Schweiz
Flüchten Frankreichs Scientologen in die Schweiz?
Von Claudio Habicht. Aktualisiert am 25.05.2009
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Scientology in der Schweiz
In der Schweiz gibt es laut Sektenexperte Georg Schmid von der evangelischen Informationsstelle «Kirchen – Sekten – Religionen» mehrere Hundert aktive Scientologen. Im Vergleich zu anderen Ländern sei das eine grosse Anzahl. «Gerade das hohe Einkommensniveau ist für die Sekte interessant: Nach Aussage von Ehemaligen ist jeder sechste Scientologe auf der höchsten Kurs-Stufe Schweizer.»
Schmid schätzt Scientology als gefährliche Sekte ein: Sie übt grossen Druck auf ihre Mitglieder aus, Kurse zu kaufen, und hat Mitglieder öfters auch veranlasst, zur Finanzierung der Kurse Kredite aufzunehmen. «Menschen, die bei Scientology aussteigen, sind oftmals hoch verschuldet.»
Die Anklage gegen Scientology lautet: organisierter Bandenbetrug. Folgen ihr die Richter des Pariser Gerichts, könnte die Sekte in Frankreich zwangsaufgelöst werden. Für den harten Kern der Sekte – etwa 1000 bis 2000 Personen – bliebe nur eines: Auswandern. «Es ist anzunehmen, dass die Scientologen versuchen werden, in andere französischsprachige Gebiete auszuweichen», sagt Sektenexperte Georg Schmid von der evangelischen Informationsstelle «Kirchen – Sekten – Religionen» im zürcherischen Rüti.
«Lockerer Umgang mit Extremisten»
Die Schweiz ist besonders attraktiv für die Scientologen: Die Behörden schränken so genannte weltanschauliche Gemeinschaften hierzulande nicht ein. «In der Schweiz ist man lockerer im Umgang mit Extremisten», sagt Schmid. Der Sektenexperte vermutet, dass die Scientologen in Genf oder in Lausanne in Lauerstellung gehen würden.
Nicht nur die Romandie, auch andere frankophone Gebiete bieten sich den Scientologen an. «Québec wäre eigentlich naheliegender als die Schweiz. Die kanadische Provinz liegt näher an der Zentrale in den USA.» Für Sektenexperte Schmid ist allerdings klar, dass nur vermögende Scientologen die Möglichkeit hätten, nach Übersee zu gehen. Gar nicht in Frage kommt Belgien: Die dortigen Behörden betreiben eine ähnlich scharfe Antisektenpolitik wie Frankreich.
Druck aus den USA vorprogrammiert
Der Prozess in Paris dauert noch bis 17. Juni. Eines ist für Schmid aber schon jetzt klar: «Das wird einen riesigen Wirbel geben. Die Scientologen sind gut mit der US-Politik vernetzt, ein französisches Verbot würde in den USA als Schlag gegen die Religionsfreiheit angesehen.» In Deutschland, wo die Sekte als totalitäre Organisation eingestuft und vom Verfassungsschutz beobachtet wird, hat man laut Schmid genau aus diesem Grund von einem Verbot abgesehen. Der Druck aus den USA sei zu gross geworden.
Bei Scientology will man keine Stellung nehmen zur möglichen Abwanderung von französischen Mitgliedern in die Schweiz: «Wir gehen davon aus, dass der Fall eingestellt wird», sagt Sprecherin Annette Klug. (Bernerzeitung.ch/Newsnet)
Erstellt: 25.05.2009, 16:36 Uhr
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