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Hooligan-Schäden: Geringer als behauptet?

Aktualisiert am 05.01.2012 48 Kommentare

Laut einem Pressebericht sollen die Kosten durch Sachbeschädigungen, die Fussballfans bei ihren Zugreisen anrichten, weitaus geringer sein als kommuniziert. Die SBB dementieren.

Verwüstung durch Hooligans: Aufnahme eines SBB-Zugs für heimkehrende Fans.

Verwüstung durch Hooligans: Aufnahme eines SBB-Zugs für heimkehrende Fans.
Bild: Keystone

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Die ungedeckten Kosten durch randalierende Fans, die Züge auf dem Weg zu und von Sportanlässen beschädigen, wurden von den SBB gegenüber den Medien auf rund drei Millionen Franken veranschlagt – eine Zahl, die in einem Artikel in der Wochenzeitung «WOZ» nun bestritten wird. Demnach habe die «Schadenssumme» an den über 200 Extrazügen für Fussballfans laut einem internen SBB-Papier rund 225'000 Franken betragen.

Sie SBB bleiben jedoch bei ihrer Aussage, dass die ungedeckten Kosten durch die Fussballfans in der genannten Höhe liegen. Mediensprecher Reto Kormann verweist darauf, dass von den drei Millionen Franken etwa die Hälfte für zusätzliches Personal anfalle: Zugbegleiter, Sicherheitsleute und andere Mitarbeiter, die eigens für die Fanzüge abgestellt werden müssten.

Schäden an Bahnhöfen nicht berücksichtigt

Die verbleibenden 1,5 Millionen Franken setzten sich laut Kormann aus den Kosten für die aufwendige Reinigung der Züge zusammen – und aus jenen Schäden, die durch Randale entstanden sind. Wie gross sie wirklich sind, will der Sprecher tatsächlich nicht exakt angeben, weil die einzelnen Positionen auf buchhalterischem Weg beziffert werden. Die Kosten etwa für eine zerbrochene Scheibe, die nach der Fahrt von SBB-Fachleuten entdeckt wird, werden mit einem Kalkulationsansatz eingerechnet – aber nicht anhand der tatsächlich geleisteten Arbeiten mitsamt dem Reparaturmaterial.

Eine wirklich genaue Bezifferung der Gesamtschäden machen die SBB nicht, doch laut Kormann entspricht diese «erste oberflächliche Schadensaufnahme» durch das Zugpersonal der SBB durchaus den realen Werten. Zumal in der Summe, die von der «WOZ» genannt wird, Schäden an Bahnhöfen nicht enthalten sind, die teilweise beträchtlich seien. «Nach manchen Spielen waren die Bahnhöfe mit Fan-Aufklebern ihrer Klubs regelrecht zugekleistert», so Kormann gegenüber Bernerzeitung.ch/Newsnet, «die Kosten, um sie zu entfernen, sind entsprechend hoch.»

Hoffnung auf Besserung – bei allen Beteiligten

Die Wochenzeitung berichtet weiter, dass die Erfahrungen mit den Fanzügen in jüngster Zeit besser geworden seien – mit Bezug auf ungenannte SBB-Verantwortliche und auch den CEO der Swiss Football League, Claudius Schäfer, dem zufolge von den Vereinen viel Positives zu hören sei. Folgerichtig wirft der Artikel die Frage auf, warum die SBB sich zu diesem «ermutigenden Trend» bedeckt halten und keine Zahlen publizieren.

«Weil wir keinen ‹Hooligan-Wettbewerb› der angerichteten Schäden provozieren wollen», antwortete Sprecher Kormann gegenüber dem Blatt. Dass die Entwicklung tatsächlich ermutigend sei, bestreitet er gar nicht: «Bei einzelnen Klubs stellen wir einen leicht positiven Trend fest», sagt er und nennt als Beispiel das Pilotprojekt der SBB mit den Berner Young Boys, bei dem der Klub die Züge zwar nicht chartern muss, aber für die Billettkontrolle und für die Überwachung von Sicherheit und Sauberkeit zuständig ist.

Die Auswertung dieses Versuchs soll noch im ersten Quartal 2012 vorliegen und publiziert werden, so Kormann. Dass die Sachbeschädigungen durch randalierende Fans schweizweit zuletzt leicht abgenommen haben, ist laut dem Sprecher zwar korrekt – doch von einer nachhaltigen Verbesserung könne noch nicht die Rede sein. «Es gab auch in früheren Spielzeiten mehrmonatige Phasen, in denen die Schäden geringer waren. Doch dann wurde es wieder anders», sagt er, «man sollte sich deshalb nicht zu früh freuen.»

(raa)

Erstellt: 05.01.2012, 14:14 Uhr

48

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48 Kommentare

Chris Chelios

05.01.2012, 14:49 Uhr
Melden 76 Empfehlung

Schön, dass der Tagi das bringt. Fussball Fans haben sonst keine Lobby. Die WOZ ist eine der wenigen Zeitungen die sich sachlich mit dem Thema auseinandersetzt, weil dort mit Pascal Claude jemand schreibt der wirklich Ahnung von der Materie hat. Die meisten anderen Blätter drucken meistens nur Polizei- und Pressemitteilungen ab, ohne redaktionelle Bearbeitung. Unterlegt mit Pyro Bildern. Antworten


Arthur Kumet

05.01.2012, 14:54 Uhr
Melden 56 Empfehlung

Macht es denn wirklich etwas aus, wenn sich der Direktschaden auf 225'000 und nicht 3 Mio. beziffern lässt? M.E. ist vielmehr die Tatsache der Schädigung das Ausschlaggebende. Als Steuerzahler, die indirekt die Kosten dieser unentschuldbaren Handlungen tragen müssen, sollten wir es nicht dulden, überhaupt Kosten auf uns abwälzen zu lassen. Antworten




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