«Gefahr, dass wir zur Schweizer Langsamkeit zurückkehren»
Interview: Claudio Habicht. Aktualisiert am 29.12.2009 49 Kommentare
«Das Lösen von Problemen wird wichtiger als die reine Lehre»: Politologe Andreas Ladner.
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Herr Ladner*, was wird uns in den nächsten zwei, drei Jahren wichtig sein?
Die Finanz- und Wirtschaftskrise wird überwunden sein und wir werden uns wieder auf die politischen Grossbaustellen konzentrieren. Es sind dies: Umweltbedrohung, Beschäftigung und soziale Sicherheit, Gesundheitswesen und steigende Lebenserwartung sowie die Integrationsfähigkeit unserer Gesellschaft. Die Gefahr ist allerdings gross, dass wir zur typisch schweizerischen Langsamkeit zurückkehren. Aus Krisen erwachsen immer auch Chancen für neue Lösungen.
Was ist vorbei?
Die Polarisierung, die unsere Politik in den letzten Jahren geprägt hat, wird zurückgehen. Die Politik nachhaltig gestalten können nur diejenigen Kräfte, denen es gelingt, Mehrheiten zu gewinnen und die Verantwortung in den Regierungen zu übernehmen.
Talente, von denen man hören wird?
Es werden junge PolitikerInnen sein, die sich gedanklich nicht mehr nur innerhalb der Parteigrenzen bewegen. Das Lösen von Problemen wird wichtiger als die reine Lehre. Dazu braucht es Mut und Pragmatismus.
Was sollte man sich nun vornehmen?
Sich stärker und unvoreingenommen mit politischen Fragen auseinandersetzen. Dass nicht alle gleicher Meinung sind, ist natürlich und nicht schädlich. Wichtig ist aber auch, dass die politischen Auseinandersetzungen mit einem Minimum an Anstand geführt werden und dass auf die Argumente der Gegenseite eingegangen wird.
Ihr persönliches Thema für die nächsten Jahre?
Natürlich wird mich auch in den nächsten Jahren das Parteiengezänk beschäftigen. Besonders interessiert mich aber der Reformbedarf der politischen Institutionen. Die Staatsleitung muss gestärkt werden, der Parlamentsbetrieb ist zu schwerfällig und wenig effektiv, mit der direkten Demokratie stossen wir immer häufiger in Bereiche vor, in denen die Entscheidungen nicht umgesetzt werden können - und das Land ist in eine zu grosse Zahl von Gemeinden und Kantonen gegliedert.
*Andreas Ladner ist Politologe und Professor am Institut de hautes études en administration publique (IDHEAP) in Lausanne.
(Bernerzeitung.ch/Newsnet)
Erstellt: 29.12.2009, 14:59 Uhr
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49 Kommentare
Eine Stellungnahme eines "Linken" Politologen, welche klarer nicht sein kann. Stärkung des Staates, Anzweiflung der Berechtigung der direkten Demokratie mit dem Einwand, die Volksentscheide nicht umsetzen zu können etc. Fehlt nur noch, eine Umverteilung der Vermögen zu fordern, wie der von Obama ernannte Van Jones in den USA, welcher darauf hin den Hut nehmen musste. Kein Patriot, kein Vorbild! Antworten
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