Hildebrands heikle Geschäfte
Von Arthur Rutishauser. Aktualisiert am 04.01.2012 412 Kommentare
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Es sind heikle Devisengeschäfte, die Philipp Hildebrand und seine Frau Kashya im letzten Jahr getätigt haben. Angeprangert wird jetzt vor allem ein Dollarkauf am 15. August, zu einem Zeitpunkt nahe am absoluten Höchstkurs des Schweizer Frankens, sowie ein Dollarverkauf am 12. Oktober zu einem wesentlich tieferen Kurs.
Nutzte der Präsident der Nationalbank sein Insiderwissen aus? Am 6. September hatte die Schweizerische Nationalbank (SNB) bekanntlich die Untergrenze zum Euro bei 1.20 Franken festgesetzt. Und bereits vorher griff die Nationalbank mit Devisenmarktinterventionen in den Handel ein.
Auch über das Konto der Tochter
Die Hildebrands sollen einen Gewinn von 61'000 Franken aus dem Kauf und Verkauf von Dollar an diesen beiden Daten erzielt haben. Diese Zahlen, die seit Sonntag in der Öffentlichkeit kursieren, stammen aus den internen Bankdokumenten der Bank Sarasin, (BSAN 26.25 -0.19%) die Christoph Blocher von einem Sarasin-Mitarbeiter erhalten und später dem Bundesrat übergeben hat. Sowohl Hildebrand als auch die Nationalbank hüllen sich weiterhin in Schweigen.
Recherchen des «Tages-Anzeigers» brachten einiges über die Zusammenhänge zutage. Hintergrund für die Transaktionen ist offenbar ein Immobiliengeschäft, das die vom Bundesrat eingesetzten Prüfer von PricewaterhouseCoopers nebst den Devisentransaktionen ebenfalls unter die Lupe genommen haben. Im Gespräch mit dem TA zeichnet eine Auskunftsperson aus dem Umfeld von Hildebrand den Ablauf der Geschehnisse wie folgt nach:
Hildebrand kauft bereits Anfang des Jahres Dollar. Die Mittel dazu stammen aus dem Verkauf seines Ferienhauses in Gstaad. Das Anwesen befand sich zu weit weg von Zürich und wurde darum kaum benützt. Der Banker und seine Familie legen ihre liquiden Mittel grundsätzlich immer hälftig in Dollar und Franken an.
Am 15. August kauft Kashya Hildebrand über das Konto ihres Mannes, für das sie eine Vollmacht besitzt, bei der Zürcher Niederlassung der Bank Sarasin Dollar für 400'000 Franken. Zum damaligen Umrechnungskurs erhält sie 512'000 Dollar. Auch über das Konto der elfjährigen Tochter werden rund 20'000 Dollar gekauft. Das Konto ist für die geplante Collegeausbildung der Tochter in den USA eingerichtet worden.
Dollar fast «lächerlich billig»
Gegenüber der TV-Sendung «10 vor 10» erklärt Kashya Hildebrand in einem schriftlichen Statement: «Mein Interesse am Dollarkauf war dadurch motiviert, dass er auf einem Rekordtief und fast lächerlich billig war.» Es sei für sie als ehemalige Finanzspezialistin naheliegend gewesen, die gute Gelegenheit für einen Kauf zu nutzen. Sie habe sich bei dieser Transaktion «wohlgefühlt». Zudem wickle sie als international tätige Galeristin «70 bis 80 Prozent» aller Transaktionen in Dollar ab.
Als Philipp Hildebrand Kenntnis vom Devisenkauf seiner Frau nimmt, meldet er dies umgehend dem Compliance-Verantwortlichen bei der SNB. Dieser sieht keinen Handlungsbedarf.
Ersatz für das Ferienhaus
Im Herbst wird bei der Familie Hildebrand der Kauf einer Ferienwohnung als Ersatz für das im Frühling abgestossene Ferienhaus aktuell. Die Wohnung liegt im Bündnerland. Zwecks Finanzierung verkauft die Familie Hildebrand am 12. Oktober Dollar aus ihren Beständen. Angeblich sollen es deutlich weniger als die 512'000 Dollar sein, die im August gekauft wurden.
Hat der Präsident der Nationalbank damit gegen die internen Regeln verstossen, wie das seine politischen Gegner behaupten? Das Reglement über Eigengeschäfte des Direktoriums legt unmissverständlich fest, dass zwischen einem An- und Verkauf eine Frist von mindestens sechs Monaten verstreichen muss. Diese Frist ist dann eingehalten, wenn es beim Oktoberverkauf um die im Frühjahr oder früher gekauften Dollarbestände ginge. Offenbar befanden die Prüfer, unter ihnen neben PricewaterhouseCoopers auch Kurt Grüter, der Direktor der Eidgenössischen Finanzkontrolle, und sein Stellvertreter, dass damit die nötigen Fristen eingehalten wurden.
Um jeden Verdacht einer Bereicherung zu widerlegen, hätte Philipp Hildebrand den Gewinn aus dem Dollar-Geschäft seiner Frau Kashya auch einfach zurückgeben oder spenden können. Dem Vernehmen nach soll dies auch geschehen sein. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 04.01.2012, 08:08 Uhr
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412 Kommentare
Darf man eigentlich heutzutage nichts mehr mit seinem Geld machen ohne die Öffentlichkeit zu informieren? Das Geschäft ging ohne Insiderwissen über die Bühne. Widmen wir uns doch Blocher zu. Wenn er die Unterlagen von einem Sarasin-Angestellten empfangen hat, muss er wissen, dass diese Unterlagen nicht auf dem rechten Weg in die Hände des Angstellten gelangt sind. Also Blocher anklagen. Antworten
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