«Ich zögerte mit der Zusage»
Von Daniel Foppa, Fabian Renz. Aktualisiert am 03.12.2011 82 Kommentare
«Gemeinsam Lösungen zu finden, ist die Aufgabe einer Regierung», sagt Bruno Zuppiger. Foto: Dominique Meienberg
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Zuppiger persönlich
Wann haben Sie Ihre Frau zum letzten Mal ausgeführt?
(Er überlegt, ruft seine Frau Rösli, aber die ist schon weg.) Letzten Sonntag gingen wir als ganze Familie gemütlich auswärts essen.
Womit machen Sie Ihren fünf Kindern die grösste Freude?
Wenn ich Zeit mit ihnen verbringe und wir zusammen einen Jass klopfen.
Wann sind Sie das letzte Mal mit Gitarre als Sänger aufgetreten?
Das war kürzlich auf dem Bauernhof meines Schwagers. Ich kann zwar bloss sechs Gitarrengriffe. Doch das reicht, um Volkslieder zu begleiten. (lacht)
Ihre aktuelle Lektüre?
Im Moment fehlt mir die Zeit, ein Buch zu lesen. Ich lese Zeitungen. Das letzte Buch, das ich gelesen habe, war ein Geschenk: die Ogi-Biografie von Helmut Hubacher.
Lebenslauf in Kürze
24. Februar 1952
In St. Gallen geboren
1972 bis 1976
Studien an der HSG und am Lehrerseminar Zürich. Abschluss mit dem Lehrerpatent.
1976 bis 1982
Lehrer in Goldingen SG und Hinwil ZH.
1982 bis 1995
Sekretär und Direktor Gewerbeverband Zürich.
Seit 1983
Mitglied Parteileitung SVP Kanton Zürich.
1991 bis 1999
Zürcher Kantonsrat.
Seit 1995
Inhaber einer Wirtschafts- und Unternehmungsberatungsfirma in Hinwil ZH.
Seit 1999
Nationalrat.
Seit 2010
Präsident Schweizerischer Gewerbeverband.
Bruno Zuppiger ist verheiratet und Vater von fünf Kindern.
Dossiers
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- Ran an die Arbeit
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Stichworte
Korrektur-Hinweis
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Vor drei Jahren verhinderte die SVP-Fraktion Ihre Bundesratskandidatur. Jetzt sind Sie offizieller Kandidat. Eine Genugtuung?
Vor vier Jahren wurde Christoph Blocher abgewählt. Wir wollten ihn wieder im Bundesrat haben und nominierten neben ihm den früheren Parteipräsidenten Ueli Maurer. Mir war klar, dass sie beide den Vortritt haben. Für die Spielchen anderer Parteien stand ich nicht zur Verfügung.
Wegen Ihnen hat die SVP die «Lex Zuppiger» geschaffen: Wer gegen den Willen der Fraktion eine Wahl in den Bundesrat annimmt, fliegt aus der Partei.
Den Begriff «Lex Zuppiger» habt ihr Medienleute erfunden. Diese Regelung war eine Reaktion auf die Wahl von Eveline Widmer-Schlumpf 2007.
Ueli Maurer sagte einmal, Sie seien auf das Bundesratsamt fixiert. Das war ich nie. Mein ganzes politisches Leben ist eine Kette von Zufälligkeiten. Dazu gehört auch meine jetzige Kandidatur. Bis letzte Woche rechnete ich nicht damit, eine Anfrage der Parteileitung zu erhalten. Ich bin seit einem Jahr Präsident des Schweizerischen Gewerbeverbands. Mein Plan war es, diesen Verband acht Jahre lang zu führen.
Stattdessen sind Sie nun Bundesratskandidat – als zweite Wahl. Ihre Partei wollte Roland Eberle oder Peter Spuhler.
Mit Eberle oder Spuhler wäre die Ostschweiz berücksichtigt worden. Unser vorrangigstes Ziel ist es aber, die Konkordanz wiederherzustellen. Ich kann dazu nach Meinung des Parteipräsidenten etwas beitragen. Auch wenn ich zunächst mit der Zusage zögerte.
Was bewog Sie schliesslich zum Ja?
Wenn man Bundesrat werden will, muss die Familie voll dahinterstehen. Ich wollte deshalb zuerst mit meiner Frau und meinen Kindern sprechen. Zudem muss man von der Partei 100 Prozent unterstützt werden.
Darum haben Sie sich das Gütesiegel von Christoph Blocher geholt?
Mit einem Gütesiegel hat das nichts zu tun. Christoph Blocher ist Strategiechef der SVP. An der Fraktionssitzung von letzter Woche suchte ich das Gespräch mit ihm. Ich fragte ihn, ob er mich unterstützen würde. Er bestätigte mir, dass er mich für einen guten Kandidaten halte.
Ueli Maurer wohnt wie Sie in Hinwil. Sind zwei Bundesräte aus dem selben Ort kein Problem?
Grundsätzlich sollten möglichst alle Regionen im Bundesrat vertreten sind. Ebenso wichtig ist aber, dass Bundesräte eine grosse Akzeptanz haben. Mich hat die Liebe nach Hinwil verschlagen. Aufgewachsen bin ich in Zug, Bürger von Rapperswil SG – ich könnte auch diese Orte als meine Herkunft bezeichnen.
Soll die SVP in die Opposition, wenn es mit Ihrer Wahl nicht klappt?
Das muss die Fraktion entscheiden.
Treten Sie auch gegen FDP-Bundesrat Schneider-Ammann und gegen die SP-Vertreter an?
Die Fraktion hat die Strategie klar entschieden: Wiederherstellung der Konkordanz. Ich habe mich als Kandidat ohne Bedingungen zur Verfügung gestellt.
Mit welchen Gefühlen sehen Sie Ihrer möglichen Wahl entgegen?
Ich sage es ehrlich: Ich war nudelfertig, als ich am Donnerstag nach der Nominierung nach Hause kam. Ich habe grossen Respekt vor dieser Herausforderung.
Würden Sie sich das frei werdende Aussendepartement zutrauen?
(Lacht) In den ersten hundert Tagen würde in jedem Fall gebüffelt ...
... Französisch, meinen Sie.
Und Englisch. Spass beiseite, ich verstehe recht gut Französisch, sonst hätte ich keine Kommissionen führen können. Als Bundesrat wäre ich nicht auf ein Departement fixiert, sondern ich würde gegen das Gärtchendenken kämpfen.
Und viele Mitberichte zu den Geschäften Ihrer Kollegen verfassen?
Ich würde versuchen, mitzugestalten. Gemeinsam Lösungen zu finden, ist die Aufgabe einer Regierung. Ein Departement sollte straff geführt werden. Die Verwaltung ist sehr stark. Es gilt, manchmal auch unbequem zu werden.
Sie kämpfen gegen Ihren Ruf als gemütlicher, stets gut gelaunter Typ.
Sie hätten miterleben sollen, wie es jüngst in der Finanzkommission krachte, als ich ein tieferes Ausgabenwachstum beantragte! Man muss für eine Sache einstehen und gleichzeitig die Menschen gern haben. Dann kann man führen.
Für viele SVP-Hardliner s1ind Sie zu nachgiebig. Wären Sie wie Samuel Schmid ein «halber» SVP-Bundesrat?
Nein. Schmid war nicht offizieller Bundesratskandidat. Die Fraktion nominierte damals Rita Fuhrer und Roland Eberle. Schmid wurde uns aufgezwungen. Jean-François Rime und ich sind hingegen einstimmig nominiert worden.
Sie sind gegen die Einwanderungsinitiative, ein SVP-Kernanliegen.
Ich will gute Rahmenbedingungen für die Wirtschaft. Die bilateralen Verträge sind dazu notwendig, die Personenfreizügigkeit ist Teil davon. Wir dürfen sie nicht gefährden. Ich bin aber für Massnahmen, um die Einwanderung einzudämmen.
Welche Massnahmen?
Wir sollten mit der EU nachverhandeln. Und im Frühling die Ventilklausel aktivieren, um wieder mit Kontingenten zu arbeiten. Denkbar sind Modelle, um den Familiennachzug zu erschweren.
Was sagen Sie zur Amtsführung von Bundesrätin Widmer-Schlumpf?
Sie wird besser dargestellt, als sie ist. Sie ist fleissig und seriös, aber lavierend und machtbeflissen. Das sieht man daran, wie sie Leute angestellt und kurz darauf wieder entlassen hat.
Was meinten Sie mit «lavierend»?
Man konnte das bei den Massnahmen gegen die Frankenstärke beobachten. 2 Milliarden wollten sie und Schneider-Ammann investieren. Als wir uns in der Finanzkommission dagegen wehrten, verschwand Widmer-Schlumpf von der Bildfläche – und Schneider-Ammann blieb als Buhmann zurück. Er wird im Vergleich zu Widmer-Schlumpf unter seinem Wert verkauft. Denn er ist ein schlechter Selbstdarsteller.
Was würden Sie als Finanzminister anders machen als Widmer-Schlumpf?
Es wäre überheblich, dies nun anzukündigen. Als Erstes müsste man sicher Prozesse und Abläufe hinterfragen. Die Verwaltung wächst ständig und im Vergleich zur Wirtschaft überproportional. Der Staat sollte sich aber auf die wichtigen Aufgaben konzentrieren.
Sie sind Sparpolitiker. Gleichzeitig waren Sie die treibende Kraft hinter der Aufstockung des Armeebudgets. Wie geht das zusammen?
Kein anderer Bereich hat in den letzten Jahren derart sparen müssen wie die Armee. Die Armee kann mit den bestehenden Mitteln ihren Auftrag zum Schutz des Landes nicht erfüllen. Darum habe ich mich für mehr Mittel eingesetzt.
Es war Ihr Vorschlag, das Armeebudget zu erhöhen und damit auch neue Kampfjets zu finanzieren. So sorgten Sie dafür, dass sich das Volk nicht zu den Jets äussern kann.
Mit Ausnahme der SVP wollte keine Partei ein Finanzreferendum. Ausgerechnet bei der Jet-Beschaffung sollte dies nun möglich sein? Das lehne ich ab.
Was sagen Sie zum Gripen-Jet?
Der Bundesrat hat sich für einen VW statt für einen Mercedes entschieden. Ich kann nicht beurteilen, ob der Gripen die technischen Voraussetzungen erfüllt. Vor allem begrüsse ich aber, dass der neue Jet jetzt gekauft wird. Ich hatte kein Verständnis für die Haltung des Gesamtbundesrats, der sagte: Wir haben zwar Millionen in die Evaluation gesteckt, verschieben den Kauf nun aber.
Grosszügig ist die SVP in der Regel auch mit den Bauern. Sie auch?
Ich bin ein Bauernsohn und fühle mich der Scholle verbunden. Die Bauern müssen sich mit zu viel Richtlinien und Vorschriften rumschlagen. Da ist eine Art Sozio-Öko-Gesetzgebung entstanden. Diesen gordischen Knoten sollte man durchschlagen, dort liegt das Problem. Und nicht darin, dass zu viel Geld in die Landwirtschaft fliessen würde.
Wenn Sie gewählt werden, wird der urbane Kanton Zürich durch zwei Politiker im Bundesrat vertreten, die aus dem bäuerlichen Milieu stammen. Macht das Sinn?
Ich habe keinen bäuerlichen Werdegang. Als Präsident des Gewerbeverbands, Vorstandsmitglied von Economiesuisse und langjähriger Finanzpolitiker sehe ich mich sehr wohl auch als Vertreter des urbanen Zürichs. (Bernerzeitung.ch/Newsnet)
Erstellt: 03.12.2011, 12:31 Uhr
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82 Kommentare
die SVP hat keinerlei Anspruch, die Partei hat eigentsändig Ihre Bundesrätin aus der Partei geworfen (was Ihr gutes Recht ist, sie muss aber die Konsequenzen selber tragen) und will jetzt einen zusätzlichen Sitz (politisch gesehen hätte sie mit diesem Buäbetrickli reell 3 Sitze, denn Frau Schlumpf war SVP Politikerin Ihr ganzes Leben lang und macht heute noch SVP Politik) Antworten
Wie blöd muss man sein, eine potentielle Mitbundesrätin mit der man zusammenarbeiten muss so zu brüskieren. Sollte EWS gewählt werden, dann stellt sich ja schon die Frage für die Parlamentarier, ob es Sinn macht diese beiden zusammen in den Brundesrat zu delegieren. Das Potential zum Krach, Intoleranz und Unkollegialität wäre in grossem Mass vorhanden. So scheint mir dieser Herr nicht wählbar. Antworten
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