«Für viele war das ‹Negermusik›»

Von Reinhold Hönle. Aktualisiert am 25.06.2009

Hazy Osterwald (87) wird für sein Lebenswerk mit dem «Swiss Jazz Award» ausgezeichnet. Ein Gespräch über die Geringschätzung des Jazz in der Schweiz und ein altes Angebot aus Hollywood.

Hazy Osterwald 1993 mit Pepe Lienhard.

Hazy Osterwald 1993 mit Pepe Lienhard.
Bild: Keystone

Siegeszug um die Welt

Hazy Osterwald wurde 1922 in Bern als Rolf Erich Osterwalder geboren. Sein Künstlername ist eine Anglifizierung des Rufnamens seines Vaters, des Fussball-Internationalen Adolf Osterwalder. Der «kleine Häsi» wirkte als Pianist im Schulorchester mit, wurde schnell dessen Leiter, lernte Trompete und begann bereits vor der Matura für Koryphäe Teddy Stauffer Arrangements zu schreiben. 1944 gründete er seine erste Formation.

Mit seinem Hazy Osterwald Sextett trat er einen Siegeszug rund um die Welt an, vor allem jedoch durch Deutschland. Der Hit «Kriminal-Tango» sowie Auftritte in Fernsehshows und Musikfilmen machten ihn zur Showbiz-Grösse. Osterwald ist Vater von vier Kindern und lebt mit seiner dritten Ehefrau, der Schauspielerin Eleonore Schmid, seit 1979 in Luzern.

Hazy Osterwald, am Samstag erhalten Sie den von Radio Swiss Jazz erstmals verliehenen «Lebenswerk-Swiss-Jazz-Award». Was bedeutet Ihnen diese Auszeichnung?
Ich bin überrascht, da ich in der Schweiz zwar immer ein begeistertes Publikum hatte, von anderer Seite aber nie viel Anerkennung erfahren habe. Künstler gelten hier zu Lande nicht viel. Das sieht man auch, wenn man die Zeitungen liest. Ihre Meinung ist nicht gefragt, wenn es um die aktuelle Krise geht. Dagegen wird bei Politikern jedes Wort publiziert.

Kennen Sie die Gründe?
Bei Radio und Fernsehen gab es nur wenige Leute, die sich für den Jazz einsetzten. Für die meisten, vor allem die älteren, war das «Negermusik», was wir machten. Volksmusik stand höher im Kurs. Walo Linder, der selbst bei Teddy Stauffer gespielt hatte und später die DRS-Unterhaltungsabteilung leitete, war eine Ausnahme.

Sie haben auch den von ihm ins Leben gerufenen «Prix Walo» erhalten...
Ich war 1974 sogar sein erster Träger und bekam 2001 noch den «Ehren-Prix-Walo» für mein Lebenswerk. Das Schweizer Fernsehen hat mich hingegen weit gehend geschnitten.

Obwohl Sie auch in Deutschland ein Star waren?
Gerade deswegen! Vielleicht ist das jetzt etwas hoch gegriffen, aber ich hatte den Eindruck, dass man eifersüchtig war, dass Martin Walser, der für den Süddeutschen Rundfunk arbeitete, und Michael Pfleghar, der damals beste Fernsehregisseur, extra nach Arosa gekommen waren, um mich unter Vertrag zu nehmen. SF-Unterhaltungschef Max Ernst meinte danach, da ich in Deutschland wäre, bräuchte man mich in der Schweiz nicht.

In der Schweiz haben Sie das Heft selbst in die Hand genommen, als Sie damals Ihre «Hazylands» eröffneten.
Ich hatte zeitweise bis zu acht Tanz- und Musiklokale – und bekam trotzdem kaum Unterstützung. Dabei hatte ich diese oft in Hotels oder Kongresshäusern eröffnet, die nicht rentierten und wo man hoffte, dass ich frischen Wind reinbringen würde!

Bereuen Sie heute etwas?
1952 wollte man mich und mein Sextett für ein halbes Jahr nach Hollywood holen. Das Engagement scheiterte jedoch daran, dass der Präsident der amerikanischen Musikergewerkschaft entschied, dass zuerst einheimische Orchester Arbeit erhalten müssten. Ohne dieses Veto hätte mein Leben wohl einen anderen Verlauf genommen, da wir mit unserer kleinen, flexiblen Formation einen eigenen, dynamischen Stil prägten, mit dem wir dort aus der Masse der Big Bands herausgestochen wären.

Welchen Stellenwert hat die Musik in Ihrem heutigen Leben?
Ich höre immer noch Musik, aber ich kann sie nicht mehr selbst machen. Nachdem ich mit 82 Jahren aufgehört hatte, Trompete zu spielen, musste ich bald auch das Vibrafonspielen aufgeben, als sich die Parkinson-Symptome zu verstärken begannen. Wegen dieser blöden Krankheit, die in keiner Hinsicht weh tut, kann ich leider nicht mehr lange gehen und stehen.

Machen Sie auch keine Musik im stillen Kämmerlein, als Therapie?
Nein, amateurhaft geht nicht. Man muss seine ganze Persönlichkeit in die Musik legen und nicht nur «ein bisschen spielen» können. Nachdem der Karfreitag lange der einzige Tag im Jahr war, an dem ich frei hatte, weil Konzerte verboten waren, will ich mich nun jedoch nicht beklagen... Ich hatte eine erfüllte Karriere, habe gut verdient und das Geld auch wieder ausgegeben.

Was macht Ihre «Susie» nun ohne Sie?
Eine meiner Trompeten ist im Hotel Montana in Luzern ausgestellt, eine andere habe ich dem Schweizer Jazzclub in Uster geschenkt. Ich wollte sie nicht mehr in der Wohnung haben. Wenn ich in Erinnerungen schwelgen will, schaue ich mir die 35 grossen Fotoalben an, die ich im Lauf der Jahre angefertigt habe. Möchten Sie die Bilder unserer Australien-Ferien sehen?

Wann waren Sie dort?
Das war 2000, eine ganz tolle Reise. Heute könnte ich solch grosse Sprünge nicht mehr machen, aber ausser in Japan war ich ja auch schon überall.

Weshalb Sind Sie eigentlich innerhalb von Luzern umgezogen?
Nachdem ich die «Hazylands» aufgeben musste, weil Live-Tanzmusik nicht mehr gefragt war, vermochte ich auch meine 60-Zimmer-Villa in Feldmeilen nicht mehr zu unterhalten. Da ich mich um keine Mietwohnung kümmern wollte, zog ich ins «National» und profitierte vom Hotel-Service. Der Besitzer hat mich jedoch schikaniert und sich trotz seiner regelmässigen Mietzinserhöhungen beklagt, dass er zu kurz käme. Schliesslich hat er uns nach 23 Jahren gekündigt Sonderbar, seine Frau war sehr sympathisch!

Preisverleihung: Sa, 27. Juni, 20 Uhr, Jazz Club Piazza Torre, Ascona. Im Rahmen des Konzerts des Robi Weber Quartets. Jazz Ascona: 25.6. bis 5.7., Ascona. (Berner Zeitung)

Erstellt: 25.06.2009, 07:35 Uhr

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