfälle die Menschen evtl. wieder etwas näher, wenn vorübergehend nicht mehr alle einzeln im Web oder vor dem TV herumhängen. Kann also auch seine guten Seiten haben... Antworten




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