Hamsterkäufe vor dem Lichterlöschen der Glühbirne
Von Stephan Israel, Brüssel. Aktualisiert am 27.08.2009 11 Kommentare
Für ein Auslaufmodell hat die alte Glühbirne noch ausgesprochen viele Freunde. Die Hersteller berichten jedenfalls von regelrechten Hamsterkäufen, vor allem aus den Ländern Deutschland, Österreich und Ungarn. Am 1. September macht die Europäische Union nämlich ernst mit dem Ende der Glühbirne.
Glühbirnenfreie Zone
Der Abschied von den vertrauten Leuchten kommt in Schritten. Ab dem nächsten Dienstag dürfen die Lampen ab 100 Watt und alle matten Glühbirnen weder importiert noch vertrieben werden. In den nächsten zwei Jahren werden dann die Glühbirnen mit geringerer Leistung ausrangiert, bis Europa 2012 schliesslich ganz zur glühbirnenfreien Zone wird.
Was in den Regalen steht, darf zwar noch verkauft werden. Doch angesichts der Nostalgie der Kunden dürfte dieser Vorrat in den Geschäften ziemlich schnell aufgebraucht sein. Bis zuletzt tobte noch ein Streit zwischen den Befürwortern und den Gegnern des Glühbirnenverbots. Die herkömmlichen Lampen verwandelten nur fünf Prozent der Energie in Licht, während der Rest als Wärme verpuffe, begründete die EU-Kommission.
Der Energieverbrauch sinkt
Die Behörde in Brüssel verspricht sich aus diesem Grund ein riesiges Energiesparpotenzial, wenn die europäischen Verbraucher erst einmal gezwungen sein werden, auf Energiespar- und Halogenlampen umzusteigen. Jeder Haushalt könne seinen Energieverbrauch um zehn bis 15 Prozent senken und im Jahr 50 Euro einsparen, wenn erst alle traditionellen Beleuchtungskörper ersetzt seien, heisst es. Die neuen Lampen seien deshalb trotz der deutlich höheren Gestehungspreise schnell einmal amortisiert.
Im EU-Parlament kämpfte der CSU-Abgeordnete Markus Ferber aus Augsburg bis zuletzt dafür, das Glühbirnenverbot noch zu kippen. Das Verbot sei umweltpolitisch sinnlos. Unter anderem, weil Energiesparlampen Quecksilber enthielten und deshalb wie Sondermüll entsorgt werden müssten.
Das Glühbirnenverbot sei ein Fall von Zwangsbeglückung und gehe an der Lebenswirklichkeit der Bürger vorbei, sagen die Kritiker. Sie stehen den neuen Lampen skeptisch gegenüber, weil diese noch immer den Ruf haben, ein ungemütliches Licht auszustrahlen. Auch der liberale Abgeordnete Holger Krahmer aus Leipzig sieht im Glühbirnenverbot ein typisches Beispiel dafür, wie die Europäische Union die Bürger bevormunden wolle.
Die Kritiker und ihre Einwände
Selbst verschiedene Umwelt- und Verbraucherschutzorganisationen teilen diese Kritik. Das Einsparpotenzial sei weit geringer, als dies von den Herstellern und der EU-Kommission dargestellt werde. Das Verbot komme ausserdem zu früh, denn die Energiesparlampe sei nur eine Übergangslösung. Die Zukunft gehört der sogenannten LED-Technik, doch auch hier haben die Hersteller mit der Lichtfarbe noch einige Probleme.
Vor allem die EU-Kommission hat beim Verbot der guten alten Glühbirne Tempo gemacht, unter dem Druck von Lobbyisten und den Herstellern von Energiesparlampen, sagen die Kritiker. Diese Produzenten blieben bisher auf ihren teuer entwickelten Produkten sitzen. Das wird sich jetzt dank den Vorschriften aus Brüssel und dank dem EU-Glühbirnenverbot bestimmt schnell ändern.
Osram und Philips freuen sich
Als die grössten Gewinner in diesem Streit um die Glühbirnen dürften am Ende voraussichtlich die beiden grossen europäischen Hersteller Osram und Philips dastehen. Denn auf den Energiesparlampen sind die Margen viel grösser, und die in der Kritik stehenden billigen Glühbirnen werden mittlerweile ohnehin fast nur noch von der Konkurrenz im ferneren Ausland fabriziert. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 27.08.2009, 21:43 Uhr
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11 Kommentare
furchtbare zeiten kommen da auf uns zu...! - unkontrolliert entsorgter quecksilbermüll - kopfweh statt romantik - arme leute die im dunkeln sitzen weil sie sich die teuren, und scheussliches licht verbreitenden sparbirnen nicht leisten können.... mir ist zum heulen Antworten
Bei mir haben sie ein Baugebiet neu erschlossen, unsere Strasse verbreitert und überall jede Menge Laternen aufgestellt. Es ist jetzt bei uns nicht nur am Tag, sondern auch in der Nacht TAGHELL - wie überall in der Schweiz! NEIN mit Sicherheit hat das so wenig zu tun wie sparen! Hier regiert die Wirtschaft und nicht die Vernunft! Ja, so ist's - mitunter nur ein bisschen schwer zu verstehen. Antworten
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