Fussgängersicherheit: Die Schweiz im Europa-Vergleich
Von Matthias Chapman. Aktualisiert am 27.12.2011 130 Kommentare
Tote auf Fussgängerstreifen (pro Million Einwohner)
Maximalbussen bei Nichtbeachten des Vortritts
Europäische und schweizerische Tests
2008 hatten der TCS und europäische Automobilclubs mit vergleichenden Studien die Sicherheit an Fussgängerstreifen unter die Lupe genommen. Es wurde klar, dass in Sachen Harmonisierung von Unfallstatistiken und Verkehrsregeln, aber auch in der Gestaltung von Fussgängerstreifen Nachholbedarf besteht. In den Folgejahren 2009 und 2010 wurden weitere Städte verglichen. 2011 hat der TCS einen schweizweiten Vergleich von Fussgängerstreifen durchgeführt. Resultat: Nur 45 Übergänge erhielten die Note «ausreichend» oder besser, ganze 55 waren «mangelhaft» bis «sehr mangelhaft». Der am schlechtesten bewertete Fussgängerstreifen befindet sich in Freiburg an der Kreuzung Rue de Lausanne und Rue Pierre-Aeby. Er ist trotz seiner Länge an einer unübersichtlichen Lage nicht signalisiert, ungenügend markiert, kaum beleuchtet, schlecht gewartet und deshalb nur schwer wahrnehmbar. Am besten abgeschnitten haben die Fussgängerstreifen in Frauenfeld, dabei insbesondere jener in der Laubgasse. Er ist relativ kurz, deutlich signalisiert und markiert, gut gewartet, effizient beleuchtet und verfügt über abgesenkte Trottoirränder. (cpm/sda)
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Es waren gesamthaft 270 Fussgängerstreifen in 18 europäischen Städten, die im Rahmen des Eurotests «Pedestrian Crossings Assessment 2010» auf ihre Sicherheit überprüft wurden. Fazit des Überblicks von Belgrad bis Oslo und Innsbruck bis Paris: Genau ein Fussgängerübergang schnitt mit der Gesamtnote «sehr mangelhaft» ab, nämlich jener an der Kreuzung Via San Gottardo/Via Genzana in Lugano. Bemängelt wurde fast alles: Keine Beleuchtung, mangelnde Sichtbarkeit sowohl bei Tag als auch bei Nacht, fehlendes Überquerungssystem (Ampel usw.).
Weil von den insgesamt 15 in Lugano getesteten Fussgängerstreifen aber dennoch 10 die Note «gut» erhielten, landete die Tessiner Stadt im Gesamtranking auf dem respektablen 5. Rang. Angeführt wurde die Rangliste von Luxemburg, Schlusslicht war Belgrad. Der internationale Städtevergleich war der dritte – und bislang letzte – seiner Art von Eurotest (siehe Kasten links).
Ein Jahr vorher schnitt Genf ganz schlecht ab, von 31 getesteten Städten landete die Rhonestadt auf Rang 27. Kritisiert wurde die Gestaltung der Übergänge, bei 40 Prozent der Fussgängerstreifen war die Sichtbarkeit bei Nacht mangelhaft. Mit Rang 5 erzielte Zürich 2008 ein deutlich besseres Resultat. Allerdings musste sich auch die Limmatstadt bei der Gestaltung der Übergänge die Note «mangelhaft» gefallen lassen. Sichtbarkeit und Zugang wurden aber löblich erwähnt.
Musterhaftes Holland
Wie sinnvoll solche internationalen Vergleiche sind, darüber lässt sich streiten. Gemacht werden sie trotzdem. Es war ebenfalls Eurotest, welche 2008 einen 10-Ländervergleich zu den Opferzahlen publizierte. Resultat: Mit 3 getöteten Fussgängern pro Million Einwohner belegte die Schweiz den unrühmlichen dritten Rang, hinter Norwegen (3,7) und Italien (3,4). Am besten schnitt Holland mit einem Wert von 0,6 ab. Die Zahlen für die Studie 2008 beruhen zwar auf Angaben von 2005, mit 20 Toten auf Fussgängerstreifen im letzten Jahr ist die Quote in der Schweiz aber gleich hoch geblieben. Auffallend: Holland schneidet auch in anderen Vergleichen punkto Fussgängersicherheit besser ab.
Bruno Kaufmann, Nordeuropa-Korrespondent des «Tages-Anzeigers», sagt dazu: «In Holland ist die Dichte der unterschiedlichen Verkehrsteilnehmer – Fussgänger, Velo und Auto – grösser, das erhöht offenbar die gegenseitige Rücksichtnahme.» Zudem sei Holland noch urbaner als die Schweiz, was diesen Effekt noch verstärken könne. Generell stellt Kaufmann fest, dass die Debatte über die Reduzierung – sprich Abschaffung – von Fussgängerstreifen weiter fortgeschritten sei. Die Idee dahinter: Die Vorsicht der Verkehrsteilnehmer – besonders aber der Fussgänger – werde dadurch grösser. «Fussgänger können sich nicht mehr einfach so auf die Strasse stürzen, nur weil sie sich durch Zebrastreifen geschützt fühlen.»
Die höchsten Bussen in Belgien
Nebst unterschiedlicher Gesetzeslage bezüglich Gestaltung und Sichtbarkeit der Fussgängerstreifen sowie Regeln für Autofahrer und Fussgänger fiel auch die ungleiche Bussenpraxis auf. Während in Belgien für Nichtbeachtung des Fussgängervortritts bis zu 2750 Euro Busse gesprochen werden können, sind es in Deutschland und Finnland gerade mal 50 Euro. Schweizer Verkehrssünder kommen mit 140 Franken vergleichsweise ebenfalls günstig weg.
In Lugano hat man übrigens auf den jüngsten Städtevergleich reagiert: Der inoffiziell «gefährlichste Fussgängerstreifen Europas» wird entschärft, wie es auf Anfrage bei der Luganeser Polizei heisst. Erster Schritt ist eine Mittelinsel. Weitere Massnahmen sollen folgen. (Bernerzeitung.ch/Newsnet)
Erstellt: 27.12.2011, 16:04 Uhr
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130 Kommentare
ich habe in holland gelebt und habe NIE diese stimmungsmache gegen autofahrer erlebt, wie bei uns. es ging immer um das MITeinander. um die velo(oder «fitsen»-)-fahrer wurde nie so ein kult gemacht, wie bei uns. und «fussgänger» waren immer alle, denn jeder geht zu fuss. es gab verkehrsteilnehmer und es wurde keine stimmung gemacht, gegen eine spezielle gruppe (auto), wie das bei uns der fall ist. Antworten
Ich will niemanden in Schutz nehmen, stelle aber fest, dass Fussgänger sehr oft ohne nach links und rechts zu schauen einfach auf den Fussgängerstreifen "hinauslaatschen". Wenn ich sehe, wie vor allem junge VelofahrerINNEN ohne nach hinten zu schauen plötzlich vor dem Auto nach links abbiegen, dies in der Dämmerung und ohne Licht, dann wird mir übel. Jeder normale Autofahrer kann froh sein, ..... Antworten
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