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«Helden mit Eiern»

Aktualisiert am 05.03.2010

Wenn sich Politikerinnen und Politiker auf Facebook austoben: Schweizer Parlamentarier nutzen die Community-Plattform rege, sie tippen ihre Kommentare selbst während der Parlamentsverhandlungen. Und vergreifen sich dabei immer wieder im Ton.

Forsch bis gehässig: Die Nationalräte Antonio Hodgers (l.) und Ada Marra loben, diskutieren und provozieren auf Facebook.

Forsch bis gehässig: Die Nationalräte Antonio Hodgers (l.) und Ada Marra loben, diskutieren und provozieren auf Facebook.
Bild: Keystone

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Schweizer Politiker haben Facebook ( 31.91 -3.39%) als Diskussionsforum entdeckt. In Pinnwandeinträgen und Statusmeldungen setzen sie sich für die eigene Sache ein und diskutieren über ihre politischen Anliegen. Gerade jetzt, wo die Frühlingssession in vollem Gang ist, laufen die Parlamentarier zu Hochform auf. Sie schreiben direkt aus dem Bundeshaus, dokumentieren ihren politischen Alltag, beglückwünschen oder kritisieren sich in Echtzeit oder lassen sich auf Wortwechsel ein – nicht selten vergreifen sie sich dabei im Ton.

«Ohne Papiere, dafür mit Eiern»

So postete die Waadtländer SP-Nationalrätin Ada Marra ein Foto ihrer Genfer Kollegen Antonio Hodgers (Grüne) und Luc Barthassat (CVP), auf dem diese posieren, nachdem mehrere Sans-Papiers-Motionen durchkamen. Marras Kommentar: «Les héros du jour… Sans papiers mais avec des couilles» (die Helden des Tages … ohne Papiere aber mit Eiern). «Ich wollte einfach nur ihre Arbeit loben», sagt Marra gegenüber der welschen Zeitung «Le Matin». Sie nutze Facebook auf eine politisch-spielerische Weise.

Der Genfer FDP-Nationalrat Christian Lüscher fand das hingegen nicht ganz so lustig und hinterliess auf dem Profil von Antonio Hodgers einen Kommentar. In diesem warf er Hodgers vor, seinen persönlichen Erfolg vor die Migrationsdebatte gestellt zu haben. Das Rahmengesetz zur Integration habe er nämlich abgelehnt. «Gewisse Grüne haben wohl das Gefühl, sie könnten blind die Vorschläge anderer verwerfen», so Lüscher.

Hoders antwortete prompt und unzimperlich: «Buhuhuh, Christian, ich kaufe dir einen Schleckstengel, um dich zu trösten, versprochen!» Worauf Lüscher konterte: «Welch intelligente Begründung!» Die Einträge sind mittlerweile gelöscht worden.

Erklärungen oder Attacken?

Nutzen Politiker die Plattform etwa, um vor Publikum auf ihre Gegner loszugehen? «Keineswegs. Das war eine Klarstellung, damit die Leute die Sachlage verstehen», sagt Christian Lüscher gegenüber «Le Matin». Hodgers hingegen empfand den Seitenhieb seines Kollegen als persönliche Attacke: «Ich finde es schade, dass ein Kollege auf diese Weise seinen Senf dazugibt.»

Doch der Grüne teilt selber gerne aus und lässt sich auch mit anderen Parlamentariern auf Wortgefechte ein. Etwa mit seinem Genfer Nationalratskollegen Carlo Sommaruga (SP). Dessen Partei wirft er vor, die Genfer Energiedebatte stiefmütterlich zu behandeln und nun die Allianz mit den Grünen zu fürchten. «Ist er etwa eifersüchtig auf seinen kleinen Bruder, der gross geworden ist?» fragt Hodgers frech. Sommaruga reagiert ähnlich angriffig: «Man sollte sich erkundigen, bevor man irgendwas daherredet.»

Auch wenn solche Ausrutscher neben viel Lob eher die Ausnahme bleiben, ist der Ton der Politiker auf Facebook doch oft forsch, wenn nicht sogar gehässig. Das letzte Wort ist hier wohl noch längst nicht gepostet.

(reh)

Erstellt: 05.03.2010, 12:21 Uhr


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Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.