«Ich will nicht nur Akten lesen, sondern auch Romane»
Von Patrick Feuz. Aktualisiert am 12.08.2010 24 Kommentare
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Würden Sie es begrüssen, wenn Simonetta Sommaruga Bundesrätin würde?
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Sommarugas Versprechen
SP-Ständerätin Simonetta Sommaruga hat gestern vor den Medien ihre Kandidatur für die Nachfolge von Moritz Leuenberger begründet. Sie stellte sich als «lösungsorientierte und nicht auf Polarisierung bedachte» Politikerin dar. Mit «Offenheit, Ehrlichkeit, einer vorausschauenden Politik und dem Willen, auch unbequeme und schwierige Fragen anzupacken» möchte sie dazu beitragen, dass der Bundesrat das Vertrauen der Bevölkerung zurückgewinnt. «Vorausschauend» heisst für sie etwa, dass der Bundesrat auf die neue Ausgangslage im Verhältnis zur EU reagiert und «Entscheidgrundlagen» für Alternativen zum bilateralen Weg erarbeitet. So seien zum Beispiel auch Norwegens Erfahrungen im EWR genauer zu prüfen. Eine Diskussion über den EU-Beitritt hält sie hingegen aufgrund der geringen politischen Erfolgschancen für «unproduktiv». (paf)
Sie versichern, lange um Ihre Bundesratskandidatur gerungen zu haben. Aber in Tat und Wahrheit haben Sie dieses Amt doch seit Jahren angestrebt.
So ist es nicht. Ich habe mir die Kandidatur in den letzten vier Wochen sehr genau überlegt und mich mit meinen Ängsten und Befürchtungen auseinandergesetzt. Ich habe mich gefragt, ob ich diesem Amt gewachsen bin. Ob ich meine politischen Stärken im Bundesrat einbringen kann. Und ob mir als Bundesrätin genug Freiräume und Zeit für Kreativität bleiben. Das war ein sehr wichtiger Prozess für mich.
Freiräume? Kreativität?
Ich weiss, was für mich lebenswichtig ist: meine Partnerschaft, enge Freundschaften, Klavier spielen, hin und wieder im Garten arbeiten. Und ich will nicht nur Akten lesen, sondern auch Romane, Erzählungen und Märchen.
Sie wollen dafür sorgen, dass die Bevölkerung das Vertrauen in den Bundesrat zurückgewinnt. Mit diesem Anspruch sind schon Doris Leuthard und Didier Burkhalter angetreten – und gescheitert. Warum soll es Ihnen gelingen?
Es wäre vermessen, zu meinen, eine einzelne Person könnte den Wandel schaffen. Aber ich will einen Beitrag leisten. Wenn genug Bundesräte gewillt sind, daran zu arbeiten, wird das Vertrauen in den Bundesrat zurückkehren. Das passiert aber nicht von heute auf morgen. Mit der starken Personalisierung und Mediatisierung der Politik ist es schwierig geworden, Kollegialität zu leben.
Was beinhaltet Kollegialität?
Bundesräte sollen nicht ständig ihre persönliche Meinung hinausposaunen oder gar öffentlich Kollegen schlechtmachen. Und sie müssen bereit sein, sich auf Lernprozesse innerhalb der Regierung einzulassen. Jeder soll mit seinen eigenen Vorstellungen in die Diskussion steigen, aber immer im Bewusstsein, dass der andere recht haben könnte. Zuhören, neugierig bleiben, sich aufeinander zubewegen – solche gemeinsamen Lernprozesse faszinieren mich.
Als Gemeinderätin in der Berner Vorortgemeinde Köniz haben Sie das unbedeutende Feuerwehrdepartement geleitet. Ist das genug Führungserfahrung für das Bundesratsamt?
Das Feuerwehrdepartement in Köniz ist politisch vielleicht nicht besonders bedeutend, aber mit einer gemischten Feuerwehr aus Profis und Milizlern eine anspruchsvolle Führungsaufgabe. Ausserdem trat ich vor 18 Jahren meinen ersten Führungsjob als Geschäftsführerin des Konsumentenschutzes an.
Es heisst, Sie hätten den Gemeinderatskollegen ständig in deren Dossiers hineingeredet. Wollen Sie im Bundesrat besserwisserisch überall eingreifen?
Gut vorbereitet sein, mitreden und mitgestalten – das erwarte ich von jedem Mitglied einer Exekutive. Bundesräte sollen sich Gedanken über die Geschäfte ihrer Kollegen machen. Entscheidend ist aber die Art und Weise, wie sie sich einbringen. Falsch ist es, zuerst an die Öffentlichkeit zu gelangen und erst dann im Kollegium zu diskutieren. Damit eine Regierung funktioniert, sind zudem menschliche Qualitäten wichtig. Man muss einander respektieren.
Die Medien stellen Sie als Lichtgestalt dar – als hochkompetente Brückenbauerin mit Feingefühl und Kommunikationstalent. Ist Ihnen die Topstar-Rolle nicht unheimlich?
Ich bin ein nüchterner Mensch. Heute wird man hochgejubelt und morgen abgeschrieben – so funktionieren die Medien. In den nächsten Wochen werden Dinge eine Rolle spielen, die ich nicht beeinflussen kann. Die Parlamentarierinnen und Parlamentarier kennen mich als Person und wissen, was ich geleistet habe. Wenn sie mich wählen, freut mich das. Aber ich werde mich nicht verbiegen, um gewählt zu werden.
Keine Angst vor dem Obama-Syndrom? Davor, dass Sie die hoch gesteckten Erwartungen nur enttäuschen können?
Es stimmt, ich spüre schon jetzt einen grossen Erwartungsdruck. Aber es ist absurd, so zu tun, als könnte eine neue Bundesrätin das ganze Land verändern. Eine solche Haltung führt zwangsläufig zu Enttäuschungen. Solange ich aber ich selber bleibe, habe ich nicht das Gefühl, ungerechtfertigte Erwartungen zu wecken und Menschen zu enttäuschen.
(Tages-Anzeiger)
Erstellt: 11.08.2010, 21:45 Uhr
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24 Kommentare
Nach Blocher kommt Sommaruga! Wieder in andere Geschäfte dreinreden und im Vorfeld grosse Töne von sich geben. Das hat noch nie ein gutes Fundament gegeben. Ich bezweifle, ob Sommaruga die richtige Person für den Bundesrat ist. Aber wir haben ja gar keine Wahl. Wir müssen nehmen was man uns vorsetzt. Antworten
Frau Sommaruga scheint aufgrund ihres Persönlichkeitsprofils eine valable BR-Kandidatin zu sein. Mir passt allerdings wie auch Herr P.Meier ihre EU-Absichten nicht! Als Parlamentarier hätte ich Schwierigkeiten ihr meine Stimme zu geben (ausser ich wäre bei der SP/Grünen), da ich nicht in die EU möchte, um die Staatsform der CH (dir.Demokratie/Föderalismus usw.) beibehalten zu können,daher nur EWR. Antworten
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