Erschwerter Master für Ausländer könnte zum Bumerang werden
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«Die Zahl der ETH-externen Bewerber für ein Masterstudium nehmen rasant zu»: ETH–Rektorin Heidi Wunderli-Allenspach. (Bild: Keystone )
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Der Hilferuf kommt vor allem von der Universität St. Gallen und der ETH Zürich: Bei einzelnen Studiengängen stossen die Kapazitäten der beiden Spitzenhochschulen an ihre Grenzen. «Der Ansturm ist so gross, dass wir mit dem Ausbau von Personal und Infrastruktur nicht mehr nachkommen», sagte Thomas Dyllick, Prorektor der Universität St. Gallen, der «NZZ am Sonntag».
Automatischer Zugang
Ein Grund ist der Zustrom ausländischer Studierender zu den Masterstudiengängen der Schweizer Hochschulen. Das Masterstudium ist die zweite Stufe im Bologna-System, das Bachelorstudium die erste. Heute kommen laut Bundesamt für Statistik 29 Prozent der Masterstudenten aus dem Ausland. Bis 2015 wird mit einem Anstieg auf 33 Prozent gerechnet. Die Zahl der ETH-externen Bewerber für ein Masterstudium nehme rasant zu, sagt auch ETH-Rektorin Heidi Wunderli-Allenspach. Vor drei Jahren seien es noch 1100 gewesen, dieses Jahr bereits 2600 Bewerber, 90 Prozent kamen aus dem Ausland.
Ein Grund für die Attraktivität helvetischer Hochschulen ist der Umstand, dass der Bachelor in der Schweiz automatisch Zugang zum Masterstudium verschafft. Das gilt auch für Inhaber eines ausländischen Bachelor. Allerdings entsprächen die Bewerbungen mit einem ausländischen Bachelor «generell noch nicht dem gewünschten Qualitätsniveau», sagte Wunderli-Allenspach der «NZZ am Sonntag». Die ETH sieht dadurch ihr Qualitätsniveau gefährdet.
Die Rektoren der Schweizer Hochschulen planen nun Gegenmassnahmen. Ausländische Studierende sollen nicht mehr automatisch zum Masterstudiengang zugelassen werden, sagte Antonio Loprieno, Präsident der Rektorenkonferenz der Schweizer Universitäten (Crus), gegenüber dem TA.
Unis wollen auswählen
Die Rektorenkonferenz will bis Ende Jahr einen Lösungsvorschlag präsentieren. Im Wesentlichen geht es darum, dass die Hochschulen für ihre Masterstudiengänge Kontingente festlegen und die Absolventen auswählen können. Die Selektion ist für Studiengänge mit überdurchschnittlich vielen Ausländern vorgesehen. Der Zugang für Inhaber eines Schweizer Bachelor zum Masterstudium sei nicht gefährdet, sagt Loprieno. Betroffen wären vor allem ausländische Studierende, die den Anforderungen nicht genügten.
Während andere Länder den Zugang zu ihren Hochschulen beschränkten, gewähre die Schweiz allen Bachelor-Inhabern freien Zugang. Wer im Ausland aus qualitativen Gründen abgewiesen werde, könne in die Schweiz ausweichen. «Diese Asymmetrie wollen wir korrigieren», so Loprieno.
Heikle Beschränkung
Entscheiden muss die Schweizerische Universitätskonferenz (SUK), in der die kantonalen Bildungsdirektoren, der Staatssekretär für Bildung und Forschung sowie die Hochschulrektoren Einsitz haben. Eine Zulassungsbeschränkung, die vor allem die ausländischen Studierenden trifft, ist heikel. Denn das Bologna-System geht vom Prinzip der gegenseitigen Anerkennung der Studienabschlüsse unter den Mitgliedsstaaten aus.
Deshalb müsste die Schweiz aufpassen, dass sie durch eine Zulassungsbeschränkung nicht den freien Zugang Schweizer Studierender an Universitäten im Ausland gefährdet. In der Schweiz treten rund 90 Prozent der Bachelor-Absolventen in einen Masterstudiengang über. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 06.09.2010, 11:09 Uhr
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