Hildebrand und sein Bischof
Von Hubert Mooser. Aktualisiert am 20.01.2012 23 Kommentare
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Da schickt sich der neue Solothurner Ständerat Pirmin Bischof (CVP) in einer Kolumne der «Aargauer Zeitung» an, den Ex-Präsidenten der Schweizerischen Nationalbank, Philipp Hildebrand, als Opfer eines Rachefeldzugs und einer Medienkampagne darzustellen. Und verliert kein Wort darüber, dass die Devisengeschäfte der Familie Hildebrand vielleicht doch ein wenig heikel sein könnten.
Der SNB-Präsident hat bewusst oder unbewusst Nutzen aus einem berufsbedingten Vorteil gezogen und dabei ganz nebenbei 70'000 Franken eingestrichen. Was für einen Anwalt aus dem Kanton Solothurn ein Klacks sein mag, ist für viele Schweizer – darunter auch viele CVP-Stammwähler – mehr als ein Jahreslohn. Die Kritik an diesem Devisengeschäft hat nichts mit Futterneid zu tun, sondern mit Ungerechtigkeitsempfinden.
Wo bleibt die Gerechtigkeit?
Gerade wegen solcher Geschichten empfinden immer mehr Menschen in diesem Lande, es gehe in unserer Gesellschaft nicht mehr fair und gerecht zu. Das müsste eigentlich auch ein CVP-Politiker wie Bischof wissen, wo doch seine Partei bei jeder Gelegenheit auf die christliche Sozialethik pocht. Oder gehört die gerechte, faire und breite Verteilung des Wohlstandes etwa nicht mehr zu dieser Sozialethik?
Hildebrand muss man zugute halten, dass er eine strengere Regulierung des Finanzmarktes versuchte und teilweise auch durchsetzte. Dazu gehören zum Beispiel höhere Eigenmittelanforderungen für Grossbanken. Aber bräuchte es nicht auch einen strikteren Anlegerschutz? Müssten die Banken nicht gezwungen werden, einen Prozentsatz der verkauften Papiere in den eigenen Büchern zu behalten?
Die Schweiz ist nicht Ungarn
Solche Vorschläge bekommt man vom Solothurner Finanz- und Wirtschaftsexperten Pirmin Bischof leider nicht zu hören. Stattdessen klagt er, Christoph Blocher und die SVP wollten Einfluss nehmen auf die Politik der Nationalbank. Natürlich will er das. Aber haben die Vertreter anderer Parteien inklusive Bischofs CVP im Frühjahr 2011 nicht das gleiche Ziel verfolgt, als sie nach Massnahmen der SNB (SNBN 1089 2.06%) riefen? Als die Nationalbank dann im August erste Schritte gegen den starken Franken ankündigte, kritisierte auch Bischof, mit dieser «sanften Reaktion» werde die globale Entwicklung wohl nicht gestoppt. Wie bitte muss man diese Kritik verstehen – als Einflussnahme?
Philipp Hildebrand ist nicht gescheitert, weil eine Partei oder eine politische Gruppierung die Nationalbank kontrollieren will. Die Schweiz ist nicht Ungarn und Christoph Blocher nicht Viktor Orban. Hildebrand scheiterte an sich selber. Weil er vielleicht zu spät gemerkt hat, dass man als oberster Währungshüter mit einem Jahresverdienst von einer Million Franken besser keine privaten Devisengeschäfte abwickeln sollte. Das sollte vielleicht auch der Solothurner Bischof langsam begreifen. (Bernerzeitung.ch/Newsnet)
Erstellt: 20.01.2012, 15:19 Uhr
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23 Kommentare
Obwohl seit dem Rücktritt niemand mehr ernsthaft am Selbstverschulden Herrn Hildebrands zweifeln kann, reiht sich jetzt auch Herrn P. Bischoff CVP im Club der Weisswäscher ein. Ist es Verblendung oder einfach Ignoranz, es ist schwer zu beurteilen? Er hätte ja auch einfach schweigen und die einschlägigen Untersuchungsergebnissen abwarten können, was vermutlich am gescheitesten gewesen wäre. Antworten
Der neugewählte Ständerat Pirmin Bischof, sollte sich besser nicht als Wirtschaftsexperte aufspielen. Als treibende Kraft im Solothurner Bankrat verschuldete er im Kantonalbankdebakel einen Schaden von fast 400 Millionen. Die PUK warf damals dem Bankrat vor, fahrlässig gehandelt zu haben. Da sind die 70'000, die sich Hildebrand nebenbei verdient hat, für Bischof natürlich Penuts. Antworten
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