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«Es gibt fast nichts, was ich mit diesem Regime nicht erlebt habe»

Von Maurice Thiriet. Aktualisiert am 21.10.2011 123 Kommentare

Alt-Bundesrat Hans-Rudolf Merz will nach dem Tod Ghadhafis seine Version der Geiselaffäre um Max Göldi und Rachid Hamdani erzählen.

Vergebliche Verhandlungen: Merz versuchte im September 2009 in New York, Ghadhafi zur Freilassung der Schweizer Geiseln zu bewegen.

Vergebliche Verhandlungen: Merz versuchte im September 2009 in New York, Ghadhafi zur Freilassung der Schweizer Geiseln zu bewegen.
Bild: SF

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Das war Oberst Muammar al-Ghadhafi

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Der ehemalige libysche Diktator kam 1969 in einem Putsch gegen König Idris an die Macht. In den über 40 Jahren seiner Herrschaft wandelte er sich vom Feind des Westens zum gern gesehenen Gast und wieder zur Persona non grata.

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Herr Merz, wie haben Sie vom Tod Muammar al-Ghadhafi erfahren?
Ich war unterwegs im Berner Oberland und habe es zufällig mitbekommen. Jemand hat mir gesagt, jetzt hätten sie Muammar al-Ghadhafii. Und er sei tot. Das ist jetzt wohl auch bestätigt.

Sie glaubten nicht an seinen Tod?
Sehen Sie, ich habe mit diesem Mann und seinem Regime so viele Ordres und Désordres, so viele Spitzkehren, Finten und Unwahrheiten erlebt, dass ich vielleicht nie ganz sicher sein kann, ob al-Ghadhafi wirklich tot ist. Aber wenn es nun bestätigt ist, wird es so sein. Aber es würde mich nicht wundern, wenn er doch wieder irgendwo auftauchen würde. Es gibt fast nichts, was ich mit diesem Regime nicht erlebt habe, das können Sie mir glauben.

Was empfinden Sie bei dem Gedanken, dass al-Ghadhafi tot ist? Nebst Göldi und Hamdani machte al-Ghadhafi auch Sie leiden.
Ich hatte gehofft, dass dieses Ereignis eintritt, und ich bin froh, dass der Cauchemar (Albtraum, d. Red.) mit diesem Mann und seinem Gewalt- und Willkür-Regime endlich zu Ende geht. Damit ist das Thema abgeschlossen, und auch ich kann es bei Gelegenheit abschliessen.

Ist das Thema für Sie nicht schon lange durch?
Nein. Sehen Sie, über diese Libyen-Affäre ist so viel Falsches berichtet worden, das bis heute auf mir als Person und auf dem Bild meiner Leistung als Bundespräsident lastet. Diese Dinge hätte ich korrigieren oder berichtigen wollen. Aber ich konnte nicht, solange das Regime noch nicht endgültig geschlagen, al-Ghadhafi nicht endgültig beseitigt war. Jede Äusserung von mir zu dieser Sache hätte wieder Landsleute in Gefahr bringen können. Ich stand immer zwischen Hammer und Amboss. Auf der einen Seite stand dieses Willkür-Regime, das mit einer Ausrede nach der anderen die Herausgabe der Geiseln verweigerte und auf der anderen Seite standen die Schweizer Medien, welche die Rückkehr der Geiseln forderten. Während der ganzen Zeit bis heute konnte ich nicht offen sprechen ohne entweder den Verhandlungserfolg oder das Leben weiterer Schweizer im Einflussbereich al-Ghadhafis zu gefährden. Dieser Druck ist nun ein für alle Mal weg. Das ist eine enorme Erleichterung.

Was möchten Sie richtigstellen?
Das muss ich mir zuerst überlegen und dann exakt formulieren. Ich möchte allen Umständen und beteiligten Personen gerecht werden. Nur so viel: Meine Reise nach Tripolis war kein Schnellschuss, wie immer geschrieben wurde, sondern eine lange und gut geplante Mission, die Ghadhafi sabotierte.

Hätten Sie lieber gesehen, wenn al-Ghadhafi lebend gefasst worden wäre?
Ja, ich hatte gehofft, dass er vor ein internationales Gerichtstribunal hätte gestellt werden können. Dann wären sämtliche Untaten dieses Schreckensherrschers auf den Tisch gekommen, und er hätte die Verantwortung übernehmen müssen. Er ist ja nicht nur mit der Schweizer Diplomatie und Schweizer Opfern willkürlich umgesprungen. Auch die bulgarischen Krankenschwestern und der palästinensische Arzt sind willkürlich eingesperrt und jahrelang festgehalten worden, ganz abgesehen von seinen Landsleuten, die zu Zehntausenden für immer in Gefängnissen verschwanden. Dann hätte sich vielleicht auch das Bild in der Öffentlichkeit zu meinen Bemühungen um die Freilassung der Schweizer Geiseln ein bisschen relativiert. Man ist ja nicht nur mit uns so umgesprungen. Auch Hillary Clinton musste sich bei al-Ghadhafi entschuldigen. Die EU musste hochrangigstes Personal und die First Lady Frankreichs schicken, um die Krankenschwestern zu befreien. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 21.10.2011, 06:26 Uhr

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123 Kommentare

Walter Weber

21.10.2011, 06:55 Uhr
Melden 83 Empfehlung

Reiner Schwachsinn, was da in den Medien abgeht! Gestern ca. 15. Minuten nach der Meldung über den Tod von Ghadhafi war auf TXT Seite 137 zu lesen: Laut dem Islamwissenschaftler könnte es einen Neuanfang Lybiens bedeuten! Um solchen Gugus in die Welt zu posaunen brauche ich nun defintiv nicht Islamwissenschafter oder Experte zu sein! Fortsetzung folgt! Antworten


Marie V.Roth

21.10.2011, 10:25 Uhr
Melden 79 Empfehlung

Wer mit Psychophaten(Sysemen) verhandeln muss - und gleichzeitig Menschen (oder Werte) die sich im Machtbereich dieser Systeme befinden, schützen will, braucht viel Zähigkeit. Wer sich gleichzeigit noch im Mediensperrfeuer all der Ignoratnen befindet, die klare "Taten" fordern, ist zwischen Hammer und Amboss. Dazu zu schweigen braucht mehr Rückgrat, als die meisten "Kritiker " je haben werden Antworten




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