Gutscheine für eine gute Bildung
Für den modernen Arbeitnehmer gilt: «Lebenslanges Lernen». Laut Ursula Renold, Direktorin des Bundesamtes für Berufsbildung und Technologie (BBT), schneidet die Schweiz beim Befolgen dieses Mottos im internationalen Vergleich gut ab. Unter den OECD-Ländern stehen die Eidgenossen immerhin auf Platz fünf.
Trotzdem taucht die Frage, wie Weiterbildung gefördert werden soll, immer wieder auf der politischen Traktandenliste auf. Um zu prüfen, ob sich Bildungsgutscheine als Instrument dazu eignen, ist das BBT in einem laut Renold «weltweit einmaligen Pilotprojekt» dieser Frage nachgegangen. Dazu wurden im Januar 2006 an 2400 zufällig ausgewählte Personen Bildungsgutscheine verteilt, die sie frei zur Weiterbildung einsetzen konnten. Ihr Verhalten wurde mit rund 10 000 Personen verglichen, die keine Gutscheine erhalten haben.
Gestern nun präsentierte das BBT die Ergebnisse der Studie. Die Bereitschaft, eine Weiterbildung zu absolvieren, ist dank den Gutscheinen leicht gestiegen, kommt die Studie zum Schluss: Die Weiterbildungsquote stieg von 34 auf 40 Prozent. Wie erwartet aber sind Gutausgebildete viel eher bereit, sich weiterzubilden als Personen aus bildungsfernen Schichten. So etwa haben über 25 Prozent der Fachhochschul- oder Hochschulabsolventen die Bildungsgutscheine eingelöst. Davon hätten jedoch knapp 80 Prozent auch ohne staatlichen Zustupf eine Weiterbildung begonnen.
Bei jenen hingegen, die nur gerade die obligatorische Schule besucht haben, waren es nicht einmal 10 Prozent, die sich für einen Weiterbildungskurs angemeldet haben. Nur gerade knapp 40 Prozent davon hätten eine Weiterbildung sowieso in Angriff genommen. Obwohl von den schlecht Ausgebildeten nur wenige die staatlichen Gutscheine genutzt haben, erachtet es Stefan Wolter, Projektleiter und Autor der Studie, durchaus für sinnvoll, Weiterbildung durch öffentliche Gelder zu fördern. Der Professor der Forschungsstelle für Betriebsökonomie der Universität Bern plädiert jedoch für eine «eng umschriebene Zielgruppe». Konkret für Personen mit tiefer Grundbildung und tiefem Einkommen. Sinnvoll seien Gutscheine im Wert von rund 1000 Franken.
Gerade bei solchen Leuten erziele jeder Franken eine grosse Wirkung, ergänzt die BTT-Direktorin. «Schlecht ausgebildete Menschen sind speziell in Zeiten wie diesen hochgradig gefährdet, durch den Verlust ihrer Arbeit in die Armut abzurutschen.» Renold spricht gar von einer «Zeitbombe» in diesem Zusammenhang. Könne so der Jobverlust verhindert werden, profitiere nicht zuletzt auch der Staat (siehe Text rechts).
Von einem flächendeckenden Einsatz der Gutscheine hingegen rät Wolter ab. Grund dafür ist, dass die Bildungsgutscheine bei besser gebildeten Personen nur in einem von drei Fällen zu einer Weiterbildung führte, die nicht sowieso schon geplant war.
Die Studie zeigte überdies, dass jene, die eine Weiterbildung absolviert hatten, ihre Gehälter nicht automatisch verbessern konnten. Um die Auswirkungen auf den Lohn feststellen zu können, sei die Studie jedoch zu kurzfristig angelegt gewesen, erklärt Wolter. Hingegen wurde deutlich, dass jene, die ihre Bildungsgutscheine eingelöst haben, sich im Jahr nach dem Experiment «signifikant mehr an neuen Kursen angemeldet haben als jene, welche die Gutscheine nicht verwendet haben», so Wolter. Und zwar um gut 55 Prozent. Im Hinblick auf das angestrebte Ziel ist dies durchaus positiv zu bewerten. Denn oberstes Ziel sei, die Leute mit den Gutscheinen so für Weiterbildungen zu motivieren, dass sie eine Berufslehre in Angriff nähmen. (Basler Zeitung)
Erstellt: 30.07.2009, 12:38 Uhr
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